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Warnung vor dem Abnehmspritzen-Hype: Ärztinnen schlagen Alarm

mojzagrebinfo (CC0), Pixabay

Ursprünglich zur Behandlung von Diabetes und Adipositas entwickelt, sind sogenannte Abnehmspritzen wie Ozempic längst zu einem Lifestyleprodukt geworden. Immer häufiger werden sie auch an normalgewichtige Menschen verschrieben – nicht aus medizinischer Notwendigkeit, sondern zur schnellen Gewichtsreduktion. Zwei Wiener Ärztinnen warnen nun eindringlich vor den gesundheitlichen Risiken dieses Trends.

„So einfach kann man es sich nicht machen“

Die Wiener Medizinerin Eva Wegrostek, Fachärztin für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, sieht die Entwicklung mit großer Skepsis. Im Interview mit der ORF-Sendung „Wien heute“ betont sie, dass sie das Medikament bewusst nicht an gesunde Personen verschreibe. Der schnelle Gewichtsverlust werde oft als unkomplizierte Lösung verkauft – sei aber medizinisch problematisch.

Besonders kritisch sei, dass viele Menschen die Präparate ohne engmaschige ärztliche Betreuung anwenden. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Antriebslosigkeit und Schwächegefühl seien keine Seltenheit. Statt gezielt Fett abzubauen, gerate der Körper in einen „katabolen Zustand“ – also einen Abbauzustand, bei dem auch wertvolle Muskelmasse verloren geht. Die Betroffenen seien dann „kraftlos und krankheitsanfällig“.

Das Phänomen „Ozempic-Face“

Ein sichtbares Zeichen des raschen Gewichtsverlusts ist das sogenannte „Ozempic-Face“. Durch den Verlust von Fettgewebe im Gesicht wirken Betroffene eingefallen und gealtert. „Man schaut aus wie ein Totenkopf“, so Wegrostek drastisch.

Ironischerweise suchen manche anschließend ästhetische Behandlungen wie Hyaluron-Unterspritzungen auf – doch selbst diese seien bei starker Kalorienreduktion kaum wirksam. Für einen gesunden Gewebeaufbau brauche es laut der Ärztin mindestens 1.500 Kilokalorien täglich. Viele Patientinnen und Patienten lägen jedoch deutlich darunter.

Fehlender Fokus auf Ernährung und Training

Ein weiteres Problem: Der schnelle Appetitverlust führt häufig dazu, dass Betroffene nicht nur weniger Kalorien, sondern auch zu wenig Eiweiß zu sich nehmen. Für einen gesunden Gewichtsverlust seien jedoch ausreichende Proteinzufuhr und gezieltes Krafttraining essenziell.

Gerade unter medikamentöser Appetitreduktion müsse sogar deutlich mehr Eiweiß konsumiert werden, um Muskelmasse zu erhalten. Andernfalls drohten langfristige Nachteile für Stoffwechsel, Immunsystem und allgemeine Leistungsfähigkeit.

Unklare Langzeitfolgen

Wegrostek mahnt zudem zur Vorsicht hinsichtlich möglicher Langzeitfolgen. Sie selbst warte bei neuen Medikamenten grundsätzlich fünf Jahre, bevor sie sie routinemäßig einsetze. „Man weiß nie, welche Nebenwirkungen noch auftreten können“, sagt sie.

Die Wirkstoffe – etwa Semaglutid – sind zwar für Diabetes und Adipositas gut untersucht. Für die Anwendung bei gesunden, normalgewichtigen Personen fehlen jedoch belastbare Langzeitstudien.

Kommerzialisierung der Körperoptimierung

Besonders schockierend findet die Ärztin Berichte über Kolleginnen und Kollegen, die die Spritzen auch gesunden Patientinnen und Patienten anbieten – teils für rund 400 Euro pro Monat. Eine 34-jährige Wienerin schildert anonym, sie sei bei einer routinemäßigen Untersuchung aktiv auf die Abnehmspritze angesprochen worden – obwohl sie weder übergewichtig noch diabetisch sei.

Die junge Frau berichtet, sie habe sich im ersten Moment verunsichert gefühlt. Erst später habe sie die Situation als wirtschaftlich motiviert eingeordnet. Der Fall wirft Fragen nach ärztlicher Verantwortung und gesellschaftlichem Schönheitsdruck auf.

Zwischen Gesundheitsbewusstsein und Selbstschädigung

Der Hype um die Abnehmspritzen zeigt ein Spannungsfeld: Einerseits wächst das Bewusstsein für Ernährung und Fitness, andererseits steigt die Bereitschaft, zu schnellen pharmakologischen Lösungen zu greifen.

Die Warnung der Ärztinnen ist klar: Medikamente, die für schwere Stoffwechselerkrankungen entwickelt wurden, sind kein Lifestyle-Tool für kurzfristige Körperoptimierung. Nachhaltiger Gewichtsverlust erfordert weiterhin ausgewogene Ernährung, ausreichend Protein, Bewegung und Geduld – auch wenn der schnelle Weg verlockend erscheint.

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