Die Deutsche Bahn zieht Konsequenzen aus den Erfahrungen der vergangenen Sommerferien und will das pauschale Familienticket künftig dauerhaft anbieten.
Nach Angaben der Bahn habe sich das Angebot bewährt. Rund 100.000 Familien mehr seien während der vergangenen Sommerferien mit der Bahn gefahren als noch 2025.
Nun soll aus dem zeitlich begrenzten Angebot ein dauerhaftes Tarifmodell werden.
Rund 100 Euro für Hin- und Rückfahrt
Besonders interessant ist der angekündigte Pauschalpreis.
Das Familienticket soll für eine Hin- und Rückfahrt rund 100 Euro kosten.
Dabei können bis zu fünf Personen gemeinsam reisen. Unter den Reisenden dürfen sich maximal zwei Erwachsene befinden.
Damit richtet sich das Angebot insbesondere an Eltern beziehungsweise andere Erwachsene, die gemeinsam mit Kindern unterwegs sind.
Ein wichtiger Bestandteil des Preises ist außerdem die Sitzplatzreservierung im ICE.
Gerade für Familien ist das relevant. Wer mit mehreren Kindern reist, möchte möglichst zusammen sitzen und nicht erst nach dem Einsteigen nach freien Plätzen suchen.
Was kostet das rechnerisch pro Person?
Bei vollständiger Ausnutzung mit fünf Reisenden entsprechen 100 Euro für Hin- und Rückfahrt rechnerisch etwa 20 Euro pro Person für die gesamte Reise.
Umgerechnet auf eine einzelne Strecke wären das ungefähr zehn Euro pro Person.
Allerdings ist diese Rechnung nur ein Orientierungswert. Entscheidend sind die konkreten Tarifbedingungen und die tatsächliche Zahl der Mitreisenden.
Auch eine Familie mit weniger Personen kann das Ticket nutzen. Der rechnerische Preis pro Person fällt dann entsprechend höher aus.
Für welche Familien lohnt sich das Angebot?
Interessant dürfte das Ticket vor allem für Familien sein, die längere Strecken im Fernverkehr zurücklegen.
Bei klassischen Fernverkehrstickets kann der Gesamtpreis einer Familienreise stark davon abhängen, wann gebucht wird, welcher Zug gewählt wird und welche Sparpreise noch verfügbar sind.
Ein Pauschalangebot macht zumindest einen Teil dieser Kalkulation einfacher.
Familien wissen bereits vor der Buchung ungefähr, welcher Gesamtbetrag für Hin- und Rückfahrt anfällt.
Vor einer Buchung sollte trotzdem verglichen werden.
Je nach Verbindung und vorhandenen Sparpreisen könnte eine andere Ticketkombination günstiger sein.
„Familienticket“ bedeutet deshalb nicht automatisch „günstigstes Ticket“.
Sitzplatzreservierung ist ein echter Zusatznutzen
Für alleinreisende Erwachsene ist eine Reservierung häufig verzichtbar.
Bei Familien sieht das anders aus.
Wer beispielsweise mit zwei oder drei Kindern reist, ist darauf angewiesen, möglichst zusammenhängende Plätze zu bekommen.
Sind Reservierungen bereits im Familienticket enthalten, entfällt dafür ein zusätzlicher Kostenpunkt.
Vor der Buchung sollte trotzdem kontrolliert werden, ob tatsächlich für alle Reisenden Sitzplätze reserviert wurden und ob diese zusammenliegen.
Bedingungen genau prüfen
Bei Pauschalangeboten kommt es auf die Details an.
Verbraucher sollten deshalb vor dem Kauf insbesondere darauf achten, welche Züge genutzt werden dürfen, ob das Ticket an bestimmte Verbindungen gebunden ist, welche Altersgrenzen für mitreisende Kinder gelten und unter welchen Bedingungen eine Stornierung oder Umbuchung möglich ist.
Auch die Frage, ob das Angebot auf allen Fernverkehrsverbindungen verfügbar sein wird oder bestimmte Kontingente gelten, kann für die praktische Nutzung entscheidend sein.
Aus den bislang vorliegenden Angaben ergeben sich diese Einzelheiten noch nicht vollständig.
Dauerhaftes Angebot nach erfolgreichem Test
Die Entscheidung der Bahn kommt nicht überraschend.
Das Familienticket wurde bereits in den vergangenen Sommerferien angeboten.
Nach Angaben des Unternehmens nutzten daraufhin rund 100.000 Familien mehr die Bahn als im Vergleichszeitraum 2025.
Für die Bahn ist das offenbar ein ausreichendes Signal, das Modell nicht nur als Ferienaktion fortzuführen.
Damit könnte das Unternehmen insbesondere für Familienreisen stärker mit dem Auto konkurrieren.
Denn bei mehreren Reisenden wird die Bahn im Vergleich zum Pkw häufig dadurch unattraktiver, dass für mehrere Personen Fahrkarten benötigt werden, während die Kosten einer Autofahrt nicht im gleichen Verhältnis mit der Personenzahl steigen.
Ein Pauschalpreis kann diesen Nachteil zumindest teilweise ausgleichen.
Ein günstiges Ticket löst das Pünktlichkeitsproblem nicht
Beim zweiten großen Problem der Deutschen Bahn sind dagegen keine schnellen Verbesserungen zu erwarten.
Bei der Pünktlichkeit dämpft die Bahn selbst die Erwartungen.
Das deutsche Schienennetz sei über viele Jahre vernachlässigt worden. Ein erheblicher Teil der Anlagen sei zu alt und störanfällig.
Die bestehenden Probleme könnten deshalb nicht innerhalb von ein oder zwei Jahren beseitigt werden.
Für Familien ist dieser Punkt besonders wichtig.
Eine größere Verspätung ist bereits für einzelne Reisende ärgerlich. Wer mit kleinen Kindern, Kinderwagen und Gepäck unterwegs ist und möglicherweise noch einen Anschlusszug erreichen muss, wird durch Verspätungen erheblich stärker belastet.
Bei Verspätungen gelten weiterhin Fahrgastrechte
Auch bei einem günstigen Familienticket sollten Reisende ihre Fahrgastrechte kennen.
Entscheidend sind dabei unter anderem die erwartete Verspätung am Ziel und die konkrete Ticketart.
Bei erheblichen Verspätungen können beispielsweise Ansprüche auf Entschädigung entstehen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Reisende außerdem andere Zugverbindungen nutzen oder von der Reise zurücktreten.
Das Familienticket sollte deshalb nicht dazu führen, dass Reisende bei Störungen auf ihre gesetzlichen beziehungsweise tariflichen Rechte verzichten.
Preis und Zuverlässigkeit sind zwei verschiedene Fragen
Das neue Angebot zeigt ein grundsätzliches Problem des Bahnverkehrs.
Auf der einen Seite versucht die Bahn, Reisen für Familien preislich attraktiver zu machen.
Auf der anderen Seite bleibt die Zuverlässigkeit des Systems eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass Familien tatsächlich häufiger den Zug wählen.
Ein günstiges Ticket ist attraktiv.
Noch wichtiger ist für viele Familien jedoch, dass sie mit Kindern möglichst planbar am Ziel ankommen.
Was Familien vor der Buchung prüfen sollten
Sobald die endgültigen Tarifbedingungen veröffentlicht sind, lohnt sich ein genauer Vergleich.
Insbesondere sollte geprüft werden, wie viele Personen mitfahren dürfen, welche Altersgrenzen gelten, ob eine Zugbindung besteht, welche ICE- und IC-Verbindungen eingeschlossen sind und welche Regeln für Umbuchung und Stornierung gelten.
Außerdem empfiehlt sich weiterhin ein Preisvergleich mit regulären Spar- und Super-Sparpreisen.
Denn je nach Strecke kann auch ein anderes Angebot günstiger sein.
Fazit: Interessantes Angebot – die Details entscheiden
Ein pauschales Familienticket für rund 100 Euro einschließlich Hin- und Rückfahrt sowie ICE-Sitzplatzreservierungen könnte Bahnreisen für Familien erheblich übersichtlicher machen.
Besonders attraktiv erscheint das Angebot, wenn tatsächlich fünf Personen gemeinsam reisen.
Dass die Deutsche Bahn das zunächst zeitlich begrenzte Modell dauerhaft anbieten will, zeigt zudem, dass Familien offenbar auf solche einfacheren Tarifangebote reagieren.
Das größte Problem des Bahnverkehrs löst ein neues Ticket allerdings nicht.