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Diebe brauchen den Autoschlüssel nicht mehr: ADAC warnt vor Sicherheitslücken bei Keyless-Systemen

RJA1988 (CC0), Pixabay

Keyless-Systeme gehören bei vielen modernen Autos längst zum Alltag: Der Fahrer nähert sich seinem Wagen, die Türen lassen sich ohne klassischen Schlüssel öffnen und auch zum Starten genügt es, dass sich der Funkschlüssel in der Nähe befindet. Was bequem klingt, kann jedoch ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.

Der ADAC warnt aktuell davor, dass sich zahlreiche Keyless-Systeme weiterhin manipulieren lassen. Nach Angaben des Automobilclubs wurden innerhalb von zehn Jahren mehr als 850 Fahrzeuge auf die Sicherheit der Technik untersucht. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Fast jedes zweite getestete Fahrzeug ließ sich mithilfe eines verlängerten Funksignals öffnen. Bei ungefähr jedem dritten gelang sogar das Starten des Motors.

Autodiebstahl ohne Aufbrechen des Fahrzeugs

Das Problem liegt in der Funkverbindung zwischen Schlüssel und Fahrzeug. Bei anfälligen Systemen lässt sich diese Kommunikation künstlich verlängern.

Im Test des ADAC wurde das Signal zwischen Schlüssel und Auto mit einem Funkverlängerer über größere Entfernungen übertragen. Nach Angaben des Automobilclubs können dabei sogar Hunderte Meter sowie Hindernisse wie Türen und Mauern überwunden werden.

Das Fahrzeug kann dadurch fälschlicherweise den Eindruck erhalten, der Schlüssel befinde sich unmittelbar in seiner Nähe. Ist das System nicht ausreichend geschützt, lässt sich der Wagen öffnen – und bei manchen Modellen anschließend sogar starten.

Für Autobesitzer ist die Gefahr besonders tückisch: Der Schlüssel muss dafür nicht verloren gegangen oder gestohlen worden sein.

Mehr als 850 Fahrzeuge getestet

Der ADAC beschäftigt sich nach eigenen Angaben bereits seit rund zehn Jahren mit den Sicherheitsproblemen von Keyless-Systemen. Inzwischen wurden mehr als 850 Fahrzeuge untersucht.

Dass sich trotz der seit Jahren bekannten Problematik noch immer fast die Hälfte der untersuchten Fahrzeuge mit einem verlängerten Funksignal öffnen lässt, bewertet der Automobilclub kritisch.

Allerdings zeigt sich auch eine positive Entwicklung. Einige Hersteller haben ihre Systeme technisch weiterentwickelt.

UWB-Technik soll Manipulation erschweren

Als wichtige Schutztechnik nennt der ADAC Ultra-Wide-Band (UWB). Mit dieser Technologie kann nicht nur das Funksignal erkannt, sondern auch dessen tatsächliche Laufzeit beziehungsweise Entfernung besser bestimmt werden. Eine bloße Verlängerung des Signals soll dadurch nicht mehr ausreichen, um dem Fahrzeug einen Schlüssel in unmittelbarer Nähe vorzutäuschen.

Nach Einschätzung des ADAC gelten entsprechende UWB-Systeme nach aktuellem Stand der Technik als gut abgesichert.

Das Problem: Noch immer setzen laut ADAC zahlreiche Hersteller beziehungsweise Fahrzeugmodelle auf ältere und weniger sichere Lösungen.

Schon beim Autokauf nach der Technik fragen

Verbraucher können deshalb bereits beim Fahrzeugkauf ansetzen. Wer einen Wagen mit Keyless-Komfortsystem erwerben möchte, sollte gezielt fragen, welche Sicherheitstechnik eingesetzt wird und ob das Fahrzeug UWB verwendet.

Dabei sollte man sich nicht allein darauf verlassen, dass ein Fahrzeug besonders neu oder teuer ist. Entscheidend ist die konkret verbaute Technik.

Bei einem bereits vorhandenen Auto kann außerdem ein Blick in die Bedienungsanleitung sinnvoll sein. Bei manchen Fahrzeugen lässt sich die Keyless-Funktion deaktivieren. Wer den Komfort nicht benötigt, kann damit eine zusätzliche Angriffsmöglichkeit reduzieren.

Schlüssel nicht direkt neben Haustür oder Fenster legen

Auch die Aufbewahrung des Autoschlüssels spielt eine Rolle. Der ADAC empfiehlt, Funkschlüssel innerhalb von Gebäuden nicht unmittelbar in der Nähe von Außentüren, Fenstern oder Außenwänden aufzubewahren.

Gerade der häufig genutzte Schlüsselplatz im Eingangsbereich kann daher ungünstig sein.

Wer über eine Garage verfügt, sollte sein Fahrzeug nach Empfehlung des ADAC nachts möglichst in einer verschlossenen Garage abstellen.

Autobesitzer sollten ihr eigenes Modell überprüfen

Die Testergebnisse zeigen vor allem, dass sich das Risiko nicht pauschal anhand der Marke oder des Alters eines Autos beurteilen lässt. Der ADAC veröffentlicht deshalb eine Übersicht darüber, wie einzelne getestete Fahrzeuge abgeschnitten haben.

Für Besitzer eines Autos mit Keyless-System kann es sinnvoll sein, gezielt nach dem eigenen Modell zu suchen und zu überprüfen, welche Technik verbaut ist.

Komfort darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen

Keyless-Systeme sollen Autofahrern das Leben erleichtern. Die aktuellen Zahlen des ADAC zeigen jedoch, dass dieser Komfort bei zahlreichen Fahrzeugen weiterhin mit einem Sicherheitsproblem verbunden sein kann.

Besonders bemerkenswert ist die Größenordnung: Fast jedes zweite der untersuchten Fahrzeuge konnte im Test mit einem verlängerten Funksignal geöffnet werden, etwa jedes dritte sogar gestartet werden.

Für Autobesitzer bedeutet das nicht, vollständig auf moderne Zugangssysteme verzichten zu müssen. Sie sollten jedoch wissen, welche Technik in ihrem Fahrzeug steckt, ob sich Keyless deaktivieren lässt und wie sie ihren Funkschlüssel aufbewahren.

Denn im ungünstigsten Fall benötigen Autodiebe weder einen gestohlenen Schlüssel noch ein eingeschlagenes Fenster – das manipulierte Funksignal kann ausreichen.

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