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Österreich: EPH Group plant neue Unternehmensanleihe mit 10 Prozent Zinsen – hohe Rendite trifft auf erhebliche Risiken

jorono (CC0), Pixabay

Österreichisches Unternehmen lockt mit zehn Prozent Jahreszinsen

Zehn Prozent Zinsen pro Jahr sind auf dem Anleihemarkt ein Angebot, das Aufmerksamkeit erregt.

Genau mit dieser Verzinsung möchte die österreichische EPH Group AG Investoren für eine neue Unternehmensanleihe gewinnen.

Am 23. Oktober 2026 teilte das Unternehmen mit, dass der Wertpapierprospekt für die geplante Anleihe 2026/2033 von der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF gebilligt wurde.

Das angestrebte Emissionsvolumen beträgt bis zu 50 Millionen Euro.

Die Laufzeit soll sieben Jahre betragen. Vorgesehen ist eine feste jährliche Verzinsung von zehn Prozent, wobei die Zinszahlungen monatlich erfolgen sollen.

Die Stückelung liegt bei 1.000 Euro.

Damit ist das Wertpapier grundsätzlich auch für Privatanleger mit kleineren Anlagebeträgen zugänglich.

Allerdings sollte der hohe Zinssatz nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eine risikoreiche Unternehmensfinanzierung handelt.

Die wichtigsten Eckdaten der neuen EPH-Anleihe

Merkmal Angaben
Emittentin EPH Group AG, Österreich
Anleihe 2026/2033
ISIN AT0000A3XVE4
Geplantes Emissionsvolumen Bis zu 50 Mio. Euro
Nominalzins 10 % jährlich
Zinszahlung Monatlich vorgesehen
Laufzeit 7 Jahre
Stückelung 1.000 Euro
Zeichnungsbeginn 28. Oktober 2026
Ende der ersten Zeichnungsphase 25. November 2026
Geplanter Emissionstermin 1. Dezember 2026
Rang Laut Emittentin nicht nachrangig
Vorgesehene Besicherung Verpfändung von Gesellschaftsanteilen
Geplanter Handelsplatz Vienna MTF der Wiener Börse

Die genannten Termine und Bedingungen beruhen auf den veröffentlichten Angaben der Emittentin.

Ob die Anleihe tatsächlich im geplanten Umfang platziert wird, ist damit noch nicht entschieden.

Monatliche Zinszahlungen: Was Anleger erwarten können

Eine Besonderheit der geplanten Anleihe ist die monatliche Auszahlung der Zinsen.

Während viele Unternehmensanleihen ihre Zinsen jährlich oder halbjährlich zahlen, sieht die EPH Group eine monatliche Ausschüttung vor.

Bei einem Nominalbetrag von 1.000 Euro ergibt sich rechnerisch folgender Zinsanspruch:

Nominalanlage Zinsen pro Jahr Rechnerisch pro Monat
1.000 Euro 100 Euro 8,33 Euro
5.000 Euro 500 Euro 41,67 Euro
10.000 Euro 1.000 Euro 83,33 Euro
25.000 Euro 2.500 Euro 208,33 Euro

Die Beträge verstehen sich vor Steuern und möglichen Gebühren. Die tatsächlichen Zahlungen richten sich nach den Anleihebedingungen.

Entscheidend ist außerdem, dass die Emittentin ihren Verpflichtungen nachkommen kann.

Ein vertraglicher Zinsanspruch ist keine Garantie dafür, dass die Zinsen tatsächlich und vollständig ausgezahlt werden.

Auch die monatliche Auszahlung reduziert das grundlegende Ausfallrisiko nicht automatisch.

Wofür will die EPH Group das Geld verwenden?

Die EPH Group AG ist im Bereich der Entwicklung von Hotels und Resorts im gehobenen Segment tätig.

Nach den veröffentlichten Angaben sollen die Mittel aus der neuen Anleihe für den Ausbau des Immobilienportfolios eingesetzt werden.

Im Mittelpunkt stehen Projekte in Österreich, Deutschland und weiteren europäischen Tourismusregionen.

Das Geschäftsmodell setzt damit auf die Entwicklung touristisch genutzter Immobilien.

Solche Projekte können bei erfolgreicher Umsetzung wirtschaftlich attraktiv sein.

Allerdings sind sie häufig mit erheblichen Vorlaufkosten und langen Entwicklungszeiten verbunden.

Zwischen dem Erwerb oder der Planung einer Immobilie und dem Beginn regelmäßiger Einnahmen können mehrere Jahre liegen.

Während dieser Zeit müssen unter anderem Planungs-, Bau- und Finanzierungskosten getragen werden.

Für Anleihegläubiger stellt sich deshalb die zentrale Frage, aus welchen Mitteln die laufenden Zinszahlungen und die spätere Rückzahlung finanziert werden sollen.

Hotelentwicklung: Ein Geschäft mit zahlreichen Unsicherheiten

Die Entwicklung hochwertiger Hotels und Resorts ist kapitalintensiv.

Bereits kleinere Verzögerungen können erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.

Steigende Baukosten können die ursprüngliche Kalkulation verändern.

Auch Genehmigungsverfahren, die Verfügbarkeit von Bauunternehmen und unerwartete technische Probleme können Projekte verzögern.

Hinzu kommen Risiken bei der späteren Vermarktung und beim Betrieb der Immobilien.

Selbst ein fertiggestelltes Hotel erzielt nicht automatisch die erwarteten Einnahmen.

Die wirtschaftliche Entwicklung hängt unter anderem von der touristischen Nachfrage, der Auslastung, den erzielbaren Zimmerpreisen und den laufenden Betriebskosten ab.

Auch konjunkturelle Schwächephasen können die Nachfrage nach hochpreisigen Hotelangeboten beeinträchtigen.

Für Anleger bedeutet das: Die Rückzahlungsfähigkeit einer projektorientierten Immobiliengesellschaft hängt nicht allein vom Wert ihrer Immobilien ab, sondern auch von der erfolgreichen Umsetzung und Finanzierung ihrer Geschäftsstrategie.

Wie sicher ist die angekündigte Besicherung?

Nach Angaben der EPH Group soll die neue Anleihe nicht nachrangig ausgestaltet werden.

Darüber hinaus ist eine Besicherung durch die Verpfändung von Geschäftsanteilen an Tochter- und Beteiligungsgesellschaften vorgesehen.

Das klingt zunächst nach einem zusätzlichen Schutzmechanismus.

Allerdings ist die Art der Sicherheit entscheidend.

Die Verpfändung von Gesellschaftsanteilen ist nicht mit einer erstrangigen Grundschuld auf eine bestimmte, vollständig entwickelte Immobilie gleichzusetzen.

Bei verpfändeten Gesellschaftsanteilen hängt der wirtschaftliche Sicherheitenwert wesentlich davon ab, welchen Wert die betreffende Gesellschaft tatsächlich besitzt.

Dabei müssen auch deren Schulden und sonstige Verpflichtungen berücksichtigt werden.

Besitzt eine Tochtergesellschaft beispielsweise eine Immobilie, die bereits umfangreich durch Bankkredite finanziert ist, kann der verbleibende Wert ihrer Gesellschaftsanteile deutlich geringer sein als der Marktwert der Immobilie.

Im Insolvenzfall könnte die Verwertung solcher Anteile deshalb wesentlich weniger Geld einbringen als ursprünglich erwartet.

Die angekündigte Besicherung darf daher nicht mit einer garantierten Rückzahlung verwechselt werden.

Warum die Rangfolge der Gläubiger entscheidend ist

Bei Unternehmensanleihen spielt die rechtliche Rangfolge der Forderungen eine wichtige Rolle.

Die EPH Group bezeichnet die neue Anleihe als nicht nachrangig.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Anleihegläubiger bei einer wirtschaftlichen Krise gegenüber sämtlichen anderen Gläubigern bevorzugt werden.

Insbesondere innerhalb einer Unternehmensgruppe können unterschiedliche Finanzierungsverhältnisse bestehen.

Banken oder andere Kreditgeber einzelner Tochtergesellschaften könnten über eigene Sicherheiten verfügen.

Für die tatsächliche Werthaltigkeit der geplanten Anteilsverpfändungen ist deshalb entscheidend, welche Vermögenswerte und Verbindlichkeiten auf Ebene der jeweiligen Gesellschaften bestehen.

Auch die rechtliche Durchsetzbarkeit und die Bedingungen einer möglichen Verwertung müssen berücksichtigt werden.

Eine abschließende Bewertung ist ohne eine vertiefte Prüfung des vollständigen Wertpapierprospekts und der zugehörigen Sicherheitenvereinbarungen nicht möglich.

Bestehende Anleihen erhöhen den Prüfungsbedarf

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die bereits bestehenden Anleiheverbindlichkeiten der EPH Group.

Das Unternehmen plant im Zusammenhang mit der Neuemission auch ein Umtauschangebot für Inhaber früherer Anleihen.

Ein solches Angebot kann unterschiedliche wirtschaftliche Hintergründe haben.

Für Anleger ist insbesondere relevant, wie hoch die bestehenden Verbindlichkeiten sind und wann diese fällig werden.

Auch die Frage, ob die neue Anleihe überwiegend zusätzliche Investitionen finanziert oder teilweise zur Ablösung bestehender Verpflichtungen dient, ist für die Beurteilung der Finanzierungsstruktur wichtig.

Entscheidend ist die gesamte Verschuldung der Unternehmensgruppe.

Eine einzelne Anleihe lässt sich nicht unabhängig von bereits bestehenden Kredit- und Kapitalmarktverbindlichkeiten bewerten.

Zehn Prozent Zinsen: Warum ist die Verzinsung so hoch?

Der Zinssatz von zehn Prozent liegt deutlich über der Verzinsung vieler bonitätsstarker Staats- und Unternehmensanleihen.

Ein solcher Unterschied kann verschiedene Ursachen haben.

Dazu zählen das Geschäftsmodell, die Finanzierungsstruktur, die Bonität der Emittentin und die Einschätzung der Investoren hinsichtlich möglicher Ausfallrisiken.

Gerade bei Immobilienprojektentwicklungen müssen Unternehmen häufig erhebliche Mittel einsetzen, bevor regelmäßige Einnahmen entstehen.

Eine hohe Verzinsung kann deshalb notwendig sein, um Anleger für die Übernahme entsprechender Risiken zu gewinnen.

Der hohe Kupon ist somit nicht nur eine mögliche Ertragschance.

Er ist zugleich ein Anlass, die wirtschaftliche Situation des Unternehmens besonders sorgfältig zu untersuchen.

Eine hohe Verzinsung allein erlaubt allerdings noch keine genaue Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls.

Dafür wären insbesondere aktuelle Finanzkennzahlen, Projektbewertungen und Informationen über die bestehenden Verbindlichkeiten erforderlich.

CSSF billigt Prospekt – aber nicht die wirtschaftliche Sicherheit

Die Billigung des Wertpapierprospekts durch die luxemburgische Finanzaufsicht CSSF ist eine wesentliche Voraussetzung für das geplante öffentliche Angebot.

Allerdings wird die Bedeutung einer solchen Billigung häufig überschätzt.

Die Prospektbilligung bezieht sich auf die regulatorischen Anforderungen an das Wertpapierdokument.

Sie bedeutet nicht, dass die Finanzaufsicht die wirtschaftliche Sicherheit der Anleihe bestätigt.

Ebenso wenig stellt sie eine Empfehlung zum Kauf dar.

Die CSSF weist ausdrücklich darauf hin, dass die Billigung eines Prospekts keine Befürwortung des angebotenen Wertpapiers bedeutet.

Anleger müssen daher selbst beurteilen, ob die Chancen und Risiken zu ihrer finanziellen Situation passen.

Geplanter Handel an der Wiener Börse

Die EPH Group strebt eine Einbeziehung der Anleihe in den Vienna MTF der Wiener Börse an.

Dadurch könnte das Wertpapier nach seiner Emission grundsätzlich über den Sekundärmarkt handelbar sein.

Eine solche Handelsmöglichkeit bedeutet jedoch nicht, dass Anleger ihre Anteile jederzeit problemlos verkaufen können.

Gerade bei kleineren Unternehmensanleihen kann die Liquidität begrenzt sein.

Wenn nur wenige Käufer und Verkäufer aktiv sind, können größere Unterschiede zwischen Ankaufs- und Verkaufspreisen entstehen.

Bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Emittenten kann die Nachfrage zusätzlich zurückgehen.

Ein vorzeitiger Verkauf könnte dann nur mit erheblichen Kursabschlägen möglich sein.

Auch deshalb sollten Anleger nicht davon ausgehen, dass sie das eingesetzte Kapital bei Bedarf jederzeit vollständig zurückerhalten.

Risikobewertung: Sehr hoch

Gesamtrisikobewertung: SEHR HOCH

Die neue EPH-Anleihe weist mehrere Risikofaktoren auf, die sich gegenseitig verstärken können.

Dazu gehören insbesondere:

  • Emittentenrisiko: Die Zinszahlungen und die Rückzahlung hängen von der Zahlungsfähigkeit der EPH Group ab.
  • Projektentwicklungsrisiko: Bauverzögerungen, Kostensteigerungen und wirtschaftlich enttäuschende Immobilienprojekte können die Finanzlage belasten.
  • Sicherheitenrisiko: Der Wert der verpfändeten Gesellschaftsanteile kann im Krisenfall erheblich sinken.
  • Verschuldungsrisiko: Bereits bestehende Finanzierungsverpflichtungen können die finanzielle Flexibilität einschränken.
  • Liquiditätsrisiko: Ein Verkauf vor Fälligkeit könnte schwierig oder nur mit deutlichen Kursverlusten möglich sein.
  • Zinsänderungsrisiko: Veränderungen des allgemeinen Marktzinsniveaus können den Börsenkurs beeinflussen.
  • Totalverlustrisiko: Bei einer schwerwiegenden wirtschaftlichen Krise kann das eingesetzte Kapital vollständig verloren gehen.

Die monatliche Auszahlung der Zinsen verändert diese grundlegende Risikoeinstufung nicht.

Welche Fragen sollten Anleger vor einer Zeichnung klären?

Vor einer Anlageentscheidung sind insbesondere die vollständigen wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen zu prüfen.

Dazu gehört die genaue Zusammensetzung der Sicherheiten.

Ebenso wichtig sind die aktuellen Finanzkennzahlen der Emittentin und ihrer wesentlichen Tochtergesellschaften.

Von Bedeutung ist außerdem, welche bestehenden Anleihen und Bankverbindlichkeiten bedient werden müssen.

Auch die Finanzierung der laufenden Zinszahlungen sollte nachvollziehbar sein.

Bei einer vollständig platzierten Anleihe über 50 Millionen Euro würde sich der jährliche Zinsaufwand allein für diese Emission rechnerisch auf fünf Millionen Euro belaufen.

Über sieben Jahre entspräche das nominalen Zinsverpflichtungen von insgesamt 35 Millionen Euro, sofern das gesamte Volumen während der vollen Laufzeit mit zehn Prozent verzinst wird.

Hinzu käme die Rückzahlung des Anleihekapitals von bis zu 50 Millionen Euro.

Diese Beträge verdeutlichen, welche finanziellen Verpflichtungen aus einer vollständig platzierten Emission entstehen können.

Ob das Unternehmen diese aus laufenden Einnahmen, Projektverkäufen oder weiteren Finanzierungsmaßnahmen bedienen kann, lässt sich anhand der bisher vorliegenden Informationen nicht abschließend beurteilen.

 

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