Liechtenstein betritt den Pfandbriefmarkt
Der Finanzplatz Liechtenstein ist international vor allem für Vermögensverwaltung, Privatbanken und Finanzdienstleistungen bekannt.
Seit 2026 verfügt das Fürstentum jedoch über ein weiteres Kapitalmarktinstrument: den eigenen Pfandbrief.
Im April 2026 hat das Liechtensteinische Pfandbriefinstitut AG erstmals entsprechende Anleihen ausgegeben.
Das Institut wurde von der LGT Group und der Liechtensteinischen Landesbank AG gegründet.
Mit der ersten Emission wurde ein Gesamtvolumen von 250 Millionen Schweizer Franken erreicht.
Damit hat Liechtenstein ein neues Instrument zur langfristigen Refinanzierung von Banken geschaffen.
Die Pfandbriefe sind an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange notiert und können grundsätzlich am Sekundärmarkt gehandelt werden.
Für den liechtensteinischen Finanzplatz stellt die Einführung des Pfandbriefsystems einen bedeutenden strukturellen Entwicklungsschritt dar.
Zwei Anleihen mit Laufzeiten bis 2031 und 2036
Die erste Emission besteht aus zwei unterschiedlichen Tranchen.
Sie unterscheiden sich insbesondere bei Laufzeit, Nominalzins und Emissionsrendite.
| Merkmal | Pfandbrief 2031 | Pfandbrief 2036 |
|---|---|---|
| ISIN | CH1548688246 | CH1548688253 |
| Emissionsvolumen | 150 Mio. CHF | 100 Mio. CHF |
| Nominalzins | 0,65 % jährlich | 0,90 % jährlich |
| Fälligkeit | 24.04.2031 | 24.04.2036 |
| Emissionsrendite | 0,593 % | 0,875 % |
| Rating bei Emission | Moody’s Aaa | Moody’s Aaa |
| Stückelung | 100.000 CHF | 100.000 CHF |
Die kürzere Anleihe läuft bis April 2031 und bietet einen jährlichen Nominalzins von 0,65 Prozent.
Die länger laufende Tranche wird im April 2036 fällig und ist mit einem Nominalzins von 0,90 Prozent ausgestattet.
Beide Anleihen wurden bei ihrer Emission von Moody’s mit der Bestnote Aaa bewertet.
Diese Einstufung signalisiert nach der Bewertungssystematik der Ratingagentur ein besonders geringes erwartetes Kreditrisiko.
Eine Garantie für die vollständige Rückzahlung stellt das Rating allerdings nicht dar.
Was sind Pfandbriefe?
Pfandbriefe sind festverzinsliche Wertpapiere, die der Refinanzierung von Kreditinstituten dienen.
Anders als bei gewöhnlichen unbesicherten Unternehmensanleihen besteht bei Pfandbriefen eine zusätzliche gesetzlich geregelte Sicherungsstruktur.
Im Fall des liechtensteinischen Systems bilden hypothekarische Sicherheiten die Grundlage der Deckung.
Das bedeutet, dass die Finanzierung durch einen gesetzlich geregelten Bestand geeigneter Sicherungswerte abgesichert wird.
Solche Deckungsmechanismen sollen das Risiko für Anleihegläubiger begrenzen.
Pfandbriefe gelten deshalb im Vergleich zu vielen unbesicherten Unternehmensanleihen als besonders solide Anlageinstrumente.
Dennoch bleiben auch bei Pfandbriefen finanzielle Risiken bestehen.
Eine gesetzliche Deckungsstruktur bedeutet nicht, dass Kursverluste oder Zahlungsausfälle unter allen Umständen ausgeschlossen wären.
Finanzmarktaufsicht erteilte Bewilligung im Januar 2026
Die Einführung des liechtensteinischen Pfandbriefsystems wurde aufsichtsrechtlich begleitet.
Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein führt das Pfandbriefinstitut in ihrer offiziellen Bewilligungsliste.
Die entsprechende Erlaubnis wurde am 12. Januar 2026 unter Auflagen erteilt.
Damit wurde die Grundlage für die spätere Emission geschaffen.
Die erste Ausgabe im April 2026 markierte anschließend den praktischen Start des neuen Kapitalmarktinstruments.
Die aufsichtsrechtliche Bewilligung betrifft den Betrieb des Instituts innerhalb des vorgesehenen regulatorischen Rahmens.
Sie ist jedoch nicht mit einer staatlichen Garantie für sämtliche Verpflichtungen oder einer Empfehlung zum Kauf der Anleihen gleichzusetzen.
Warum ist das Aaa-Rating so wichtig?
Besonders auffällig ist die Bewertung der beiden Pfandbriefe durch Moody’s.
Die Ratingagentur vergab bei der Emission jeweils die Bestnote Aaa.
Ein solches Rating deutet auf eine sehr hohe Bonität und ein vergleichsweise geringes Kreditrisiko hin.
Für institutionelle Anleger wie Versicherungen, Pensionskassen oder Vermögensverwalter kann eine hohe Bonität von besonderer Bedeutung sein.
Allerdings sollten Ratings immer im Zusammenhang mit der konkreten Anleihe betrachtet werden.
Sie beruhen auf Einschätzungen und können sich im Zeitverlauf verändern.
Auch eine Herabstufung ist grundsätzlich möglich.
Zudem sagt ein Kreditrating nicht unmittelbar aus, wie stark der Börsenkurs einer Anleihe schwanken kann.
Gerade bei längeren Laufzeiten können sich deutliche Kursveränderungen ergeben, obwohl die Kreditwürdigkeit des Emittenten unverändert bleibt.
Niedrige Zinsen statt hoher Renditeversprechen
Wer bei den neuen Pfandbriefen auf besonders hohe Zinserträge hofft, dürfte enttäuscht werden.
Die Nominalzinsen liegen bei lediglich 0,65 beziehungsweise 0,90 Prozent pro Jahr.
Damit unterscheiden sich die Papiere deutlich von hochverzinslichen Unternehmensanleihen, die Anlegern teilweise wesentlich höhere Kupons bieten.
Der Unterschied hängt mit dem jeweiligen Risikoprofil zusammen.
Bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen verlangen Investoren in der Regel eine höhere Verzinsung, weil sie größere Ausfallrisiken übernehmen.
Die liechtensteinischen Pfandbriefe verfolgen dagegen einen sicherheitsorientierten Ansatz.
Sie richten sich damit eher an Anleger, die auf eine hohe Kreditqualität und eine festgelegte Laufzeit achten, als an Investoren auf der Suche nach maximalen Zinserträgen.
Allerdings muss zwischen Nominalzins und aktueller Rendite unterschieden werden.
Die tatsächliche Rendite eines Kaufs am Sekundärmarkt hängt wesentlich vom jeweiligen Börsenkurs ab.
Warum die Emissionsrendite heute nicht mehr gelten muss
Die bei der Ausgabe festgestellten Emissionsrenditen betrugen 0,593 Prozent für die Tranche bis 2031 und 0,875 Prozent für die Anleihe bis 2036.
Diese Werte beziehen sich auf die ursprünglichen Emissionsbedingungen im April 2026.
Sie sind nicht automatisch mit der Rendite gleichzusetzen, die Anleger bei einem späteren Kauf erzielen können.
Denn Anleihen werden nach ihrer Emission am Markt gehandelt.
Steigt der Kurs einer Anleihe, sinkt bei ansonsten gleichen Bedingungen ihre Rendite bis zur Fälligkeit.
Fällt der Kurs, steigt die rechnerische Rendite.
Für eine aktuelle Anlageentscheidung müssten deshalb die gegenwärtigen Börsenkurse, die verbleibende Laufzeit und die anfallenden Handelskosten berücksichtigt werden.
Ohne diese Daten lässt sich keine belastbare aktuelle Kaufrendite nennen.
Zinsänderungsrisiko: Lange Laufzeit kann Kursverluste verursachen
Auch bei hoher Bonität können Anleihekurse deutlich schwanken.
Ein wesentliches Risiko entsteht durch Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus.
Steigen die Marktzinsen, verlieren bereits ausgegebene Anleihen mit niedriger Verzinsung häufig an Attraktivität.
Ihre Börsenkurse können deshalb sinken.
Das betrifft besonders Anleihen mit längeren Restlaufzeiten.
Bei der bis April 2036 laufenden Tranche ist dieses Risiko grundsätzlich größer als bei der kürzeren Anleihe bis 2031.
Wer die Anleihe vorzeitig verkaufen möchte, muss deshalb unter Umständen einen Kursverlust hinnehmen.
Bei einer Haltedauer bis zur Fälligkeit spielt der zwischenzeitliche Börsenkurs für die vertraglich vorgesehene Rückzahlung eine andere Rolle.
Allerdings setzt die erwartete Rückzahlung voraus, dass die Zahlungsverpflichtungen tatsächlich erfüllt werden.
Schweizer Franken: Zusätzliches Risiko für Euro-Anleger
Die beiden Pfandbriefe sind in Schweizer Franken denominiert.
Für Anleger, deren Vermögen und Ausgaben überwiegend auf Euro ausgerichtet sind, entsteht dadurch ein Wechselkursrisiko.
Verliert der Schweizer Franken gegenüber dem Euro an Wert, kann sich die in Euro berechnete Rendite verschlechtern.
Das gilt selbst dann, wenn die Anleihe ihre Zinsen ordnungsgemäß zahlt und bei Fälligkeit vollständig zurückgezahlt wird.
Umgekehrt kann eine Aufwertung des Schweizer Frankens die Rendite aus Sicht eines Euro-Anlegers erhöhen.
Wie sich der Wechselkurs künftig entwickelt, lässt sich jedoch nicht zuverlässig vorhersagen.
Der Schweizer Franken wird zwar häufig als vergleichsweise stabile Währung betrachtet, ist aber keineswegs frei von Kursschwankungen.
Für Euro-Anleger ist dieses Risiko deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtbewertung.
Hohe Stückelung erschwert den Zugang für Privatanleger
Ein weiteres Merkmal der beiden Anleihen ist die Stückelung von jeweils 100.000 Schweizer Franken.
Damit liegt die erforderliche nominale Anlagesumme deutlich über dem Betrag, den viele Privatanleger für eine einzelne Anleihe einsetzen möchten.
Hinzu kommt, dass sich der tatsächliche Kaufpreis aus dem aktuellen Börsenkurs ergibt.
Je nach Kurs kann der erforderliche Geldbetrag oberhalb oder unterhalb des Nominalwerts liegen.
Auch Stückzinsen und Transaktionskosten können hinzukommen.
Die hohe Stückelung macht die Anleihen vor allem für vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren interessant.
Für kleinere Wertpapierdepots kann eine einzelne Position dieser Größenordnung dagegen ein erhebliches Konzentrationsrisiko darstellen.
Wie unterscheiden sich Pfandbriefe von Unternehmensanleihen?
Pfandbriefe und Unternehmensanleihen gehören zwar beide zur Gruppe der festverzinslichen Wertpapiere, unterscheiden sich jedoch in wesentlichen Punkten.
| Merkmal | Liechtensteiner Pfandbriefe | Hochverzinsliche Unternehmensanleihen |
|---|---|---|
| Besicherung | Gesetzlich geregelte Deckungsstruktur | Häufig unbesichert oder nachrangig |
| Kreditrisiko | Vergleichsweise niedrig laut Emissionsrating | Typischerweise höher |
| Verzinsung | Niedrige Nominalzinsen | Häufig deutlich höhere Zinsen |
| Kursrisiko | Vorhanden, insbesondere bei längeren Laufzeiten | Vorhanden, zusätzlich oft stärker bonitätsabhängig |
| Rückzahlung | Nicht garantiert | Nicht garantiert |
| Währungsrisiko | Für Euro-Anleger bei CHF-Anlage | Abhängig von der jeweiligen Währung |
Die Tabelle zeigt, dass eine höhere Verzinsung in der Regel nicht ohne zusätzliche Risiken erhältlich ist.
Die liechtensteinischen Pfandbriefe sind deshalb keine direkte Renditealternative zu hochverzinslichen Unternehmensanleihen.
Vielmehr stellen sie eine Anlageform mit einem anderen Chancen-Risiko-Verhältnis dar.
Risikobewertung: Mittel für Euro-Anleger
Gesamtrisikobewertung: MITTEL
Kreditrisiko: vergleichsweise niedrig
Die hohe Bonitätsbewertung und die gesetzlich geregelte Deckungsstruktur sprechen für eine vergleichsweise solide Kreditqualität.
Dennoch bestehen mehrere Risiken, die Anleger berücksichtigen sollten.
Dazu zählen insbesondere mögliche Kursverluste bei steigenden Marktzinsen, Wechselkursschwankungen zwischen Schweizer Franken und Euro sowie die eingeschränkte Flexibilität durch die hohe Stückelung.
Auch die tatsächliche Handelbarkeit am Sekundärmarkt sollte geprüft werden.
Eine Börsennotierung garantiert nicht, dass jederzeit größere Stückzahlen zu engen Geld-Brief-Spannen gehandelt werden können.
Die Risikoeinstufung „mittel“ bezieht sich daher auf die Gesamtbetrachtung aus Sicht eines Anlegers mit Euro als Referenzwährung.
Sie bedeutet nicht, dass das Kreditrisiko der Pfandbriefe selbst als mittel einzustufen wäre.