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Nach AfD-Wahlsieg: Sachsen-Anhalts Tourismusbranche fürchtet Schäden für Image und Fachkräftesuche

TillVoigt (CC0), Pixabay

Die politische Ausgangslage hat sich nach der Landtagswahl deutlich verändert. Die AfD wurde nach dem vorläufigen Ergebnis mit 43,8 Prozent stärkste Kraft. Die CDU erreichte 17,2 Prozent. Mit 39 von insgesamt 83 Sitzen verfügt die AfD allerdings nicht über eine absolute Mehrheit im neuen Landtag.

Für die Tourismuswirtschaft stellt sich nun die Frage, ob sich das politische Ergebnis auf die Wahrnehmung Sachsen-Anhalts als Reiseziel auswirken könnte.

Tourismusverband nennt drei zentrale Sorgen

Der Tourismusverband Sachsen-Anhalt sieht insbesondere drei Bereiche, die von der weiteren politischen Entwicklung betroffen sein könnten: das touristische Image des Landes, die Sicherung des Personalbedarfs und den Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft.

Geschäftsführer Martin Schulze betont dabei die Bedeutung eines offenen gesellschaftlichen Klimas für die Branche.

Tourismus lebe von Gastfreundschaft, Vielfalt und Weltoffenheit. Diese Werte seien aus Sicht des Verbandes nicht nur eine gesellschaftliche Position, sondern zugleich eine wirtschaftliche Grundlage des Tourismus.

Schulze berichtet zudem, dass sowohl Gäste als auch Beschäftigte seit der Landtagswahl verunsichert seien. Sollte eine künftige Landesregierung nach Einschätzung des Verbandes diese Grundlagen gefährden, wolle sich der Verband öffentlich positionieren.

Dehoga berichtet von besorgten Gästeanfragen

Noch konkreter fallen die Rückmeldungen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Sachsen-Anhalt aus.

Der Dehoga berichtet von Gästeanfragen, bei denen Menschen signalisiert hätten, Sachsen-Anhalt grundsätzlich bereisen zu wollen, das Bundesland aus Sorge aber möglicherweise zu meiden.

Das ist zunächst ein Stimmungsbild und noch kein Nachweis für tatsächlich sinkende Übernachtungszahlen.

Ob sich die politische Entwicklung messbar auf Buchungen und Gästezahlen auswirkt, wird sich erst anhand künftiger Tourismusstatistiken beurteilen lassen.

Mehr als 1.000 junge Menschen aus dem Ausland angeworben

Für Hotels und Gastronomie geht es allerdings nicht allein um Urlauber.

Die Branche ist nach Angaben des Dehoga auch auf Beschäftigte und Auszubildende aus dem Ausland angewiesen.

In den vergangenen Jahren seien mehr als 1.000 junge Menschen aus anderen Ländern für eine Ausbildung in Gastronomie und Hotellerie nach Sachsen-Anhalt gekommen, berichtet Dehoga-Landespräsident Michael Schmidt. Viele davon hätten sich inzwischen dauerhaft in den Regionen etabliert.

Schmidt selbst betreibt ein Gasthaus und Hotel in Naumburg. Unter seinen 45 Beschäftigten seien sieben Nationalitäten vertreten. Insbesondere unter den Auszubildenden sei das Team international zusammengesetzt.

Für die Branche sei dieser Nachwuchs notwendig.

Nicht nur Gäste, sondern auch Arbeitskräfte im Blick

Damit bekommt die Debatte eine zweite wirtschaftliche Dimension.

Ein möglicher Imageschaden könnte aus Sicht der Branchenvertreter nicht nur Touristen betreffen. Entscheidend ist für Hotels und Gaststätten auch die Frage, ob Sachsen-Anhalt für internationale Beschäftigte und Auszubildende attraktiv bleibt.

Gerade in einer personalintensiven Branche könnte sich eine schwierigere Gewinnung von Arbeitskräften langfristig stärker auswirken als einzelne ausbleibende Urlaubsbuchungen.

Ob und in welchem Umfang die politische Entwicklung tatsächlich Auswirkungen auf die Anwerbung internationaler Fachkräfte haben wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht feststellen.

Hotelier: Gäste sollen sich sicher fühlen

Schmidt verweist zugleich auf die internationale Zusammensetzung der Gäste.

Besucher kämen nicht ausschließlich aus Sachsen-Anhalt oder anderen Teilen Deutschlands, sondern aus der ganzen Welt. Für ihn sei entscheidend, dass sie zufrieden abreisten und anschließend positiv über die Region berichteten.

Insbesondere dürfe niemand aus Sorge um die eigene Sicherheit von einer Reise nach Sachsen-Anhalt Abstand nehmen, argumentiert der Dehoga-Landespräsident.

Damit rückt neben konkreten touristischen Angeboten ein schwer messbarer Faktor in den Mittelpunkt: das Image eines Reiseziels.

AfD will Inlandstourismus stärken

Die AfD setzt tourismuspolitisch andere Schwerpunkte.

In ihrem Wahlprogramm hebt sie insbesondere die Bedeutung des heimischen Tourismus hervor. Dieser könne nach Darstellung der Partei Einkommen schaffen, einheimischen Fachkräften Perspektiven bieten und zur Entwicklung der lokalen Infrastruktur beitragen.

Für den nach Ansicht der Partei stagnierenden Inlandstourismus macht die AfD die bisherige CDU-geführte Landesregierung verantwortlich.

Im Rahmen ihrer Kampagne „#deutschdenken“ kündigte die Partei an, Reisen innerhalb Deutschlands stärker fördern zu wollen.

Damit stehen sich in der aktuellen Debatte unterschiedliche Perspektiven gegenüber: Während Tourismus- und Hotelverbände vor möglichen Folgen für internationale Gäste und Beschäftigte warnen, legt die AfD den Schwerpunkt stärker auf den Inlandstourismus.

Noch keine belastbaren Zahlen zu wirtschaftlichen Folgen

Entscheidend ist allerdings die zeitliche Einordnung.

Die Aussagen der Verbände beschreiben Sorgen und erste Reaktionen nach der Wahl. Daraus lässt sich noch nicht ableiten, dass Sachsen-Anhalt bereits messbare Tourismuseinbußen aufgrund des Wahlergebnisses verzeichnet.

Der Dehoga berichtet zwar von entsprechenden Gästeanfragen. Zahlen über tatsächliche Stornierungen, sinkende Übernachtungen oder Umsatzverluste nennt der zugrunde liegende Bericht jedoch nicht.

Ebenso steht noch nicht fest, welche Parteien künftig die Landesregierung bilden werden. Die AfD hat die Wahl gewonnen, verfügt aber nicht allein über die für eine Regierungsmehrheit erforderlichen Sitze. Bis eine neue Regierung im Amt ist, führt die bisherige Landesregierung ihre Geschäfte weiter.

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