Der Oberste Gerichtshof der USA scheint sich einig zu sein: Mehrheitsangehörige sollten keine zusätzlichen Hürden haben, wenn sie Diskriminierung geltend machen. Das wurde bei der Anhörung im Fall von Marlean Ames, einer heterosexuellen Frau aus Ohio, deutlich, die behauptet, bei Beförderungen zugunsten weniger qualifizierter homosexueller Kollegen übergangen worden zu sein.
„Gleiches Recht für alle“ – auch für die Mehrheit
Die Klage richtet sich gegen das Jugendamt von Ohio, das Ames für zwei Positionen nicht berücksichtigte. Die unteren Gerichte lehnten ihre Klage mit der Begründung ab, dass es für Mehrheitsangehörige – in diesem Fall eine heterosexuelle Frau – schwieriger sei, Diskriminierung nachzuweisen.
Doch die Richter des Supreme Court scheinen diese Praxis infrage zu stellen. „Wir sind heute radikal einer Meinung“, sagte Richter Neil Gorsuch und deutete damit auf eine mögliche einstimmige Entscheidung hin.
Laut Titel VII des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 ist Diskriminierung aufgrund von „Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder nationaler Herkunft“ verboten – ohne Unterscheidung zwischen Minderheiten und Mehrheiten.
Ohio verteidigt nicht die Begründung des Gerichts
Interessanterweise verteidigte der Anwalt des Bundesstaates Ohio, T. Elliot Gaiser, nicht die Argumentation der unteren Gerichte. Er stimmte zu, dass Ames keine zusätzliche Beweislast haben sollte, argumentierte aber, dass ihre sexuelle Orientierung keine Rolle in der Entscheidung des Jugendamts gespielt habe.
Richterin Elena Kagan zeigte sich skeptisch und betonte, dass genau die fragwürdige Begründung der unteren Instanzen der Grund für die Annahme des Falls durch den Supreme Court gewesen sei.
Wird die Entscheidung Klagewellen auslösen?
Eine Entscheidung zugunsten von Ames könnte dazu führen, dass mehr Menschen wegen „umgekehrter Diskriminierung“ klagen. Arbeitsrechtsexperte Jonathan Segal prognostizierte bereits einen Anstieg solcher Klagen. Allerdings betonten Regierungsanwälte, dass Arbeitgeber weiterhin die Möglichkeit haben, alternative Erklärungen für Personalentscheidungen zu liefern.
Die endgültige Entscheidung im Fall Ames v. Ohio Department of Youth Services wird im Sommer erwartet. Sollte der Supreme Court Ames Recht geben, könnte dies weitreichende Auswirkungen auf Antidiskriminierungsklagen in den USA haben.