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D-You-Wallet kommt 2027: Das soll die neue digitale Brieftasche können

digipictures (CC0), Pixabay

Die D-You-Wallet – „Digital You“ – ist die deutsche Umsetzung einer europäischen digitalen Identitäts-Wallet. Das Konzept war zuvor vor allem unter der Bezeichnung EUDI-Wallet bekannt.

Grundlage für die Entwicklung ist die europäische eIDAS-2.0-Regulierung. Sie schafft einen gemeinsamen Rahmen für elektronische Identitäten und Vertrauensdienste innerhalb der Europäischen Union. Dadurch sollen digitale Identitätsnachweise künftig grenzüberschreitend eingesetzt werden können.

Was ist die D-You-Wallet?

Im Kern handelt es sich um eine App, in der Nutzer digitale Identitätsnachweise auf ihrem Smartphone verwalten können. Statt bei jedem Online-Dienst erneut persönliche Daten einzugeben oder Dokumente hochzuladen, sollen benötigte Nachweise unmittelbar über die Wallet bereitgestellt werden können.

Denkbar sind beispielsweise digitale Nachweise für die eigene Identität, den Führerschein oder weitere persönliche Berechtigungen.

Ein wichtiger Punkt ist dabei die Kontrolle über die übermittelten Informationen. Nutzer sollen grundsätzlich entscheiden können, welche Daten sie für einen bestimmten Vorgang freigeben.

So könnte bei einer Altersprüfung beispielsweise lediglich bestätigt werden, dass eine Person mindestens 18 Jahre alt ist. Das vollständige Geburtsdatum oder andere persönliche Angaben müssten für diesen Zweck nicht zwingend übermittelt werden.

Start in Deutschland für Anfang 2027 vorgesehen

Nach dem derzeitigen Zeitplan soll die D-You-Wallet Anfang 2027 für Bürger in Deutschland verfügbar werden. Die Nutzung soll freiwillig und kostenlos sein.

Damit soll die klassische Brieftasche allerdings nicht von einem Tag auf den anderen überflüssig werden. Vielmehr entsteht eine zusätzliche Möglichkeit, Identitätsnachweise digital zu verwenden.

Gerade bei Online-Geschäften könnte das Verfahren viele Abläufe vereinfachen, bei denen bislang Identitätsprüfungen oder zusätzliche Dokumente erforderlich sind.

Vom Personalausweis bis zum Vertragsabschluss

Zum geplanten Funktionsumfang gehört insbesondere der digitale Identitätsnachweis. Darüber hinaus soll die Wallet unter anderem Altersnachweise ermöglichen und bei bestimmten Vertragsabschlüssen eingesetzt werden können.

Auch die Eröffnung eines Bankkontos könnte dadurch einfacher werden. Statt unterschiedliche Identifikationsverfahren zu durchlaufen, könnte die erforderliche Identität unmittelbar über die Wallet bestätigt werden.

Perspektivisch sind zahlreiche weitere Einsatzgebiete denkbar. Dazu zählen beispielsweise die Registrierung einer SIM-Karte, elektronische Signaturen, Gesundheitsdienste, digitale Zahlungen oder die Identifikation gegenüber Online-Händlern und anderen Dienstleistern.

Auch Dokumente und Nachweise für Reisen, Hochschulen oder Verwaltungsleistungen könnten künftig über entsprechende Wallet-Lösungen bereitgestellt werden.

Rechtsgültig elektronisch unterschreiben

Eine wichtige Funktion betrifft elektronische Signaturen. Die Wallet soll es ermöglichen, bestimmte Dokumente und Verträge digital rechtswirksam zu unterzeichnen.

Damit könnte die Anwendung weit über die Funktion eines digitalen Personalausweises hinausgehen. Sie würde gleichzeitig zu einem Werkzeug für Rechtsgeschäfte, bei denen bislang zusätzliche Identifikations- und Signaturverfahren erforderlich sind.

Gerade für Banken, Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen, Behörden und andere Anbieter digitaler Dienstleistungen könnte das neue Möglichkeiten eröffnen.

Persönliche Daten sollen gezielter weitergegeben werden

Ein wesentlicher Ansatz der digitalen Identitäts-Wallet besteht in der Datensparsamkeit. Nutzer sollen möglichst nur diejenigen Informationen übermitteln müssen, die für den jeweiligen Vorgang tatsächlich erforderlich sind.

Wer beispielsweise lediglich seine Volljährigkeit nachweisen muss, soll dafür nicht automatisch seinen vollständigen Namen, sein Geburtsdatum oder seine Adresse offenlegen müssen.

Dieses Prinzip könnte gegenüber heutigen Verfahren einen Vorteil darstellen, bei denen Verbraucher teilweise mehr persönliche Informationen preisgeben müssen, als für den eigentlichen Zweck erforderlich wären.

Sicherheit wird zum entscheidenden Faktor

Mit zunehmender Bedeutung einer solchen Wallet steigen gleichzeitig die Anforderungen an deren Sicherheit. Werden Identitätsnachweise auf dem Smartphone verwaltet, muss verhindert werden, dass Unbefugte auf diese Informationen zugreifen oder sie missbrauchen können.

Die Daten sollen deshalb entsprechend geschützt und verschlüsselt gespeichert werden. Auch der Zugang zur Wallet muss abgesichert werden.

Besonders wichtig wird die Frage, was passiert, wenn ein Smartphone verloren geht, gestohlen oder kompromittiert wird. Für Verbraucher müssen deshalb verständliche Verfahren zur Sperrung und Wiederherstellung des Zugangs zur Verfügung stehen.

Neue Möglichkeiten – aber auch neue Phishing-Risiken

Mit der Einführung einer neuen digitalen Identitätsinfrastruktur dürfte auch das Thema Betrugsprävention an Bedeutung gewinnen.

Kriminelle könnten beispielsweise versuchen, gefälschte Nachrichten über eine angeblich notwendige „D-You-Aktivierung“, eine vermeintliche Sperrung der Wallet oder erforderliche Sicherheitsupdates zu verbreiten. Ähnliche Methoden sind bereits aus dem Online-Banking und von Paket-, Behörden- oder Zahlungsdienstleister-Phishing bekannt.

Nutzer sollten deshalb insbesondere bei unerwarteten E-Mails, SMS oder Messenger-Nachrichten vorsichtig sein, die zu einer schnellen Identitätsbestätigung oder zur Eingabe persönlicher Daten auffordern.

Updates und sicherheitsrelevante Vorgänge sollten grundsätzlich über die offiziellen Anwendungen beziehungsweise bekannten offiziellen Informationsangebote überprüft werden.

D-You-Wallet soll europaweit funktionieren

Der besondere Vorteil des europäischen Ansatzes liegt in der grenzüberschreitenden Nutzung. Digitale Identitätsnachweise sollen nicht nur innerhalb Deutschlands verwendet werden können.

Langfristig soll es möglich sein, sich mit entsprechenden Wallets auch gegenüber Behörden und Unternehmen in anderen EU-Staaten digital auszuweisen.

Damit könnte beispielsweise die Identifikation bei Dienstleistungen im europäischen Ausland einfacher werden. Das gilt insbesondere für Bereiche, in denen bislang unterschiedliche nationale Verfahren eingesetzt werden.

Freiwilligkeit bleibt ein wichtiger Punkt

Für Verbraucher dürfte entscheidend sein, dass die digitale Brieftasche eine zusätzliche Möglichkeit darstellt und nicht automatisch zur Voraussetzung für alltägliche Dienstleistungen wird.

Nach der derzeitigen Planung soll die Nutzung der D-You-Wallet freiwillig sein. Wer seine Identitätsnachweise weiterhin auf herkömmliche Weise verwenden möchte, soll grundsätzlich nicht gezwungen werden, sämtliche Dokumente auf das Smartphone zu übertragen.

Fazit: Digitale Identität könnte viele Alltagswege vereinfachen

Die D-You-Wallet könnte den Umgang mit digitalen Identitäten erheblich verändern. Identitäts- und Altersnachweise, Vertragsabschlüsse und elektronische Signaturen könnten künftig über eine zentrale Anwendung auf dem Smartphone abgewickelt werden.

Der praktische Nutzen wird allerdings davon abhängen, wie zuverlässig das System funktioniert, wie viele Behörden und Unternehmen die Wallet tatsächlich unterstützen und wie konsequent Datenschutz und IT-Sicherheit umgesetzt werden.

Für Verbraucher wird zudem entscheidend sein, jederzeit nachvollziehen zu können, welche Daten gespeichert sind, wer welche Informationen anfordert und welche persönlichen Angaben bei einer Transaktion tatsächlich weitergegeben werden.

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