Dark Mode Light Mode

Windpark Grüner Weg Meerhof mit 82 Millionen Euro Schulden – Bankguthaben bricht um neun Millionen Euro ein

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Die Bilanz des Windparks Grüner Weg Meerhof zeigt für 2024 außergewöhnlich hohe Dimensionen: Vermögenswerten von rund 82,8 Millionen Euro stehen Verbindlichkeiten von mehr als 82,3 Millionen Euro gegenüber. Das ausgewiesene Kommanditkapital beträgt dagegen lediglich 1.000 Euro. Gleichzeitig sank das Bankguthaben innerhalb eines Jahres um mehr als neun Millionen Euro. Auffällig sind zudem Forderungen von fast 22 Millionen Euro und Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern von rund 24 Millionen Euro.

Die Windpark Grüner Weg Meerhof GmbH & Co. KG mit Sitz in Marsberg hat ihren Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024 vorgelegt. Die Gesellschaft ist beim Amtsgericht Arnsberg unter HRA 2998 eingetragen. Der Abschluss wurde am 21. Juli 2026 festgestellt.

Die Zahlen zeigen eine große Windpark-Projektgesellschaft mit einer Bilanzsumme von 82,82 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 89,20 Millionen Euro. Damit ist die Bilanzsumme innerhalb eines Jahres um rund 6,38 Millionen Euro beziehungsweise 7,2 Prozent zurückgegangen.

Trotz dieses Rückgangs bleibt das Sachanlagevermögen mit Abstand der größte Vermögensblock. Es erhöhte sich sogar leicht von 51,41 Millionen Euro auf 51,69 Millionen Euro.

Das ist bemerkenswert, weil Windenergieanlagen normalerweise laufend abgeschrieben werden. Dass der Buchwert des Sachanlagevermögens dennoch um rund 279.000 Euro gestiegen ist, spricht dafür, dass 2024 Investitionen beziehungsweise Zugänge erfolgt sein könnten, die die Abschreibungen überstiegen. Welche Investitionen konkret dahinterstehen, geht aus den veröffentlichten Angaben allerdings nicht hervor.

Deutlich stärker erhöhte sich das Finanzanlagevermögen. Es stieg von 3,72 Millionen Euro auf 5,60 Millionen Euro – ein Plus von rund 1,88 Millionen Euro beziehungsweise gut 50 Prozent.

Damit hat die Gesellschaft ihre Beteiligungen beziehungsweise langfristigen Finanzanlagen erheblich ausgeweitet.

Gleichzeitig verschwanden die immateriellen Vermögensgegenstände vollständig aus der Bilanz. Ende 2023 standen hier noch 851.313 Euro, Ende 2024 beträgt der Wert null Euro.

Eine der auffälligsten Veränderungen findet sich allerdings beim Bankguthaben.

Ende 2023 verfügte die Gesellschaft noch über liquide Mittel von 12,66 Millionen Euro. Zum 31. Dezember 2024 waren davon nur noch 3,65 Millionen Euro vorhanden.

Das bedeutet einen Rückgang um rund 9,01 Millionen Euro beziehungsweise 71 Prozent innerhalb eines einzigen Jahres.

Damit hat sich das unmittelbar verfügbare Liquiditätspolster massiv verkleinert.

Ein Teil dieser Entwicklung wird durch einen Anstieg der Forderungen kompensiert. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände erhöhten sich von 19,26 Millionen Euro auf 21,84 Millionen Euro.

Das entspricht einem Zuwachs um rund 2,58 Millionen Euro beziehungsweise 13,4 Prozent.

Bilanztechnisch handelt es sich dabei zwar ebenfalls um Vermögen. Für die finanzielle Stabilität macht es jedoch einen erheblichen Unterschied, ob mehrere Millionen Euro unmittelbar auf Bankkonten verfügbar sind oder zunächst als Forderungen eingezogen werden müssen.

Auch die Vorräte gingen drastisch zurück. Ende 2023 wurden noch knapp 910.000 Euro ausgewiesen. Ein Jahr später waren es lediglich 4.875,82 Euro.

Damit ist diese Bilanzposition praktisch vollständig verschwunden.

Auf der Passivseite wird das enorme Finanzierungsvolumen des Projekts sichtbar.

Die Gesellschaft weist zum Jahresende 82.388.452,91 Euro Verbindlichkeiten aus. Ende 2023 waren es sogar 88.585.159,06 Euro.

Innerhalb eines Jahres wurden die bilanzierten Schulden somit um rund 6,20 Millionen Euro reduziert.

Das entspricht einem Rückgang von etwa sieben Prozent.

Der Schuldenabbau ist damit erheblich. Allerdings bleibt die absolute Verschuldung außergewöhnlich hoch.

Besonders interessant ist die Laufzeitenstruktur.

Von den insgesamt 82,39 Millionen Euro Verbindlichkeiten sind 40,88 Millionen Euro innerhalb eines Jahres fällig.

Weitere 41,51 Millionen Euro haben eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.

Damit entfällt praktisch die Hälfte der gesamten Verschuldung auf kurzfristige Verpflichtungen. Rund 49,6 Prozent der Verbindlichkeiten sind innerhalb eines Jahres fällig.

Dieser hohe kurzfristige Anteil verdient besondere Aufmerksamkeit.

Denn den kurzfristigen Verbindlichkeiten von rund 40,88 Millionen Euro stehen zum Bilanzstichtag lediglich rund 3,65 Millionen Euro Bankguthaben gegenüber.

Natürlich dürfen für eine Liquiditätsbetrachtung nicht nur Bankguthaben berücksichtigt werden. Hinzu kommen unter anderem Forderungen von 21,84 Millionen Euro. Selbst Bankguthaben und sämtliche ausgewiesenen Forderungen zusammen erreichen mit rund 25,50 Millionen Euro jedoch nicht die kurzfristigen Verbindlichkeiten von 40,88 Millionen Euro.

Das allein bedeutet noch keinen Liquiditätsengpass. Entscheidend wären unter anderem die laufenden Einnahmen aus dem Stromverkauf, Fälligkeitstermine, Kreditlinien und mögliche konzerninterne Finanzierungen. Diese Informationen lassen sich aus der veröffentlichten Bilanz nicht vollständig ableiten.

Ein weiterer bedeutender Posten sind die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.

Sie beliefen sich Ende 2024 auf 24,02 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 25,45 Millionen Euro.

Damit wurden die Gesellschafterverbindlichkeiten um rund 1,43 Millionen Euro reduziert.

Dennoch machen sie weiterhin rund 29 Prozent der gesamten Verbindlichkeiten aus. Ein erheblicher Teil der Finanzierung stammt somit offenbar aus dem Gesellschafterbereich.

Das bilanzielle Eigenkapital fällt dagegen extrem niedrig aus.

Ausgewiesen werden lediglich 1.000 Euro Kapitalanteile der Kommanditisten.

Bei einer Bilanzsumme von 82,82 Millionen Euro entspricht dies rechnerisch einer Eigenkapitalquote von nur rund 0,0012 Prozent.

Diese Zahl wirkt auf den ersten Blick spektakulär. Sie sollte allerdings nicht isoliert interpretiert werden. Gerade bei Projektgesellschaften können Finanzierungsstrukturen stark von klassischen Industrie- oder Handelsunternehmen abweichen. Gesellschafter können beispielsweise erhebliche Beträge über Darlehen oder andere Finanzierungsinstrumente zur Verfügung stellen, die bilanziell als Fremdkapital erscheinen.

Genau darauf deuten die rund 24 Millionen Euro Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern hin.

Eine Aussage, die Gesellschaft sei aufgrund der extrem niedrigen bilanziellen Eigenkapitalquote wirtschaftlich gefährdet, wäre deshalb allein auf Basis dieser Zahlen nicht gerechtfertigt.

Die Rückstellungen gingen unterdessen zurück. Ende 2023 lagen sie bei 617.056,93 Euro, Ende 2024 bei 432.640,34 Euro. Das entspricht einem Rückgang von knapp 30 Prozent.

Zusätzlich zu den bilanzierten Verpflichtungen bestehen langfristige finanzielle Verpflichtungen aus Pachtverträgen.

Die Gesellschaft beziffert die Mindestpachten auf rund 1,65 Millionen Euro.

Besonders interessant sind die dazu veröffentlichten Erläuterungen.

Die Nutzungsverträge für die Standorte der Windenergieanlagen seien grundsätzlich auf 30 Jahre ab Inbetriebnahme angelegt. Die Gesellschaft geht jedoch aufgrund der von ihr beschriebenen energierechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von einer wirtschaftlichen Vertragslaufzeit von 20 Jahren aus.

Nach Darstellung im Jahresabschluss könne nach Ablauf der maßgeblichen Vergütungsperiode auf Grundlage der angenommenen Rahmenbedingungen kein wirtschaftlicher Anlagenbetrieb mehr dargestellt werden. Die Windenergieanlagen müssten dann abgebaut werden, wodurch auch die Nutzungsverträge endeten.

Diese Aussage gibt einen interessanten Einblick in die langfristige Planung der Gesellschaft: Nicht allein die technische Lebensdauer der Windenergieanlagen entscheidet über deren Betrieb, sondern vor allem die Frage, ob sich die Stromproduktion nach Ablauf bestimmter Förder- beziehungsweise Vergütungsbedingungen wirtschaftlich noch rechnet.

Die Windparkgesellschaft selbst beschäftigt keine Arbeitnehmer. Die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten lag 2024 bei null. Betrieb, Wartung, Verwaltung und weitere Dienstleistungen dürften daher außerhalb der eigentlichen Projektgesellschaft organisiert sein.

Unterzeichnet wurde der Jahresabschluss von Geschäftsführer Michael Flocke.

Insgesamt zeigt die Bilanz ein Unternehmen mit enormen Vermögenswerten, aber gleichzeitig einer sehr hohen Fremdfinanzierung.

Positiv fällt auf, dass die gesamten Verbindlichkeiten innerhalb eines Jahres um rund 6,2 Millionen Euro reduziert wurden. Auch die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern gingen zurück.

Auf der anderen Seite steht der massive Rückgang der liquiden Mittel: Innerhalb eines Jahres sank das Bankguthaben von 12,66 auf 3,65 Millionen Euro.

Gleichzeitig stiegen die Forderungen auf fast 22 Millionen Euro. Damit hat sich die Struktur des Umlaufvermögens erheblich verändert: Deutlich weniger Geld liegt unmittelbar auf Bankkonten, während ein größerer Betrag in Forderungen gebunden ist.

Besonders aufmerksam sollte die weitere Entwicklung der kurzfristigen Verbindlichkeiten verfolgt werden. Mit 40,88 Millionen Euro erreichen sie eine Größenordnung, die fast der Hälfte der gesamten Schulden entspricht.

Ob daraus tatsächlich ein finanzielles Risiko entsteht, lässt sich anhand des veröffentlichten Jahresabschlusses allein jedoch nicht beurteilen. Dafür wären insbesondere die Gewinn- und Verlustrechnung, Informationen zum operativen Cashflow, zu Stromerlösen sowie detaillierte Angaben zur Finanzierungsstruktur notwendig.

Fest steht aber: Der Windpark Grüner Weg Meerhof bewegt sich finanziell in einer ganz anderen Größenordnung als viele kleinere Windparkgesellschaften. Mehr als 51 Millionen Euro Sachanlagen, knapp 22 Millionen Euro Forderungen und über 82 Millionen Euro Verbindlichkeiten machen das Projekt zu einem kapitalintensiven Unternehmen – bei einem bilanziell ausgewiesenen Kommanditkapital von gerade einmal 1.000 Euro.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Sicherungsmaßnahmen vom 18. August 2026: Unternehmen aus Immobilien, Beteiligungen, Energie, Bau, Logistik, Pflege und Handel betroffen

Next Post

HAL Systematic Multi Asset Conservative – Solide Erholung mit defensivem Profil, aber Mittelabflüsse bleiben Warnsignal