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Optionsprämien statt Index-Tracking: Anlegeranalyse zum Jahresbericht MKettererPro R (Axxion S.A.)

geralt (CC0), Pixabay

1) Was ist das für ein Produkt – und was kaufe ich damit?

Der Fonds MKettererPro R (ISIN DE000A3DXUG3) ist kein Indexfonds und hat keinen festen Vergleichsmaßstab. Er verfolgt eine aktive Optionsstrategie: Kern sind Long-Positionen auf DAX und Euro Stoxx 50, kombiniert mit dem systematischen Verkauf von Covered Calls. Zielbild: laufende Prämieneinnahmen (Zeitwertverfall der Optionen) und tendenziell gedämpfte Schwankungen in Seitwärts-/moderaten Trendmärkten – im Gegenzug wird das Aufwärtspotenzial oft teilweise „gedeckelt“.

Wichtig: Im Portfolio steckt nicht nur „ETF + Optionen“, sondern zu einem großen Teil auch strukturierte Produkte (Discount-Zertifikate) – das bringt zusätzliche Emittenten-/Kontrahentenrisiken.

2) Performance & Risiko im Berichtsjahr (01.11.2024–31.10.2025)

Wertentwicklung Anteilklasse R: +3,91 % (BVI-Methode).

Der Bericht nennt einen maximalen Drawdown von 8,89 % im Geschäftsjahr – ausgelöst/verschärft durch außergewöhnlich hohe Volatilität und ein politisch getriebenes „Headlines-Risiko“ (Zoll-Ankündigungen/Kommunikationswirrwarr).

Aus Anlegerperspektive heißt das:
Die Strategie liefert nicht „Aktienmarkt pur“, sondern ein Ertragsprofil, das stark davon abhängt, ob der Fonds seine Optionspositionen ruhig „ausrollen“ kann. Wenn – wie im Berichtsjahr – dauernd gerollt/angepasst werden muss, leidet genau die Ertragsquelle, die man eigentlich kaufen möchte (Zeitwertverfall).

3) Portfolio-Struktur: Deutlich mehr Zertifikate als im Vorjahr

Zum 31.10.2025:

Investmentanteile (ETFs): 59,75 %

Zertifikate: 41,83 %

Derivate (netto): -2,11 % (verkaufte Optionen als Verpflichtung)

Bankguthaben: 0,80 %

Zum 31.10.2024 waren Zertifikate nur 8,34 % – der Fonds hat also im Jahr massiv in Discount-Zertifikate umgeschichtet.

Anlegerrelevanz:

Pro: Discount-Zertifikate können in Seitwärtsmärkten „puffernd“ wirken und Erträge planbarer machen (ähnlich wie eine Optionskomponente).

Contra: Sie erhöhen die Abhängigkeit von Emittenten (Bonität/Abwicklung) und sind in Stressphasen nicht immer so „glatt“ wie ein ETF. Das ist ein qualitativ anderes Risiko als reines Marktpreisrisiko.

4) Kosten: Hier liegt der größte strukturelle Gegenwind

Gesamtkostenquote (OCF/TER): 2,51 % p.a.

Verwaltungsvergütung aktuell: 2,19 % p.a.

Ausgabeaufschlag „bis zu 5 %“ (laut Stammdaten; praktisch abhängig vom Vertrieb)

Für eine Strategie, deren „Mehrwert“ in Optionsprämien liegt, sind laufende Kosten ein zentraler Prüfpunkt:
2,51 % p.a. ist hoch und bedeutet: Der Fonds muss erst einmal spürbar „Alpha“/Prämie verdienen, um nach Kosten attraktiv zu sein – insbesondere im Vergleich zu günstigen Index- oder Covered-Call-ETFs (wenn man das Profil grundsätzlich will).

5) Derivate, Leverage und „Tail-Risks“

Der Bericht weist u. a. aus:

Durchschnittlicher Leverage durch Derivategeschäfte: 177,95

Potenzieller Risikobetrag (VaR-ähnliche Kennzahl) mit Spanne bis 108,19 % (Modell: historische Simulation, 99 %, 20 Tage, 52 Wochen)

Das ist für Privatanleger ein klares Signal:
Das Produkt ist komplex und kann in Extremphasen anders reagieren, als ein klassisches Aktien-/ETF-Portfolio. Selbst wenn die Strategie „risikoreduzierend“ gedacht ist, kann das Modell- und Anpassungsrisiko in hektischen Märkten stark steigen.

6) Ergebnisrechnung: Woher kam die Rendite?

Ordentlicher Nettoertrag: negativ (Kostenblock dominiert die laufenden Erträge)

Das Jahresergebnis wird im Wesentlichen über Handelsergebnis/Marktwertveränderungen getragen.

Für Anleger heißt das:

Die laufenden Erträge (Zinsen/ETF-Erträge) sind nicht der Treiber.

Der Erfolg hängt davon ab, ob die Options-/Zertifikate-Konstruktion im Marktregime funktioniert – nach Kosten.

7) ESG/Regulatorik: Artikel-6-Produkt ohne Taxonomie-/PAI-Anspruch

Der Fonds berücksichtigt Nachhaltigkeitsrisiken gem. Artikel 6 SFDR,

keine Ausrichtung auf EU-Taxonomie,

keine Berücksichtigung von PAI (Principal Adverse Impacts).

Wenn Ihnen ESG wichtig ist: Das ist eher „ESG-Risiko wird erwähnt“, aber kein Nachhaltigkeits-/Impact-Produkt.

8) Für wen kann das passen – und wer sollte kritisch sein?

Kann passen, wenn Sie …

ein defensiveres Aktienprofil mit Prämieneinnahmen suchen,

akzeptieren, dass in starken Bullenmärkten Rendite abgeschnitten wird,

die Komplexität (Zertifikate + Optionen) verstehen und bewusst tragen.

Eher kritisch, wenn Sie …

„einfach DAX/Europa“ wollen (dafür sind Kosten/Komplexität hoch),

hohe Transparenz/Planbarkeit erwarten,

in Stressphasen keine zusätzlichen Emittenten-/Kontrahentenrisiken möchten,

besonders kostensensibel sind.

9) Konkrete Due-Diligence-Fragen (aus Anlegersicht)

Kosten vs. Nutzen: Wie viel „Optionsprämie“ muss realistisch verdient werden, um 2,51 % p.a. zu schlagen?

Emittentenrisiko: Warum 40 %+ in Zertifikaten – und wie wird das Ausfall-/Spreadrisiko diversifiziert?

Regime-Abhängigkeit: Was passiert bei stark trendenden Märkten (hoch oder runter) und bei Gap-Risiken über Nacht?

Umsetzung & Roll-Disziplin: Welche Regeln steuern Delta/Rolling konkret – und wie viel „Handelsfriktion“ entsteht?

Vergleich: Wie schlägt sich der Fonds gegen eine simple Kombination aus (Euro-)Aktien-ETF + günstiger Overlay-Alternative?

Fazit

Der MKettererPro R ist kein klassischer Aktienfonds, sondern eine aktiv gemanagte Covered-Call/Discount-Struktur mit dem Ziel, über Optionszeitwert „stabilere“ Erträge zu generieren. Im Berichtsjahr wurde zwar +3,91 % erzielt, aber die Strategie zeigte zugleich, wie empfindlich sie auf Volatilität, häufiges Rollen und politische Schlagzeilen reagieren kann (Drawdown 8,89 %). Die deutlich erhöhte Quote an Discount-Zertifikaten verschiebt das Risikoprofil zusätzlich in Richtung Emittenten-/Kontrahentenrisiko. Der größte dauerhafte Gegenwind ist die hohe laufende Kostenquote (2,51 % p.a.), die den „Prämienvorteil“ strukturell auffrisst, wenn Märkte nicht ideal mitspielen.

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