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Wero kämpft um Bekanntheit: Europas PayPal-Herausforderer hat ein Akzeptanzproblem

Surprising_Media (CC0), Pixabay

Zwei Jahre nach dem Start von Wero fällt die Zwischenbilanz in Deutschland ernüchternd aus. Obwohl der europäische Zahlungsdienst hierzulande nach Angaben der European Payments Initiative bereits neun Millionen registrierte Nutzer zählt, kann eine Mehrheit der Bevölkerung mit dem Namen wenig anfangen.

Das zeigt eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Innofact im Juli 2026 für das Vergleichsportal Verivox durchgeführt hat. Befragt wurden 1.002 Personen.

Nur 39 Prozent der Erwachsenen konnten demnach korrekt angeben, dass es sich bei Wero um einen Zahlungsdienst handelt.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Rund sechs von zehn Befragten wissen nicht, wofür Wero steht.

31 Prozent erklärten sogar, noch nie von dem Dienst gehört zu haben. Weitere 23 Prozent hatten den Namen zwar schon einmal wahrgenommen, konnten ihn aber keinem konkreten Angebot zuordnen.

Weitere sieben Prozent ordneten Wero falsch ein. Einige hielten den Dienst beispielsweise für eine App zum Währungshandel oder für eine Geldanlage-App. Andere vermuteten dahinter eine Debit- beziehungsweise Kreditkarte aus Holz oder einen Dienst zur Identitätsprüfung.

Für ein Bezahlsystem, das den Anspruch hat, langfristig zu einer europäischen Alternative zu etablierten internationalen Anbietern zu werden, ist das ein erhebliches Problem.

Denn Bezahldienste funktionieren in besonderem Maße über Netzwerkeffekte: Je mehr Verbraucher einen Dienst verwenden und je mehr Händler ihn akzeptieren, desto attraktiver wird er für beide Seiten.

Ein Bezahlsystem kann technisch ausgereift sein – wenn Kunden es nicht kennen oder beim Einkauf kaum Möglichkeiten haben, es einzusetzen, entsteht wenig Motivation, das eigene Zahlungsverhalten zu ändern.

Genau vor dieser Herausforderung steht Wero.

Hinter dem Dienst steht die European Payments Initiative, kurz EPI. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister.

Das Ziel ist ambitioniert: Europa soll eine eigene leistungsfähige Infrastruktur für digitale Zahlungen erhalten und damit weniger abhängig von außereuropäischen Zahlungsanbietern werden.

Seit Anfang Juli 2024 ist Wero verfügbar. Zu Beginn konzentrierte sich der Dienst insbesondere auf direkte Geldtransfers zwischen Privatpersonen.

Nutzer können damit beispielsweise Freunden oder Familienmitgliedern Geld schicken – eine Funktion, die vielen Verbrauchern bereits von PayPal bekannt ist.

Inzwischen geht Wero allerdings deutlich darüber hinaus.

Der Zahlungsdienst kann auch bei einer wachsenden Zahl von Online-Händlern zum Bezahlen von Einkäufen verwendet werden. Damit tritt Wero zunehmend in einen Markt ein, in dem Verbraucher bereits zwischen zahlreichen etablierten Lösungen wählen können.

Kreditkarten, PayPal, Apple Pay, Google Pay und Klarna gehören für viele Menschen längst zum digitalen Alltag.

Für Wero entsteht daraus ein klassisches Problem neuer Bezahlsysteme: Verbraucher benötigen einen überzeugenden Grund, ihre bestehenden Gewohnheiten zu verändern.

Wer bereits seit Jahren mit PayPal bezahlt, seine Kreditkarte im Smartphone hinterlegt hat oder Apple Pay beziehungsweise Google Pay verwendet, muss erst davon überzeugt werden, einen zusätzlichen Dienst einzurichten und tatsächlich zu benutzen.

Die Umfrage zeigt, dass genau dieser Schritt bislang häufig ausbleibt.

Unter den 395 Befragten, die nach eigenen Angaben wussten, was Wero ist, hatten 64,8 Prozent den Zahlungsdienst noch nie ausprobiert.

Das ist möglicherweise die wichtigere Zahl der gesamten Untersuchung.

Denn mangelnde Bekanntheit lässt sich grundsätzlich durch Werbung und zunehmende Präsenz verändern. Schwieriger wird es, wenn Verbraucher den Dienst zwar kennen, aber trotzdem keinen Anlass sehen, ihn zu verwenden.

Damit steht Wero vor zwei Herausforderungen gleichzeitig: Der Dienst muss bekannter werden – und aus Bekanntheit tatsächliche Nutzung machen.

Auch die Erwartungen der Verbraucher an die weitere Entwicklung sind zurückhaltend.

Fast 58 Prozent der Befragten bezweifeln laut Umfrage, dass Wero zum beliebtesten Bezahldienst Europas werden kann.

Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, sieht vor allem bei der Alltagstauglichkeit Nachholbedarf. Einen wirklichen Mehrwert könne Wero erst bieten, wenn Verbraucher den Dienst selbstverständlich an möglichst vielen Stellen einsetzen könnten – sowohl im Internet als auch an der Ladenkasse.

Damit spricht Maier einen entscheidenden Punkt an.

Für die meisten Verbraucher ist beim Bezahlen weniger entscheidend, aus welchem Land ein Zahlungsdienst stammt. Wichtiger sind Einfachheit, Sicherheit, Geschwindigkeit und vor allem Akzeptanz.

Ein Bezahldienst, der nur bei einem begrenzten Teil der Händler funktioniert, hat gegenüber einem etablierten Konkurrenten einen strukturellen Nachteil.

Wero versucht deshalb, seine Reichweite Schritt für Schritt auszubauen.

In Belgien, Frankreich und Deutschland kommt der Dienst nach Angaben der EPI inzwischen auf insgesamt 57 Millionen registrierte Nutzer. Davon entfallen neun Millionen auf Deutschland.

Die Zahl klingt zunächst beeindruckend. Im direkten Vergleich mit PayPal wird jedoch sichtbar, wie groß der Abstand zum Marktführer weiterhin ist.

PayPal kommt allein in Deutschland auf rund 35 Millionen aktive Kundenkonten.

Dabei muss zwischen „registrierten Nutzern“ bei Wero und „aktiven Kundenkonten“ bei PayPal unterschieden werden. Die beiden Angaben sind methodisch nicht zwingend unmittelbar vergleichbar. Sie verdeutlichen aber die Größenordnung, in der sich der Wettbewerb bewegt.

Wero setzt deshalb auf weitere Expansion.

In den Niederlanden soll das dort etablierte Online-Bezahlsystem iDEAL schrittweise in Wero überführt werden. Das ist strategisch besonders interessant, weil Wero dort nicht bei null beginnen muss, sondern an ein bereits bekanntes nationales Zahlungssystem anknüpfen kann.

Auch Luxemburg steht auf dem Expansionsplan. Dort soll Wero schrittweise den Dienst Payconiq ersetzen. Der offizielle Start ist für den 1. September 2026 vorgesehen.

Im Laufe des Jahres 2027 soll schließlich Österreich hinzukommen.

Damit könnte Wero in immer mehr europäischen Ländern präsent werden und seinem Anspruch näherkommen, eine grenzüberschreitende europäische Zahlungslösung zu etablieren.

Genau diese grenzüberschreitende Dimension unterscheidet das Projekt von vielen früheren nationalen Zahlungssystemen.

Der politische und wirtschaftliche Hintergrund reicht dabei weit über die Frage hinaus, mit welcher App Verbraucher ihre nächste Online-Bestellung bezahlen.

Europa ist bei wesentlichen Teilen des digitalen Zahlungsverkehrs stark von internationalen – insbesondere amerikanischen – Unternehmen abhängig.

PayPal ist ein US-Unternehmen. Visa und Mastercard sind amerikanische Kreditkartennetzwerke. Auch Apple Pay und Google Pay stammen von US-Technologiekonzernen.

Vor diesem Hintergrund besitzt Wero eine strategische Dimension. Ein erfolgreiches europäisches Bezahlsystem könnte dazu beitragen, einen größeren Teil der Zahlungsinfrastruktur unter europäischer Kontrolle zu halten.

Für Verbraucher allein dürfte dieses Argument allerdings kaum genügen.

Im Alltag entscheidet meist nicht die geopolitische Herkunft einer Zahlungslösung, sondern die Frage: Funktioniert sie überall, schnell und unkompliziert?

Genau hier dürfte sich entscheiden, ob aus Wero tatsächlich ein ernsthafter PayPal-Konkurrent wird.

Dazu muss ein Kreislauf in Gang kommen: Mehr Händler müssen Wero akzeptieren, damit Verbraucher einen Grund haben, den Dienst zu verwenden. Gleichzeitig benötigen Händler genügend aktive Wero-Nutzer, damit sich die Integration für sie lohnt.

PayPal besitzt diesen Vorteil bereits. Millionen Verbraucher haben ein Konto und erwarten bei vielen Online-Händlern, mit dem Dienst bezahlen zu können. Händler wiederum integrieren PayPal gerade deshalb, weil so viele Kunden den Dienst nutzen.

Wero muss diesen Netzwerkeffekt erst aufbauen.

Dabei könnten die beteiligten europäischen Banken einen entscheidenden Vorteil darstellen. Wenn Wero direkt in bestehende Banking-Angebote integriert wird und Nutzer keine vollkommen neue Finanzbeziehung aufbauen müssen, sinkt die Einstiegshürde.

Doch die aktuelle Umfrage zeigt, dass technische Verfügbarkeit und registrierte Nutzerzahlen allein noch keine breite Bekanntheit garantieren.

Neun Millionen registrierte Nutzer in Deutschland stehen einer Bevölkerung gegenüber, von der lediglich 39 Prozent überhaupt wissen, dass Wero ein Zahlungsdienst ist.

Noch deutlicher wird die Herausforderung beim tatsächlichen Gebrauch: Selbst unter denjenigen, die Wero richtig einordnen können, haben fast zwei Drittel den Dienst bislang nicht ausprobiert.

Zwei Jahre nach dem Start befindet sich Europas PayPal-Herausforderer deshalb an einem entscheidenden Punkt.

Die Infrastruktur wächst, neue Länder kommen hinzu und die Zahl der registrierten Nutzer steigt. Gleichzeitig fehlt Wero in Deutschland bislang jene Selbstverständlichkeit, die erfolgreiche Zahlungssysteme auszeichnet.

Niemand muss einem regelmäßigen PayPal-Nutzer erklären, wofür PayPal gedacht ist. Bei Wero ist das offensichtlich noch anders.

Ob sich das mit der Expansion in den Online-Handel, der Einführung in weiteren Ländern und einer späteren stärkeren Präsenz an Ladenkassen verändert, wird darüber entscheiden, ob Wero tatsächlich zu einer europäischen Alternative wird – oder lediglich eine weitere Bezahlmöglichkeit unter vielen bleibt.

Die Voraussetzungen für ein großes europäisches Netzwerk sind vorhanden. Banken und Zahlungsdienstleister stehen hinter dem Projekt, Millionen Nutzer sind registriert und die geografische Expansion läuft.

Die aktuelle Umfrage macht aber ebenso deutlich: Die schwierigste Aufgabe beginnt möglicherweise erst jetzt.

Wero muss nicht nur auf den Smartphones und in den Banking-Systemen der Europäer verfügbar sein. Der Dienst muss in ihren Köpfen und schließlich in ihrem Alltag ankommen.

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