Der traditionsreiche Pralinenhersteller DreiMeister aus Werl in Nordrhein-Westfalen bekommt möglicherweise eine Zukunft in Belgien. Nach der Insolvenz und der Schließung des deutschen Produktionsstandorts hat der belgische Unternehmer Jo Ballet die Markenrechte und wesentliche Produktionsanlagen erworben. In Waregem bei Gent soll eine neue Schokoladenproduktion entstehen. Für die 101 zuletzt beschäftigten Menschen in Werl bedeutet der Verkauf jedoch keine Rückkehr ihrer Arbeitsplätze.
Die Nachricht über den Verkauf wurde am 22. Oktober 2026 bekannt. Ein an der Transaktion beteiligter Unternehmensberater bestätigte, dass die Maschinen und Markenrechte des insolventen Herstellers von dem belgischen Unternehmer übernommen wurden.
Es handelt sich dabei um den Erwerb von Vermögensgegenständen aus dem insolventen Unternehmen und nicht um eine Fortführung der bisherigen Gesellschaft am Standort Werl.
Insolvenzverfahren seit Juli 2026 eröffnet
Die DreiMeister Spezialitäten GmbH & Co. KG mit Sitz in Werl-Westönnen war im Mai 2026 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und hatte ein Insolvenzverfahren beantragt.
Das Amtsgericht Arnsberg eröffnete das Insolvenzverfahren am 1. Juli 2026 wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung.
Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 52 IN 142/26 geführt. Zum Insolvenzverwalter wurde Michael Schütte aus Gütersloh bestellt.
Gegenstand des Unternehmens war insbesondere die Herstellung und der Vertrieb hochwertiger Pralinen, Schokoladenprodukte und weiterer Süßwaren.
Die Geschichte des Unternehmens reicht bis zur Gründung von DreiMeister Spezialitäten durch Hans Schröder im Jahr 1973 zurück.
Rettung des deutschen Standorts scheiterte
Trotz intensiver Bemühungen gelang es nicht, einen Investor für eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung des Betriebs in Werl zu gewinnen.
Anfang Juli wurde deshalb die Schließung des Unternehmens bekannt gegeben.
Die verbliebenen 101 Beschäftigten erhielten ihre Kündigungen. Zuvor hatte das Unternehmen noch eine deutlich größere Belegschaft beschäftigt.
Nach Angaben des Insolvenzverwalters belasteten insbesondere stark gestiegene Rohstoffpreise die wirtschaftliche Entwicklung.
Hinzu kam, dass DreiMeister im Jahr 2024 in zusätzliche Produktionskapazitäten investiert hatte. Gleichzeitig verteuerte sich der für die Schokoladenherstellung wichtige Rohstoff Kakao erheblich.
Diese Entwicklung erschwerte die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Welche einzelnen Faktoren letztlich in welchem Umfang zur Insolvenz beitrugen, lässt sich daraus jedoch nicht abschließend bestimmen.
Maschinen sollen nach Belgien transportiert werden
Der belgische Unternehmer Jo Ballet hat nach Angaben eines beteiligten Beraters nahezu sämtliche Maschinen und wesentliche Teile der acht bisherigen Produktionslinien erworben.
Die Demontage der Anlagen am Standort Werl-Westönnen hat bereits begonnen.
Ab Ende Oktober sollen nach den derzeitigen Planungen etwa 25 bis 30 Lastwagen die Maschinen nach Belgien transportieren.
Dort sollen die Anlagen modernisiert und für eine neue Produktion eingesetzt werden.
Jo Ballet hat in Waregem das Unternehmen Belgian Chocolate Studio gegründet. Gemeinsam mit seinem Sohn plant er den Aufbau einer Fertigung für Pralinen und andere Schokoladenspezialitäten.
Produktionsbeginn für Januar 2027 geplant
Nach Angaben des beteiligten Unternehmensberaters soll die neue Produktion spätestens im Januar 2027 anlaufen.
Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten.
Noch offen ist außerdem, welche Produkte künftig unter welchem Namen angeboten werden.
Der Käufer hat zwar die Rechte an der Marke DreiMeister sowie an den sogenannten Golddublonen erworben. Ob der bekannte Markenname tatsächlich für die neue Produktion verwendet wird, ist jedoch noch nicht entschieden.
Auch die Zahl der künftig in Belgien beschäftigten Menschen steht bislang nicht fest.
Was bedeutet der Verkauf für die ehemaligen Beschäftigten?
Für die früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Werl ändert der Verkauf der Maschinen und Markenrechte zunächst nichts.
Die Kündigungen wurden bereits im Juli ausgesprochen. Eine Wiederaufnahme der Produktion am bisherigen deutschen Standort ist nach den derzeit bekannten Planungen nicht vorgesehen.
Der belgische Käufer übernimmt nach den veröffentlichten Informationen Produktionsanlagen und Markenrechte, nicht jedoch den bisherigen Betrieb mit seiner gesamten Belegschaft.
Eine automatische Übernahme der früheren Arbeitsverhältnisse lässt sich aus dem bekannt gewordenen Verkauf nicht ableiten. Die arbeitsrechtliche Einordnung hängt von den konkreten Umständen der Transaktion ab.
Zukunft der Gebäude in Werl weiterhin offen
Die früheren Produktionsgebäude in Werl-Westönnen gehören nach den vorliegenden Informationen nicht zur Insolvenzmasse.
Sie befinden sich im Eigentum einer eigenständigen Gesellschaft, die dem früheren DreiMeister-Geschäftsführer Markus Luckey zugeordnet wird.
DreiMeister hatte die Räumlichkeiten lediglich angemietet.
Wie die Gebäude künftig genutzt werden, ist bislang nicht bekannt.
Auch über den Kaufpreis für die Maschinen und Markenrechte wurden keine konkreten Angaben veröffentlicht.
Fazit: Marke möglicherweise gerettet, deutscher Produktionsstandort nicht
Der Verkauf der Markenrechte und Produktionsanlagen eröffnet die Möglichkeit, dass Schokoladenprodukte mit Bezug zur traditionsreichen Marke DreiMeister künftig wieder hergestellt werden.
Eine Rettung des insolventen Unternehmens in Werl ist damit jedoch nicht verbunden. Der deutsche Produktionsstandort wurde geschlossen, und die zuletzt 101 Beschäftigten verloren ihre Arbeitsplätze.
Ob die geplante Produktion in Belgien Anfang 2027 tatsächlich beginnt und ob dort künftig Pralinen unter dem Namen DreiMeister hergestellt werden, bleibt abzuwarten.