Ein 65-jähriger Mann aus Südkalifornien ist zu vier Jahren Haft verurteilt worden, weil er über einen längeren Zeitraum hinweg als illegaler Agent der Volksrepublik China tätig gewesen sein soll. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China sowie auf die Sorge vor ausländischer Einflussnahme auf demokratische Prozesse in den Vereinigten Staaten.
Der Verurteilte, Yaoning „Mike“ Sun aus Chino Hills, bekannte sich im Oktober schuldig, ohne Genehmigung der US-Behörden im Auftrag der chinesischen Regierung gehandelt zu haben. Laut dem US-Justizministerium koordinierte Sun über mehrere Jahre hinweg Aktivitäten, die darauf abzielten, chinesische Interessen in den USA zu fördern und Kritiker Pekings zu beobachten.
Nach Angaben der Ermittler arbeitete Sun eng mit chinesischen Regierungsvertretern zusammen. Dabei soll er unter anderem politische Entwicklungen in Kalifornien beeinflusst haben. Besonders brisant: Während des Kommunalwahlkampfs 2022 fungierte er als Berater einer Stadtratskandidatin und enger Vertrauter. Parallel dazu betrieb er eine Nachrichtenplattform für die chinesisch-amerikanische Community, über die er regierungsnahe Inhalte verbreitet haben soll.
Gerichtsunterlagen zufolge informierte Sun chinesische Offizielle regelmäßig über politische Aktivitäten in Südkalifornien. Zudem wird ihm vorgeworfen, 2023 während eines Besuchs der damaligen taiwanischen Präsidentin Tsai Ing-wen in Kalifornien deren Bewegungen überwacht und in Echtzeit an das chinesische Konsulat in Los Angeles gemeldet zu haben. Auch Fotos von Unterstützern und Gegnern der Präsidentin soll er weitergeleitet haben.
Die US-Behörden sehen darin eine klare Verletzung der nationalen Souveränität. Vertreter des Justizministeriums betonten, dass ausländische Akteure verpflichtet seien, ihre Tätigkeit offenzulegen, wenn sie im Auftrag einer fremden Regierung handeln. Sun habe diese gesetzliche Vorgabe bewusst umgangen.
Darüber hinaus soll er finanzielle Unterstützung aus China angefordert haben, um öffentliche Demonstrationen mit pro-chinesischer Botschaft zu organisieren. In internen Berichten habe er vorgeschlagen, ein Netzwerk von Unterstützern zu mobilisieren, um gegen sogenannte „anti-chinesische Kräfte“ im Ausland vorzugehen.
Die Ermittlungen wurden vom FBI geführt, das den Fall als Beispiel für verdeckte Einflussnahme wertet. Ein ranghoher Vertreter der Spionageabwehr erklärte, amerikanische Wähler müssten sich darauf verlassen können, dass gewählte Amtsträger die Interessen ihrer Wählerschaft vertreten – und nicht die einer ausländischen Regierung.
Der Fall steht im Kontext zunehmender Warnungen vor internationaler Einflussnahme auf demokratische Institutionen. In den vergangenen Jahren haben US-Behörden mehrfach betont, dass sowohl Cyberaktivitäten als auch persönliche Netzwerke genutzt würden, um politische Prozesse zu beeinflussen.
Mit dem Urteil gegen Sun setzen die amerikanischen Behörden ein deutliches Signal: Verdeckte Tätigkeiten im Auftrag einer fremden Regierung werden strafrechtlich verfolgt – insbesondere dann, wenn sie das Vertrauen in demokratische Strukturen untergraben.