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Wenn Krebs jung trifft: Warum immer mehr junge Menschen erkranken – und Vorsorge Leben retten kann

vandenuj (CC0), Pixabay

Krebs gilt für viele noch immer als Erkrankung des höheren Lebensalters. Umso härter trifft es Betroffene, wenn die Diagnose mitten ins junge Erwachsenenleben fällt – in eine Phase, die eigentlich von Plänen, Freiheit und Zukunft geprägt sein sollte. Doch genau das geschieht immer häufiger: Krebsdiagnosen bei jungen Menschen nehmen zu, weltweit und auch im deutschsprachigen Raum.

„Viele junge Patientinnen und Patienten kommen völlig unvorbereitet“, sagt Katharina Gruber, psychologische Leiterin des Beratungszentrums der Österreichischen Krebshilfe. „Sie fühlen sich gesund, treiben Sport, rauchen nicht – und stehen plötzlich vor einer Diagnose, die ihr gesamtes Leben verändert.“

Eine Diagnose, die alles verändert

Eine von ihnen ist Constanze Hölzl. Als sie im März 2020 erkrankte, war sie 25 Jahre alt, Leistungssportlerin, Nichtraucherin, voller Pläne. Reisen, Karriere, ein aktives Leben – all das schien selbstverständlich. Nichts deutete darauf hin, dass sich in ihrem Körper ein lebensbedrohlicher Tumor entwickelte.

Erst eine zufällig entdeckte Beule am Bauch brachte Gewissheit. Die Untersuchungen führten zu einer Diagnose, die selbst viele Mediziner nur selten sehen: ein Nebennierenrindenkarzinom, eine extrem seltene Krebsart. Der Tumor wog bereits 2,8 Kilogramm. „Ein Perfektionist im Verstecken“, nennt Hölzl ihn heute – rückblickend, mit einer Mischung aus Distanz und Staunen.

Von einem Tag auf den anderen bestimmte der Krebs ihren Alltag. Therapien, Unsicherheit, Angst – Dinge, mit denen junge Menschen sich eigentlich noch nicht auseinandersetzen sollten. „Plötzlich war nichts mehr selbstverständlich“, erzählt sie. Vieles, was ihr Leben zuvor ausgemacht hatte, war vorerst nicht mehr möglich.

Heute ist Constanze Hölzl 31 Jahre alt. Sie ist wieder sportlich aktiv, genießt ihre Arbeit, die Zeit mit ihrer Familie – und weiß zugleich, wie fragil Gesundheit sein kann.

Ein globaler Trend mit vielen Ursachen

Constanze ist kein Einzelfall. Internationale Daten zeigen, dass bestimmte Krebsarten bei jüngeren Menschen deutlich zunehmen. Dazu zählen unter anderem Darm-, Brust-, Magen-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Warum das so ist, lässt sich nicht auf eine einzige Ursache reduzieren.

„Krebs ist immer ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren“, betont Gruber. Eine wichtige Rolle spielt die genetische Veranlagung. Bei Brust-, Darm- oder Prostatakrebs können erbliche Faktoren das Risiko deutlich erhöhen. Wer familiäre Vorbelastungen kennt, hat hier einen entscheidenden Vorteil: Vorsorgeuntersuchungen können früher beginnen – und Leben retten.

Hinzu kommen Umwelt- und Lebensstilfaktoren, die das Krebsrisiko beeinflussen. Luftverschmutzung, Asbest, Chemikalien oder Mikroplastik zählen ebenso dazu wie veränderte Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten. Rauchen – auch in Form von E-Zigaretten oder Nikotinbeuteln –, hoher Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und stark verarbeitete Lebensmittel erhöhen nachweislich das Risiko für verschiedene Krebsarten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass 30 bis 50 Prozent aller Krebserkrankungen durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar wären. Doch Fälle wie jener von Constanze Hölzl zeigen auch: Nicht jede Erkrankung lässt sich verhindern. Krebs kann jeden treffen – unabhängig von Alter, Fitness oder Lebensweise.

Warum Vorsorge gerade für Junge entscheidend ist

Gerade deshalb ist ein offener Umgang mit dem Thema so wichtig. Viele junge Menschen nehmen körperliche Veränderungen nicht ernst oder schieben Symptome auf Stress, Sport oder Erschöpfung. „Je jünger jemand ist, desto weniger rechnet er oder sie mit Krebs“, sagt Gruber. „Das kann dazu führen, dass Diagnosen später gestellt werden.“

Früherkennung bleibt daher ein zentraler Schlüssel. Wer ungewöhnliche Beschwerden bemerkt, anhaltende Schmerzen hat oder Veränderungen am Körper feststellt, sollte diese abklären lassen – ohne Angst, ohne Scham. Vorsorge ist kein Zeichen von Krankheit, sondern von Verantwortung sich selbst gegenüber.

Hoffnung trotz allem

Die steigenden Krebszahlen bei jungen Menschen sind beunruhigend. Gleichzeitig gibt es Grund zur Hoffnung: Medizinische Fortschritte, bessere Therapien und wachsende Aufmerksamkeit für das Thema verbessern die Überlebenschancen und die Lebensqualität vieler Betroffener.

Geschichten wie jene von Constanze Hölzl zeigen, wie wichtig es ist, hinzusehen, zuzuhören – und das Thema Krebs auch dort ernst zu nehmen, wo man es lange nicht vermutet hat: mitten im jungen Leben.

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