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Wanise meint: England kann also doch leiden – und genau das macht sie gefährlich

Hand aufs Herz: Wer England kennt, der weiß, dass die „Three Lions“ gerne schön spielen. Aber kämpfen? Leiden? Mit einem Mann weniger einen knappen Vorsprung über fast 40 Minuten retten? Das gehörte bislang eher nicht zum Markenzeichen.

Doch genau das haben die Engländer gegen Mexiko gezeigt.

Dabei sah zunächst alles nach einem entspannten Arbeitstag aus. Eine halbe Stunde lang plätscherte das Achtelfinale vor sich hin, ehe Jude Bellingham beschloss, den Schalter umzulegen. Zwei Tore in nicht einmal zwei Minuten – eiskalt, abgeklärt und mit einer Selbstverständlichkeit, als würde er auf dem Bolzplatz spielen. In diesem Moment dachte wohl jeder: Das war’s.

Denkste!

Mexiko bewies Moral, antwortete prompt und schaffte noch vor der Pause tatsächlich den Ausgleich. Plötzlich war aus einem scheinbar entschiedenen Spiel wieder ein offener Schlagabtausch geworden. Genau solche Spiele liebt eine Weltmeisterschaft.

Und dann kam die Szene, die alles veränderte: Rot für Jarell Quansah nach VAR-Eingriff. Hart? Vielleicht. Vertretbar? Ebenfalls. Jedenfalls musste England plötzlich mehr als eine halbe Stunde in Unterzahl überstehen.

Doch statt einzubrechen, zeigte die Mannschaft von Thomas Tuchel Charakter. Harry Kane übernahm Verantwortung und verwandelte den fälligen Elfmeter mit der Coolness eines Weltklassestürmers. Als wenig später auch Mexiko einen Strafstoß zugesprochen bekam und erneut verkürzte, war endgültig Feuer drin.

Die Schlussphase hatte alles, was ein WM-K.o.-Spiel braucht: Angriff um Angriff der Mexikaner, verzweifelte Grätschen der Engländer, schwindende Kräfte und jede Menge Nervenkitzel. England verteidigte nicht immer souverän, aber mit Herz, Leidenschaft und einer gehörigen Portion Glück. Manchmal braucht es genau das, um Weltmeister zu werden.

Mexiko kann sich wenig vorwerfen. El Tri hat mutig gespielt, nie aufgegeben und England bis zur letzten Sekunde alles abverlangt. Doch am Ende fehlte das berühmte Quäntchen Glück.

England dagegen nimmt mehr mit als nur den Einzug ins Viertelfinale. Diese Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch dreckige Spiele gewinnen kann. Und das könnte im weiteren Turnierverlauf sogar wertvoller sein als jeder Kantersieg.

Schön war das nicht immer. Spannend dagegen von der ersten bis zur letzten Minute. Und manchmal ist genau das der Stoff, aus dem Weltmeister gemacht werden.

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