Die AVIA Windpark Heimersheim GmbH & Co. KG hat ihre Verschuldung im Geschäftsjahr 2024 erheblich reduziert. Die Verbindlichkeiten wurden gegenüber dem Vorjahr praktisch halbiert und das bisherige Bankdarlehen vollständig zurückgeführt. Gleichzeitig zeigt der Jahresabschluss jedoch eine deutlich geschrumpfte Bilanz und einen Bilanzverlust von 41.645 Euro, nachdem Ende 2023 noch ein Bilanzgewinn von 88.168 Euro ausgewiesen worden war.
Die Bilanzsumme des Münchner Windparkunternehmens sank innerhalb eines Jahres von 3,78 Millionen Euro auf 2,76 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 1,01 Millionen Euro beziehungsweise knapp 27 Prozent.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die fortschreitende Abschreibung der Windenergieanlagen. Das Sachanlagevermögen reduzierte sich von 2,53 Millionen Euro auf 2,17 Millionen Euro. Der Rückgang um rund 361.500 Euro entspricht gut 14 Prozent.
Forderungen brechen deutlich ein
Noch wesentlich stärker verringerte sich das Umlaufvermögen. Es sank von knapp 1,20 Millionen Euro auf nur noch 540.444 Euro und hat sich damit mehr als halbiert.
Verantwortlich dafür ist vor allem die Entwicklung der Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände. Diese gingen von 853.829 Euro auf lediglich 186.682 Euro zurück – ein Minus von rund 667.000 Euro oder 78 Prozent.
Die liquiden Mittel blieben dagegen bemerkenswert stabil. Die Bank- und Kassenbestände erhöhten sich sogar leicht von 343.876 Euro auf 353.762 Euro. Trotz des erheblichen Schuldenabbaus konnte das Unternehmen seinen Zahlungsmittelbestand damit weitgehend erhalten.
Eigenkapitalquote steigt trotz Verlust
Das Eigenkapital verringerte sich von 1,84 Millionen Euro auf 1,72 Millionen Euro. Die Kapitalanteile der Kommanditisten blieben mit 1,734 Millionen Euro unverändert. Die Rücklagen erhöhten sich leicht von 17.796 Euro auf 26.613 Euro.
Problematischer ist die Ergebnisentwicklung. Während Ende 2023 noch ein Bilanzgewinn von 88.168 Euro ausgewiesen wurde, steht Ende 2024 ein Bilanzverlust von 41.645 Euro in den Büchern.
Der Umschwung beträgt damit rund 129.800 Euro.
Aus dem veröffentlichten Abschluss lässt sich allerdings nicht eindeutig ableiten, welcher Jahresfehlbetrag 2024 tatsächlich erwirtschaftet wurde. Der Anhang verweist auf einen im Bilanzgewinn einbezogenen Gewinnvortrag von 88.000 Euro. Ohne die vollständige Gewinn- und Verlustrechnung sollte der Bilanzverlust daher nicht mit einem Jahresfehlbetrag gleichgesetzt werden.
Trotz des Rückgangs des absoluten Eigenkapitals verbessert sich die rechnerische Eigenkapitalquote deutlich: von rund 48,7 Prozent auf 62,2 Prozent. Ursache dafür ist vor allem die stark geschrumpfte Bilanzsumme und der erhebliche Schuldenabbau.
Verbindlichkeiten praktisch halbiert
Die auffälligste Veränderung findet sich auf der Fremdkapitalseite. Die Verbindlichkeiten sanken von 1,72 Millionen Euro auf 859.092 Euro. Damit wurden innerhalb eines Jahres rund 859.000 Euro beziehungsweise 50 Prozent abgebaut.
Auch die Rückstellungen gingen zurück – von 217.669 Euro auf 185.896 Euro.
Besonders interessant ist die Veränderung der Finanzierung. Nach Angaben im Anhang wurden die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, die im Vorjahr noch 1,693 Millionen Euro betragen hatten, im Geschäftsjahr beglichen.
Damit hat sich die Finanzierungsstruktur des Windparks grundlegend verändert.
AVIA AG übernimmt Anschlussfinanzierung
Schuldenfrei ist die Gesellschaft allerdings nicht. Für die Anschlussfinanzierung des abgelösten Bankdarlehens wurde ein Darlehensvertrag über 750.000 Euro mit der AVIA AG abgeschlossen.
Damit wurde externe Bankfinanzierung zumindest teilweise durch eine Finanzierung innerhalb des AVIA-Umfelds ersetzt.
Der Abschluss enthält an dieser Stelle allerdings eine gewisse Unklarheit: Einerseits heißt es, die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten seien 2024 beglichen worden. Andererseits weist die anschließend dargestellte Restlaufzeitentabelle 750.000 Euro aus, davon 200.000 Euro mit kurzer und 550.000 Euro mit längerer Laufzeit. Zugleich wird das neue Darlehen ausdrücklich der AVIA AG zugeschrieben.
Für eine abschließende Beurteilung der Finanzierungsstruktur wäre deshalb die vollständige Gliederung der Verbindlichkeiten hilfreich.
Fest steht jedoch: 750.000 Euro der Anschlussfinanzierung stammen nach dem Anhang von der AVIA AG.
Windpark gehört zum AVIA-Konzernumfeld
Die gesellschaftsrechtliche Einbindung ist ebenfalls von Bedeutung. Der Jahresabschluss der Windparkgesellschaft wird in den Konzernabschluss der Deutsche AVIA Mineralöl-Gesellschaft mit beschränkter Haftung in München einbezogen.
Die Geschäftsführung übernimmt die AVIA Windpark Service GmbH als persönlich haftende Gesellschafterin. Geschäftsführer ist Holger Mark.
Eigene Mitarbeiter beschäftigt die Windparkgesellschaft nicht. Das entspricht der typischen Struktur einer Projektgesellschaft, bei der Betrieb, Verwaltung und technische Dienstleistungen regelmäßig durch andere Unternehmen erbracht werden.
Entschuldung ist die stärkste Entwicklung
Unter dem Strich fällt der Jahresabschluss 2024 zweigeteilt aus. Auf der einen Seite steht eine deutlich verbesserte Bilanzstruktur. Die Gesamtverbindlichkeiten wurden halbiert, die Bankfinanzierung nach den Angaben des Anhangs abgelöst und die Eigenkapitalquote steigt rechnerisch auf mehr als 62 Prozent. Gleichzeitig verfügt die Gesellschaft weiterhin über rund 354.000 Euro liquide Mittel.
Auf der anderen Seite hat sich die Ergebnisposition verschlechtert. Aus einem Bilanzgewinn von rund 88.000 Euro wurde ein Bilanzverlust von knapp 42.000 Euro. Zudem schrumpft das Sachanlagevermögen durch die fortschreitende Abschreibung weiter.
Gerade bei einem Windpark ist diese Entwicklung langfristig relevant: Mit zunehmendem Alter der Anlagen stellt sich die Frage, wie lange diese noch wirtschaftlich betrieben werden können, welche Instandhaltungs- und Reparaturkosten entstehen und ob später ein Repowering oder Rückbau vorgesehen ist.
Der veröffentlichte Abschluss liefert hierzu keine näheren Angaben.
Insgesamt präsentiert sich die AVIA Windpark Heimersheim GmbH & Co. KG bilanziell deutlich entschuldet und mit einer hohen Eigenkapitalquote. Die Ergebnisentwicklung 2024 fällt dagegen schwächer aus. Für eine tiefergehende wirtschaftliche Bewertung fehlen insbesondere die Gewinn- und Verlustrechnung, Umsatzerlöse, Stromproduktion, Zinsbelastung und operative Cashflows. Erst anhand dieser Daten ließe sich beurteilen, ob der Windpark seine neue Finanzierungsstruktur dauerhaft komfortabel aus dem laufenden Betrieb tragen kann.