Ein neuer Bericht des britischen Rechnungshofs sorgt für Diskussionen über die Nutzung königlicher Immobilien und die Finanzierung von Wohnsitzen innerhalb der Royal Family. Besonders im Fokus steht Andrew Mountbatten-Windsor, der ehemalige Duke of York. Nach Erkenntnissen des National Audit Office (NAO) erzielte er Einnahmen aus der Untervermietung mehrerer Immobilien auf dem Gelände von Royal Lodge, obwohl die Liegenschaften dem Crown Estate gehören.
Der Bericht ist die erste umfassende Untersuchung königlicher Wohnsitze seit zwei Jahrzehnten und wurde vor dem Hintergrund der anhaltenden Debatten über die Rolle und Finanzierung nicht mehr aktiver Mitglieder der Königsfamilie erstellt.
Einnahmen aus drei Cottages auf dem Gelände von Royal Lodge
Laut dem Bericht verfügte Andrew Mountbatten-Windsor über einen langfristigen Pachtvertrag für Royal Lodge in Windsor. Neben dem Hauptgebäude umfasste die Vereinbarung mehrere Nebengebäude und Cottages. Drei dieser Häuser durfte er untervermieten – und machte von dieser Möglichkeit bis April 2026 Gebrauch.
Wie hoch die daraus erzielten Einnahmen waren, geht aus dem Bericht nicht hervor. Nach Angaben aus dem Umfeld des Palastes sollen die Mieteinnahmen lediglich die laufenden Kosten gedeckt haben. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass die Einnahmen an Andrew Mountbatten-Windsor und nicht an den Crown Estate flossen, dessen Gewinne letztlich dem britischen Staatshaushalt zugutekommen.
Der Bericht betont ausdrücklich, dass keine Hinweise auf rechtswidriges Verhalten vorliegen.
Umzug nach Sandringham – Pachtvertrag läuft weiter
Obwohl Andrew Mountbatten-Windsor Royal Lodge Anfang des Jahres verlassen hat und mittlerweile auf dem Sandringham-Anwesen in Norfolk lebt, besitzt er den Pachtvertrag für Royal Lodge weiterhin. Dieser läuft nach Angaben des Rechnungshofs erst im Oktober 2026 aus.
Bereits bei Übernahme der Immobilie hatte Andrew rund 7,5 Millionen Pfund in umfangreiche Renovierungsarbeiten investiert. Im Gegenzug musste er für die Nutzung des Anwesens keine laufende Miete entrichten.
Kostenlose Palastwohnungen für Eugenie und Beatrice
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der Bericht durch Informationen über die Wohnsituation von Prinzessin Eugenie und Prinzessin Beatrice.
Die beiden Töchter von Andrew Mountbatten-Windsor sind keine aktiven Mitglieder des Königshauses und übernehmen keine offiziellen Aufgaben für die Monarchie. Dennoch verfügen beide über Wohnungen in königlichen Palästen im Zentrum Londons.
Prinzessin Eugenie lebt in einer Immobilie im Kensington Palace, während Prinzessin Beatrice eine Wohnung im St. James’s Palace nutzt. Die dafür anfallenden Mietkosten werden nicht von den Prinzessinnen selbst getragen, sondern aus dem sogenannten Privy Purse bezahlt – dem privaten Vermögen des Monarchen.
Die Gebäude selbst werden jedoch über öffentliche Mittel im Rahmen des Sovereign Grant unterhalten.
Kritik an indirekter staatlicher Unterstützung
Die Enthüllungen haben Kritik von Gegnern der Monarchie ausgelöst. Der frühere Innenstaatsminister Norman Baker bezeichnete die Finanzierung als nicht mehr zeitgemäß und sprach von einer indirekten Subventionierung luxuriöser Wohnverhältnisse.
Aus dem Umfeld des Königshauses wird dagegen argumentiert, dass die vom Monarchen gezahlten Mieten sämtliche öffentlichen Kosten kompensieren würden. Zusätzliche Belastungen für den Sovereign Grant entstünden dadurch nicht.
Die genaue Höhe der gezahlten Mieten wird im Bericht nicht genannt. Nach bisherigen Regelungen sollen diese bei etwa 60 Prozent des marktüblichen Mietpreises liegen.
Weitere königliche Immobilien unter der Lupe
Der Bericht beleuchtet insgesamt zwölf Immobilien, die Andrew Mountbatten-Windsor, seinen Familienangehörigen oder Mitarbeitern zur Verfügung standen.
Darüber hinaus wird offengelegt, dass der Crown Estate knapp 400.000 Pfund für Renovierungsarbeiten an einem Wohnsitz aufgewendet hat, bevor der Prince und die Princess of Wales dort einzogen.
Auch andere Mitglieder der erweiterten Königsfamilie profitieren von Wohnregelungen. So lebt beispielsweise Princess Michael of Kent in einer Wohnung im Kensington Palace, deren Kosten ebenfalls über den Privy Purse getragen werden.
Wohnraum als Teil der königlichen Aufgaben
Für aktive Mitglieder der Royal Family gelten andere Regeln. Elf arbeitende Royals erhalten ihre Unterkünfte in königlichen Palästen kostenfrei, da diese als Bestandteil ihrer offiziellen Aufgaben betrachtet werden.
Zu diesem Kreis gehören unter anderem:
- König Charles III. und Königin Camilla,
- Prinzessin Anne,
- der Duke und die Duchess of Edinburgh,
- der Duke und die Duchess of Gloucester,
- der Duke of Kent,
- Princess Alexandra,
- sowie der Prince und die Princess of Wales.
Zusätzlich wohnen 21 weitere Personen mit offiziellen Funktionen innerhalb der königlichen Haushalte mietfrei in den Palästen, darunter mehrere militärische Würdenträger.
Parlament will Ergebnisse weiter untersuchen
Der Bericht des National Audit Office enthält keine Bewertung darüber, ob die bestehenden Regelungen wirtschaftlich sinnvoll oder angemessen sind. Ziel war es vielmehr, Transparenz über die Eigentums- und Nutzungsverhältnisse königlicher Immobilien zu schaffen.
Die Ergebnisse sollen nun vom britischen Public Accounts Committee, dem Rechnungsprüfungsausschuss des Parlaments, weiter untersucht werden. Beobachter erwarten, dass insbesondere die Finanzierung von Wohnraum für nicht aktive Mitglieder der Königsfamilie erneut politische Diskussionen auslösen könnte.
Königshaus verweist auf Transparenz
Der Buckingham Palace begrüßte die Veröffentlichung des Berichts. Ein Sprecher erklärte, die Untersuchung entspreche dem Anspruch des Königshauses auf Transparenz und solle helfen, bestehende Missverständnisse über die Nutzung königlicher Immobilien auszuräumen.
Auch der Crown Estate erklärte, die bestehenden Miet- und Pachtverträge seien auf Grundlage unabhängiger Bewertungen und marktüblicher Standards abgeschlossen worden.
Fazit
Der Bericht liefert seltene Einblicke in die komplexen Wohn- und Finanzstrukturen der britischen Monarchie. Während keine Vorwürfe rechtswidrigen Handelns erhoben werden, wirft die Untersuchung erneut Fragen zur Finanzierung und Nutzung königlicher Immobilien auf. Besonders die Wohnsituation nicht aktiver Royals dürfte die Debatte über Transparenz und öffentliche Finanzierung der Monarchie weiter anheizen.