Der 7. Oktober bleibt für Israel ein Tag tiefer Trauer.
Drei Jahre nach dem Angriff der Hamas und verbündeter bewaffneter Gruppen kamen Menschen an mehreren Orten des Landes zusammen, um an die Getöteten zu erinnern.
Einer der wichtigsten Gedenkorte ist das Gelände des damaligen Nova-Musikfestivals nahe dem Kibbuz Reim im Süden Israels.
Dort standen Angehörige zwischen Bildern der Menschen, die am 7. Oktober 2023 getötet wurden.
Um 6.29 Uhr Ortszeit gedachten die Versammelten der Opfer – exakt drei Jahre nach dem Beginn des Angriffs.
Auch aktuelle Berichte der Associated Press bestätigen die Gedenkveranstaltung zu diesem Zeitpunkt. Angehörige umarmten sich am Festivalgelände, während aus dem nahe gelegenen Gazastreifen Explosionsgeräusche zu hören waren.
Rund 1.200 Menschen wurden am 7. Oktober getötet
Beim Hamas-geführten Angriff auf Israel wurden nach aktuellen Angaben internationaler Nachrichtenagenturen rund 1.200 Menschen getötet.
Weitere 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Es war der tödlichste Angriff in der Geschichte Israels.
Bewaffnete Angreifer drangen damals aus dem Gazastreifen nach Israel ein und attackierten unter anderem Ortschaften, Militäranlagen und das Nova-Musikfestival.
Das Festival wurde zu einem der zentralen Symbole des 7. Oktober.
Mehr als 350 Menschen wurden nach Angaben der Associated Press am oder im Umfeld des Festivalgeländes getötet. Reuters nennt für das Festival 348 Todesopfer. Unterschiedliche Quellen und Zählweisen können deshalb bei Detailzahlen voneinander abweichen.
Angehörige kehren immer wieder an den Tatort zurück
Für zahlreiche Familien ist das Gelände bei Reim inzwischen zu einem dauerhaften Erinnerungsort geworden.
Fotos der Opfer, persönliche Gegenstände und andere Erinnerungszeichen prägen das Gelände.
Die Associated Press berichtet von Angehörigen, die regelmäßig dorthin zurückkehren.
Die Mutter eines damals 25 Jahre alten Getöteten erklärte beispielsweise, sie besuche den Ort jeden Samstag, weil sie sich ihrem Sohn dort besonders nahe fühle.
Der Jahrestag ist damit nicht nur ein staatlicher Gedenktag.
Für viele Menschen ist er ein sehr persönlicher Tag der Trauer.
Erstmals keine israelischen Geiseln mehr in Gaza
Der dritte Jahrestag unterscheidet sich zugleich in einem entscheidenden Punkt von den beiden vorherigen.
Nach Angaben von Reuters und AP befinden sich erstmals seit dem Angriff keine israelischen Geiseln mehr im Gazastreifen.
Lebende Geiseln und sterbliche Überreste wurden im Zuge von Austauschvereinbarungen zurückgebracht. Die sterblichen Überreste der letzten israelischen Geisel wurden Reuters zufolge im Januar 2026 geborgen.
Damit endet für Israel zwar ein zentraler Teil der unmittelbaren Folgen des 7. Oktober.
Die gesellschaftlichen und politischen Folgen des Angriffs sind jedoch keineswegs überwunden.
Herzog erinnert an Tote und Verletzte
Auch Israels Staatsführung gedachte der Opfer.
Präsident Jizchak Herzog entzündete nach den vorliegenden Angaben in seiner Jerusalemer Residenz eine Kerze für die Toten und Verletzten.
Im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltungen stehen dabei nicht nur diejenigen, die am 7. Oktober getötet wurden.
Erinnert wird auch an Menschen, die verschleppt wurden, an Überlebende und an Angehörige, deren Leben durch den Angriff dauerhaft verändert wurde.
Landesweit finden entsprechende Veranstaltungen statt.
Neben Reim gehören dazu auch die Gemeinden im Grenzgebiet zum Gazastreifen, die am 7. Oktober 2023 unmittelbar angegriffen wurden.
Gedenken auch in Kfar Aza
Zu den Orten gehört der Kibbuz Kfar Aza.
Auch dort kamen am Mittwoch Menschen zu einer Gedenkveranstaltung zusammen.
AP-Aufnahmen zeigen Angehörige, Bewohner und andere Teilnehmer zwischen Erinnerungsstätten für die Menschen, die dort getötet oder verschleppt wurden.
Das Gedenken findet damit bewusst an jenen Orten statt, an denen sich der Angriff vor drei Jahren unmittelbar abgespielt hat.
Gleichzeitig dauern Angriffe in Gaza an
Während Israel der Opfer des 7. Oktober gedenkt, dauern die Folgen des anschließend begonnenen Krieges im Gazastreifen an.
Israel reagierte 2023 auf den Hamas-Angriff mit einer groß angelegten militärischen Offensive.
Nach Angaben der Gesundheitsbehörden im Gazastreifen wurden seitdem mehr als 74.000 Palästinenser getötet.
Die dortigen Behörden unterscheiden in ihren veröffentlichten Gesamtzahlen nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern. Die Associated Press weist zugleich darauf hin, dass die Zahlen von UN-Organisationen und unabhängigen Experten grundsätzlich als belastbar angesehen werden.
Große Teile des Gazastreifens wurden während des Krieges zerstört.
Ein erheblicher Teil der Bevölkerung wurde vertrieben, teilweise mehrfach.
Waffenruhe hat die Gewalt nicht vollständig beendet
Seit Oktober 2025 besteht eine von den USA vermittelte Waffenruhe.
Sie hat die intensivsten Kampfhandlungen deutlich reduziert, den Konflikt aber nicht vollständig beendet.
Israelische Angriffe im Gazastreifen dauern weiterhin an.
Israel erklärt, dabei Mitglieder beziehungsweise Stellungen der Hamas anzugreifen.
Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Gaza wurden seit Inkrafttreten der Waffenruhe mehr als 1.400 Palästinenser getötet. Auch israelische Soldaten kamen seitdem ums Leben.
Damit fällt der dritte Jahrestag in eine Situation, in der einerseits die großen Kampfhandlungen reduziert wurden, andererseits weiterhin Menschen sterben.
Gaza bleibt weitgehend zerstört
Für die palästinensische Bevölkerung hat sich die humanitäre Situation trotz der Waffenruhe nicht grundsätzlich normalisiert.
Große Teile der städtischen Infrastruktur sind zerstört.
Viele Menschen leben weiterhin in provisorischen Unterkünften und Zeltlagern.
Nach Angaben der Associated Press wurden rund 90 Prozent der Bevölkerung während des Krieges vertrieben – viele Menschen mehrfach.
Reuters berichtet zudem, dass Israel inzwischen nahezu zwei Drittel des Gazastreifens kontrolliert. Eine abschließende Vereinbarung über den Rückzug israelischer Truppen und eine Entwaffnung der Hamas gibt es weiterhin nicht.
Drei Jahre, die den Nahen Osten verändert haben
Der 7. Oktober 2023 markierte nicht nur den Beginn des Gaza-Krieges.
Die folgenden drei Jahre haben die politische und militärische Lage im gesamten Nahen Osten verändert.
Der Konflikt weitete sich auf weitere Schauplätze aus. Israel geriet unter anderem mit der Hisbollah im Libanon und mit dem Iran in militärische Auseinandersetzungen.
Auch im Westjordanland verschärfte sich die Gewalt.
Damit reichen die Folgen des 7. Oktober inzwischen weit über Israel und den Gazastreifen hinaus.
Der Jahrestag fällt mitten in eine politisch sensible Phase
Auch innerhalb Israels bleibt die Aufarbeitung des 7. Oktober politisch umstritten.
Der Jahrestag findet wenige Wochen vor der israelischen Parlamentswahl statt.
Die Frage nach der Verantwortung für das Sicherheitsversagen vom 7. Oktober spielt dabei eine erhebliche Rolle.
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu weist eine persönliche Verantwortung für den damaligen Sicherheitszusammenbruch zurück und sieht sich gleichzeitig mit Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung konfrontiert.
Für viele Angehörige der Opfer geht es deshalb neben dem Gedenken weiterhin um die Frage, wie es überhaupt zu dem Angriff kommen konnte.
Auch in Wien wird der Opfer gedacht
Das Gedenken beschränkt sich nicht auf Israel.
Nach den vorliegenden Angaben wollen jüdische Studierende und Mitglieder der jüdischen Gemeinde am Mittwochnachmittag auf dem Wiener Judenplatz die Namen von Opfern des Hamas-Angriffs verlesen.
Der Jahrestag wird damit auch außerhalb Israels begangen.