Schlechter Schlaf, eine Stunde mehr auf der Uhr, ungewöhnliche Polizeieinsätze und auffällige Blechschäden: Rund um den Vollmond scheint manchmal alles ein wenig verrückter zuzugehen als sonst. Und ausgerechnet an diesem Wochenende kam noch die Zeitumstellung hinzu.
Am frühen Montagmorgen, dem 26. Oktober, erreicht der Mond seine Vollmondphase. Schon jetzt erscheint er nahezu vollständig am Nachthimmel. Für viele Menschen beginnt damit jene Zeit, in der sie schlechter schlafen, unruhiger werden oder sich tagsüber weniger konzentriert fühlen.
Doch ist der berüchtigte Werwolf-Effekt tatsächlich mehr als ein Mythos?
Der Werwolf-Effekt auf Deutschlands Straßen: Mehr Blechschäden bei Vollmond?
Dass der Vollmond möglicherweise auch Autofahrer beeinflusst, beschäftigt sogar die Versicherungswirtschaft.
Eine Untersuchung eines großen Schweizer Versicherungsunternehmens ergab eine bemerkenswerte Auffälligkeit: Am Tag vor Vollmond wurden durchschnittlich rund 16 Prozent mehr Kaskoschäden gemeldet als an gewöhnlichen Tagen. Am eigentlichen Vollmondtag lag die Zahl dagegen unter dem Durchschnitt.
Auch ein deutscher Kfz-Versicherer stellte bei der Auswertung von mehr als 850.000 Datensätzen aus dem Jahr 2022 fest, dass am Tag nach einer Vollmondnacht rund zwei Prozent mehr Kfz-Schäden gemeldet wurden.
Die Ergebnisse passen auf den ersten Blick zum sogenannten Werwolf-Effekt, also der Vorstellung, dass Menschen rund um den Vollmond unruhiger, unkonzentrierter oder ungeschickter werden.
Allerdings handelt es sich um statistische Auffälligkeiten bei Schadensmeldungen. Ob die tatsächlichen Unfälle ebenfalls häufiger auftraten, lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten.
Auch welche konkreten Blechschäden besonders häufig waren, geht aus den genannten Ergebnissen nicht hervor. Parkrempler, Auffahrunfälle, beschädigte Stoßstangen oder Kotflügel lassen sich deshalb nicht als typische Vollmondschäden bezeichnen.
Schlaflose Nächte: Wenn der Vollmond Menschen wach hält
Viele Menschen kennen das Gefühl: Der Mond scheint besonders hell, man wälzt sich im Bett hin und her und am nächsten Morgen fehlt die gewohnte Energie.
Tatsächlich haben sich Wissenschaftler wiederholt mit der Frage beschäftigt, ob Mondphasen das Schlafverhalten beeinflussen.
Einzelne Studien fanden Hinweise darauf, dass Menschen in bestimmten Nächten rund um den Vollmond später einschlafen oder weniger lange schlafen könnten. Andere Untersuchungen konnten solche Zusammenhänge nicht zuverlässig bestätigen.
Die wissenschaftliche Beweislage bleibt daher uneinheitlich.
Unbestritten ist dagegen, dass Schlafmangel die Konzentration beeinträchtigen, die Reaktionsgeschwindigkeit vermindern und die Reizbarkeit erhöhen kann.
Wer nach einer unruhigen Nacht müde ins Auto steigt, kann deshalb tatsächlich ein höheres Unfallrisiko haben. Ob der Mond die Ursache des schlechten Schlafes war, ist eine andere Frage.
Und dann auch noch die Zeitumstellung: Eine zusätzliche Belastung für den Schlafrhythmus
Als wäre die Diskussion über den Vollmond nicht schon ausreichend, kam an diesem Sonntag auch noch die Umstellung auf die Winterzeit hinzu.
In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 2026 wurden die Uhren um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt.
Damit endete die Sommerzeit. Rein rechnerisch stand den Menschen eine zusätzliche Stunde zur Verfügung.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jeder tatsächlich eine Stunde länger geschlafen hat.
Gerade Menschen mit einem empfindlichen Schlafrhythmus können auf die Zeitumstellung mit Müdigkeit, Einschlafproblemen oder vorübergehenden Konzentrationsschwierigkeiten reagieren.
Hinzu kommt, dass es durch die Umstellung am Abend früher dunkel wird. Für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger verändern sich damit die Lichtverhältnisse im Berufsverkehr.
Der zeitliche Zusammenhang zwischen Vollmond und Zeitumstellung ist also durchaus bemerkenswert. Dass beide Ereignisse gemeinsam zu mehr Unfällen führen, ist allerdings nicht nachgewiesen.
Brandenburg: Zwei Hängebauchschweine auf unerlaubtem Ausflug
Während sich manche Menschen über schlaflose Nächte Gedanken machen, hatten zwei Hängebauchschweine im Landkreis Märkisch-Oderland offenbar ganz andere Pläne.
Am Golzower Baggersee waren die Tiere ausgebüxt und auf einer Nebenstraße unterwegs.
Zeugen befürchteten, dass die beiden ungewöhnlichen Verkehrsteilnehmer auf die stark befahrene Bundesstraße 1 gelangen könnten, und verständigten die Polizei.
Schließlich konnte der Tierhalter ausfindig gemacht werden. Die Tiere wurden wieder eingefangen.
Menschen und Tiere blieben unverletzt. Auch Verkehrsunfälle wurden durch den Ausflug nicht verursacht.
Ob die beiden Schweine vom bevorstehenden Vollmond zu ihrem Abenteuer inspiriert wurden, ist nicht bekannt. Immerhin sorgten sie für eine jener kuriosen Polizeimeldungen, die man nicht alle Tage liest.
Nordrhein-Westfalen: Herbststurm hält die Feuerwehren auf Trab
Deutlich weniger unterhaltsam verliefen die vergangenen Tage für zahlreiche Einsatzkräfte in Nordrhein-Westfalen.
Sturmtief Luise beschäftigte unter anderem die Feuerwehren in Essen, Bocholt, Hünxe und Schermbeck.
Allein in Essen wurden im Zusammenhang mit dem Sturm 110 Einsätze gemeldet.
Die Ursache lag allerdings im stürmischen Herbstwetter. Ein Zusammenhang mit dem bevorstehenden Vollmond ist nicht ersichtlich.
Thüringen und Baden-Württemberg: Verkehrsunfälle beschäftigen die Polizei
Auch aus anderen Bundesländern wurden Verkehrsunfälle bekannt.
In Erfurt ereignete sich am Sonntagmorgen ein Unfall an einem Bahnübergang, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden.
In Stuttgart-Bad Cannstatt kam es zu einem Zusammenstoß mit einer Stadtbahn.
Welche konkreten Umstände zu den Unfällen führten, lässt sich anhand der bislang vorliegenden Informationen nicht abschließend beurteilen.
Es wäre deshalb unseriös, diese Ereignisse mit dem Vollmond, Schlafmangel oder der Zeitumstellung in Verbindung zu bringen, ohne dass entsprechende Erkenntnisse vorliegen.
Macht der Vollmond die Menschen tatsächlich verpeilter?
Der Glaube an einen besonderen Einfluss des Vollmondes hält sich seit Jahrhunderten.
Manche Menschen berichten von Schlafstörungen, innerer Unruhe, erhöhter Reizbarkeit oder Konzentrationsproblemen.
Andere sind überzeugt, dass es während einer Vollmondwoche häufiger zu Streitigkeiten, Unfällen und ungewöhnlichen Zwischenfällen kommt.
Wissenschaftlich ist ein allgemeiner Anstieg von Straftaten, Verkehrsunfällen oder menschlichem Fehlverhalten während des Vollmondes bislang nicht überzeugend belegt.
Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Wer fest davon überzeugt ist, dass bei Vollmond besonders viel passiert, achtet möglicherweise stärker auf ungewöhnliche Ereignisse.
Ein Parkrempler bei Vollmond bleibt dann eher im Gedächtnis als derselbe Schaden an einem gewöhnlichen Dienstag.
Parkrempler verursacht? Bitte melden – dafür dankt auch das Gewissen!
Ob Vollmond, Schlafmangel oder Zeitumstellung: Wer beim Einparken ein anderes Fahrzeug beschädigt, sollte Verantwortung übernehmen.
Ein beschädigter Außenspiegel, eine eingedrückte Stoßstange oder ein Kratzer im Lack mögen zunächst wie Kleinigkeiten erscheinen. Für den betroffenen Fahrzeughalter können daraus jedoch erhebliche Reparaturkosten entstehen.
Wichtig: Ein Zettel mit der eigenen Telefonnummer hinter dem Scheibenwischer genügt rechtlich grundsätzlich nicht.
Wer ein geparktes Fahrzeug beschädigt, muss die erforderlichen Feststellungen ermöglichen und eine den Umständen angemessene Zeit am Unfallort warten. Ist niemand erreichbar, sollte die Polizei verständigt und das weitere Vorgehen mit ihr geklärt werden.
Wer sich einfach entfernt, riskiert ein Ermittlungsverfahren wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort gemäß § 142 Strafgesetzbuch. Je nach Einzelfall können außerdem versicherungsrechtliche Konsequenzen drohen.
Ein kleiner Parkrempler ist ärgerlich. Fahrerflucht kann dagegen deutlich unangenehmer werden.
Deshalb gilt: Schaden melden, Verantwortung übernehmen und mit gutem Gewissen weiterfahren. Dafür dankt nicht nur der Geschädigte, sondern auch das eigene Gewissen.
Fazit: Vollmond, Werwolf-Effekt und Winterzeit – eine ungewöhnliche Mischung
Die Versicherungsstatistiken zeigen interessante Schwankungen bei Kfz-Schadensmeldungen rund um den Vollmond. Einzelne wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich mit möglichen Auswirkungen auf den Schlaf. Und die Zeitumstellung bringt den gewohnten Tagesrhythmus zusätzlich durcheinander.
Gleichzeitig liefern die aktuellen Ereignisse aus Deutschland genügend Gesprächsstoff: ausgebüxte Hängebauchschweine in Brandenburg, zahlreiche Sturmeinsätze in Nordrhein-Westfalen und Verkehrsunfälle in Thüringen und Baden-Württemberg.
Ob der Vollmond die Menschen tatsächlich verpeilter macht, bleibt wissenschaftlich unbelegt.
Dass Schlafmangel und Müdigkeit die Aufmerksamkeit beeinträchtigen können, steht dagegen außer Frage.
Und wer in diesen Tagen einen Parkrempler verursacht, sollte sich besser nicht auf den Werwolf-Effekt berufen. Ein gemeldeter Schaden lässt sich regeln – ein schlechtes Gewissen fährt dagegen oft länger mit.