Dark Mode Light Mode

Tankrabatt verliert bereits an Wirkung: Benzin und Diesel werden wieder teurer

Engin_Akyurt (CC0), Pixabay

Der neue Tankrabatt sollte Autofahrer angesichts der hohen Kraftstoffpreise spürbar entlasten. Nur wenige Tage nach dem Start zeigt sich jedoch: Benzin und Diesel sind bereits wieder teurer geworden. Damit wird ein Teil der Entlastung durch die abgesenkte Energiesteuer schon wieder aufgezehrt.

Nach Angaben des ADAC kostete ein Liter Super E10 am Sonntag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,137 Euro. Das waren 2,3 Cent mehr als noch am Donnerstag.

Bei Diesel lag der Durchschnittspreis bei 2,253 Euro je Liter und damit 0,9 Cent über dem Niveau vom Donnerstag.

Der Tankrabatt wirkt also weiterhin – allerdings weniger stark als unmittelbar nach seiner Einführung.

Steuersenkung beträgt 16,7 Cent je Liter

Der Staat hat die Energiesteuer auf Kraftstoffe gesenkt. Die steuerliche Entlastung beträgt 16,7 Cent pro Liter.

An den Tankstellen war unmittelbar nach Inkrafttreten der Regelung tatsächlich ein deutlicher Preisrückgang zu beobachten.

Teilweise wurde Super E10 vorübergehend wieder für weniger als zwei Euro je Liter angeboten.

Doch schon wenige Tage später hat sich das Bild verändert.

Der ADAC stellt deshalb fest, dass ein Teil der anfänglichen Entlastungswirkung bereits wieder verloren gegangen ist.

Benzin-Preisanstieg derzeit schwer zu erklären

Besonders kritisch bewertet der Verkehrsclub die Entwicklung bei Super E10.

Normalerweise beeinflussen insbesondere der Rohölpreis und der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar die Kraftstoffpreise.

Beide Faktoren haben sich zuletzt jedoch vergleichsweise wenig verändert.

Deshalb lässt sich der erneute Preisanstieg bei Super E10 nach Einschätzung des ADAC aus Verbrauchersicht derzeit nur schwer nachvollziehen.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Mineralölunternehmen den Tankrabatt bewusst einbehalten.

Die Preisbildung an Tankstellen hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu gehören neben Rohölpreis und Wechselkurs auch Raffineriepreise, Transportkosten, Wettbewerb, regionale Unterschiede sowie die jeweilige Nachfrage.

Für den Vorwurf einer gezielten Nichtweitergabe der Steuersenkung wären deshalb weitergehende Untersuchungen notwendig.

Unter zwei Euro wird wieder seltener

Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Blick auf einzelne Städte.

Kurz nach Beginn der Steuersenkung konnten Autofahrer an zahlreichen Tankstellen Super E10 zeitweise für weniger als zwei Euro je Liter bekommen.

Inzwischen sind solche Angebote wieder deutlich seltener.

In Berlin, Hamburg und Stuttgart waren am Montagvormittag nach den ausgewerteten ADAC-Preisdaten kurz vor Mittag keine entsprechenden Angebote zu finden.

In Leipzig und Köln gab es dagegen vereinzelt noch Tankstellen mit E10-Preisen unter zwei Euro.

Auffällig blieb München: Dort bot zeitweise noch mehr als jede dritte Tankstelle E10 für weniger als zwei Euro an. Am Donnerstag waren es allerdings noch mehr als die Hälfte gewesen.

Damit zeigt sich auch, wie groß die regionalen Unterschiede bei Kraftstoffpreisen sein können.

Wie viel vom Tankrabatt kommt tatsächlich an?

Diese Frage lässt sich nicht allein durch einen Vergleich mit dem ersten Tag der Steuersenkung beantworten.

Bereits vor Inkrafttreten des Tankrabatts waren die Kraftstoffpreise gefallen.

Je nachdem, welcher Vergleichstag gewählt wird, ergeben sich deshalb unterschiedliche Werte.

Vergleicht man die Sonntagspreise beispielsweise mit den Durchschnittspreisen vom 28., 29. oder 30. September, lag Super E10 nach den veröffentlichten Berechnungen noch immer zwischen 10,5 und 13,9 Cent je Liter niedriger.

Bei Diesel betrug der Unterschied zwischen 13,7 und 17,2 Cent je Liter.

Die Aussage, der Tankrabatt sei vollständig verschwunden, wäre deshalb falsch.

Richtig ist vielmehr: Die Steuersenkung hat die Kraftstoffpreise zunächst deutlich reduziert. Ein Teil dieser Entlastung ist durch anschließend wieder steigende Preise inzwischen verloren gegangen.

16,7 Cent Steuersenkung bedeuten nicht automatisch 16,7 Cent weniger an der Zapfsäule

Verbraucher sollten außerdem zwischen der steuerlichen Entlastung und dem tatsächlichen Preisunterschied an der Tankstelle unterscheiden.

Der Kraftstoffpreis verändert sich ständig.

Wenn beispielsweise gleichzeitig der Einkaufspreis für Kraftstoffe steigt, kann der Endpreis an der Zapfsäule trotz einer Steuersenkung höher werden.

Umgekehrt können sinkende Rohöl- oder Großhandelspreise zusätzlich zur Steuerentlastung für niedrigere Preise sorgen.

Deshalb lässt sich nicht allein anhand des Tankstellenpreises feststellen, welcher Anteil der Steuersenkung tatsächlich weitergegeben wurde.

Streit über Weitergabe des Tankrabatts

Genau diese Frage war bereits bei früheren Tankrabatten umstritten.

Der Branchenverband en2x vertritt die Auffassung, dass die steuerliche Entlastung vollständig an die Kunden weitergegeben werde.

Verbraucherschützer und Wirtschaftswissenschaftler kamen bei früheren Untersuchungen teilweise zu anderen Ergebnissen.

Auch beim aktuellen Tankrabatt dürfte deshalb genau beobachtet werden, wie sich die Preise an den Tankstellen im Verhältnis zu Rohölpreisen, Wechselkursen und Großhandelspreisen entwickeln.

Autofahrer sollten Preise vergleichen

Für Verbraucher bleibt derzeit vor allem eine Möglichkeit, unmittelbar Geld zu sparen: Tankstellenpreise vergleichen und möglichst zu günstigen Tageszeiten tanken.

Die Unterschiede zwischen einzelnen Tankstellen können erheblich sein.

Auch innerhalb eines Tages verändern sich die Preise teilweise mehrfach. Wer nicht zwingend sofort tanken muss, kann deshalb durch einen Preisvergleich einen Teil der Kosten vermeiden.

Tankrabatt wirkt – aber die Entlastung wird kleiner

Die aktuelle Entwicklung lässt sich damit nüchtern zusammenfassen:

Der Tankrabatt hat die Preise zunächst deutlich gesenkt. Super E10 und Diesel sind gegenüber den Tagen unmittelbar vor der Steuersenkung weiterhin günstiger.

Seit dem Start des Rabatts sind die Preise allerdings bereits wieder gestiegen.

Besonders bei Super E10 hält der ADAC diesen Anstieg angesichts der vergleichsweise geringen Veränderungen bei Ölpreis und Wechselkurs derzeit für schwer nachvollziehbar.

Für Autofahrer zählt am Ende jedoch nicht die Höhe der Steuersenkung auf dem Papier, sondern der Betrag auf der Preistafel.

Und genau dort zeigt sich wenige Tage nach Einführung des Tankrabatts: Ein Teil der versprochenen finanziellen Entlastung ist bereits wieder verschwunden.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Warnungen der englischen Finanzmarktaufsicht FCA

Next Post

Otto M. Schröder Bank veröffentlicht Offenlegungsbericht für das Geschäftsjahr 2025