Die Vorstellung ist beunruhigend: Auf dem Dach produziert eine Photovoltaikanlage täglich Strom – doch ein beschädigter Stecker, ein schlecht ausgeführter Anschluss oder ein technischer Defekt entwickelt sich unbemerkt zu einer Hitzequelle. Im schlimmsten Fall entsteht ein Lichtbogen und schließlich ein Brand.
Mit dem massiven Ausbau der Solarenergie gewinnt deshalb auch die Frage nach der Sicherheit der Anlagen an Bedeutung.
Neue Zahlen britischer Feuerwehren zeigen zunächst einen deutlichen Anstieg. Nach einer Auswertung des Industrieversicherers QBE wurden im Jahr 2025 insgesamt 212 Brände im Zusammenhang mit Solaranlagen registriert. Drei Jahre zuvor waren es 91.
Damit stieg die Zahl um 133 Prozent.
Diese Prozentzahl klingt dramatisch. Für eine realistische Einschätzung muss allerdings berücksichtigt werden, dass im gleichen Zeitraum auch die Zahl installierter Solaranlagen kräftig gewachsen ist – laut der zugrunde liegenden Auswertung um 52 Prozent.
Mehr Anlagen bedeuten zwangsläufig auch mehr Gelegenheiten für technische Defekte.
Entscheidend ist deshalb nicht nur die absolute Zahl der Brände, sondern die Frage, wie häufig eine einzelne Anlage tatsächlich einen Brand verursacht.
Und hier fällt das Bild deutlich weniger alarmierend aus.
Nach Angaben, die der MDR unter Berufung auf einen Experten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme veröffentlicht hat, löst lediglich etwa eine von 13.000 Photovoltaikanlagen selbst einen Brand aus. Das entspricht ungefähr 0,008 Prozent.
Das Risiko ist damit sehr gering.
Trotzdem liefern die britischen Zahlen wichtige Hinweise darauf, an welchen Stellen Probleme entstehen können.
Auffällig sind vor allem Gleichstromleitungen und Steckverbindungen. In 49 der untersuchten Fälle wurden diese als Ursache genannt.
Das ist technisch durchaus nachvollziehbar.
Solarmodule produzieren Gleichstrom. Dieser fließt über Kabel und Steckverbindungen zum Wechselrichter, der ihn anschließend in den für das Stromnetz benötigten Wechselstrom umwandelt.
Genau auf dieser Gleichstromseite können fehlerhafte Verbindungen besonders problematisch werden.
Eine wichtige Rolle spielen dabei sogenannte MC4-Steckverbindungen. Sie sind bei Photovoltaikanlagen weit verbreitet und verbinden beispielsweise Module untereinander oder mit Wechselrichtern und Batteriesystemen.
Doch „MC4“ ist nicht automatisch gleich „MC4“.
Der Begriff stammt ursprünglich von einer Steckverbinderfamilie des Herstellers Stäubli. Inzwischen gibt es zahlreiche ähnlich aussehende Stecksysteme unterschiedlicher Hersteller.
Dass zwei Stecker mechanisch ineinanderpassen, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass sie elektrisch optimal miteinander funktionieren.
Unterschiede bei Material, Kontaktflächen, Fertigungstoleranzen oder Dichtungen können dazu führen, dass eine Verbindung zwar zunächst funktioniert, langfristig aber Probleme verursacht.
Eine mögliche Folge ist ein erhöhter Übergangswiderstand.
Vereinfacht gesagt trifft der elektrische Strom dabei auf eine schlechte Kontaktstelle. An dieser Stelle entsteht Wärme.
Unter ungünstigen Umständen kann die Temperatur erheblich steigen.
Noch gefährlicher wird es, wenn sich ein sogenannter Lichtbogen bildet. Dabei fließt der Strom über einen kleinen Luftspalt zwischen zwei nicht mehr sauber verbundenen Kontakten weiter.
Dabei können sehr hohe Temperaturen entstehen.
Befindet sich brennbares Material in unmittelbarer Nähe, kann daraus ein Brand entstehen.
Die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE warnt deshalb davor, Gleichstrom-Steckverbinder unterschiedlicher Hersteller miteinander zu kombinieren. Stecker und Kupplung sollten als zusammengehöriges System verwendet werden.
Die britische Auswertung zeigt zugleich, dass nicht ausschließlich Steckverbindungen betroffen sind.
In 36 Fällen wurden Solarmodule selbst als betroffene beziehungsweise ursächliche Komponenten aufgeführt. Bei Wechselrichtern waren es 19 Fälle.
Ein weiterer Bereich gewinnt mit dem Ausbau privater Solarenergie zunehmend an Bedeutung: Batteriespeicher.
In der britischen Untersuchung wurden Batteriesysteme in 23 Fällen als Auslöser genannt.
Gerade bei Lithium-Ionen-Batterien existiert ein besonderes Schadensszenario – der sogenannte „Thermal Runaway“.
Dabei erwärmt sich eine Batteriezelle unkontrolliert. Die entstehende Hitze kann weitere Zellen erfassen und eine Kettenreaktion auslösen.
Ursachen können unter anderem Beschädigungen, Überhitzung oder technische Fehler sein.
Ein solcher Batteriebrand stellt auch Feuerwehren vor besondere Herausforderungen. Deshalb sollten Speicher entsprechend den Herstelleranforderungen installiert, ausreichend belüftet und für Einsatzkräfte beziehungsweise Fachpersonal zugänglich sein.
Für Hausbesitzer bedeutet das jedoch nicht, dass Batteriespeicher grundsätzlich gefährlich sind.
Entscheidend sind fachgerechte Installation, geeignete Komponenten und ein technisch einwandfreier Zustand.
Ähnliches gilt für Photovoltaikanlagen insgesamt.
Die Module selbst bestehen überwiegend aus Materialien, die nicht einfach wie Holz oder andere klassische Baustoffe brennen. Brennbar sind insbesondere bestimmte Kunststoffe und weitere Bestandteile der Konstruktion.
Bei einem bereits bestehenden Gebäudebrand können Solarmodule allerdings zusätzliche Herausforderungen verursachen.
Durch starke Hitze können beispielsweise Module beschädigt werden oder bersten.
Hinzu kommt eine Besonderheit der Photovoltaik: Solange Licht auf die Module fällt, können diese weiterhin elektrische Spannung erzeugen.
Selbst wenn ein Gebäude vom öffentlichen Stromnetz getrennt wurde, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass sämtliche Leitungen der Photovoltaikanlage spannungsfrei sind.
Feuerwehren müssen diesen Umstand bei ihren Einsätzen berücksichtigen.
Für Besitzer von Balkonkraftwerken stellt sich angesichts der Zahlen ebenfalls die Frage, ob die kleinen Steckersolargeräte ein besonderes Risiko darstellen.
Dafür liefert die britische Statistik keinen Beleg.
Die Zahlen beziehen sich auf Photovoltaikanlagen insgesamt und weisen keine spezifisch erhöhte Brandgefahr von Balkonkraftwerken aus.
Trotzdem gelten auch bei kleinen Anlagen dieselben grundlegenden elektrischen Prinzipien.
Kabel sollten nicht beschädigt oder dauerhaft stark geknickt sein. Steckverbindungen müssen korrekt sitzen und vor äußeren Einflüssen geschützt sein. Wechselrichter sollten entsprechend den Herstellervorgaben montiert werden.
Wer zusätzlich einen Batteriespeicher verwendet, sollte auch dessen Zustand regelmäßig im Blick behalten.
Besonders aufmerksam sollten Betreiber werden, wenn sich sichtbare Veränderungen zeigen.
Verschmorte oder verfärbte Steckverbindungen, ungewöhnlich heiße Bauteile, beschädigte Kabel oder auffällige Gerüche sind keine normalen Betriebserscheinungen und sollten fachkundig überprüft werden.
Bei größeren Dachanlagen kommt der fachgerechten Planung und Installation eine noch größere Bedeutung zu.
Denn die britischen Daten zeigen eine wichtige Entwicklung: Mit der steigenden Zahl von Photovoltaikanlagen wächst auch die absolute Zahl möglicher Schadensfälle.
Das macht Qualitätskontrolle wichtiger.
Der Solarboom bringt inzwischen Millionen elektrische Komponenten auf Dächer, Fassaden, Garagen und Balkone. Jede einzelne Steckverbindung muss über Jahre hinweg Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und anderen Umwelteinflüssen standhalten.
Bei professionell installierten und technisch einwandfreien Anlagen ist das Risiko gering. Werden jedoch ungeeignete Komponenten kombiniert oder Anschlüsse fehlerhaft ausgeführt, können Schwachstellen entstehen.
Genau deshalb sollte die Schlagzeile von „133 Prozent mehr Solarbränden“ nicht isoliert betrachtet werden.
Sie zeigt einen deutlichen Anstieg der gemeldeten Fälle in Großbritannien. Gleichzeitig hat sich aber auch der Bestand an Solaranlagen erheblich vergrößert.
Für Deutschland lässt sich aus den britischen Zahlen zudem nicht unmittelbar eine identische Entwicklung ableiten.
Die entscheidende Botschaft lautet daher weder „Solaranlagen sind brandgefährlich“ noch „das Problem kann ignoriert werden“.
Photovoltaik ist nach den verfügbaren Erkenntnissen eine Technik mit einem sehr niedrigen Brandrisiko. Dieses geringe Risiko hängt jedoch entscheidend davon ab, dass elektrische Komponenten richtig ausgewählt, fachgerecht verbunden und dauerhaft in gutem Zustand gehalten werden.
Gerade Steckverbindungen verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit.
Denn während das Solarmodul auf dem Dach weithin sichtbar ist, kann sich die entscheidende Schwachstelle an einem wenige Zentimeter großen Anschluss befinden.
Der Solarboom macht deshalb nicht nur mehr Module notwendig – sondern auch mehr Aufmerksamkeit für Qualität, Installation und Wartung.