Der kräftige Wind an der Nordseeküste macht den Technikern einen Strich durch die Rechnung: Die für Donnerstag geplanten Arbeiten am Seekabel vor St. Peter-Ording sind wegen zu starken Wellengangs kurzfristig verschoben worden. Nach Angaben von SH Netz kann die benötigte Arbeitsplattform unter den derzeitigen Bedingungen nicht sicher eingesetzt werden. Wann ein neuer Versuch unternommen werden kann, ist zunächst offen. Für Helgoland bedeutet die Absage zugleich, dass der angekündigte Ausfall von Internet und Telefon vorerst ausbleibt.
Die Stromversorgung der Hochseeinsel lief in der Nacht störungsfrei über vier Dieselaggregate. Diese übernehmen derzeit eine wichtige Aufgabe: Sie sichern die Versorgung Helgolands, während Arbeiten an der Verbindung zum Festland vorbereitet werden.
Am Donnerstagmorgen musste SH Netz jedoch zunächst abwarten. Kräftiger Westwind und die daraus resultierenden Wellen machten den geplanten Einsatz schließlich unmöglich.
Zu starker Wellengang für die Arbeitsplattform
Nach Angaben von SH Netz ist der Wellengang vor St. Peter-Ording zu stark, um die Arbeitsplattform sicher aufs Wasser zu bringen. Die geplanten Arbeiten wurden deshalb abgesagt.
Damit entfällt vorerst auch eine weitere Einschränkung, auf die sich die Menschen auf Helgoland bereits eingestellt hatten. Während der Arbeiten sollte die Telekommunikationsverbindung zeitweise unterbrochen werden. Internet, Mobilfunk und Festnetz hätten nach den Planungen für bis zu acht Stunden weitgehend ausfallen können.
Nach der Absage liefen Internet und Festnetz am Donnerstagmorgen jedoch problemlos.
Das Watt lässt den Technikern nur wenige Stunden
Wie schwierig der Eingriff ist, hängt vor allem mit den besonderen Bedingungen im Wattenmeer zusammen. Frithjof Schmidt-Harries von SH Netz erklärte, dass der entscheidende Verbindungspunkt bei Niedrigwasser lediglich für etwa zwei bis drei Stunden trockenliegt.
Dieses kurze Zeitfenster müssen die Techniker nutzen. Das Kabel muss mit einem Bagger geborgen und für die notwendigen Arbeiten zugänglich gemacht werden.
Mit der einsetzenden Flut verändert sich die Situation grundlegend. Dann schwimmt die Arbeitsplattform und ist unmittelbar dem Wellengang ausgesetzt. Wind, Wasserstand und Seegang müssen deshalb so zusammenspielen, dass die Arbeiten innerhalb eines engen Zeitfensters sicher durchgeführt werden können.
Die Nordsee bestimmt damit praktisch den Zeitplan der Techniker.
Ist das Kabel einmal gekappt, gibt es „kein Zurück mehr“
Hinzu kommt ein weiterer entscheidender Faktor: Die bestehende Verbindung kann nicht einfach probeweise getrennt werden.
Nach Angaben von Schmidt-Harries gibt es „kein Zurück mehr“, sobald die Verbindung an Land einmal gekappt worden ist. Deshalb muss vor Beginn sichergestellt sein, dass die folgenden Arbeitsschritte auch unter den gegebenen Bedingungen ausgeführt werden können.
Das erklärt, warum SH Netz die Arbeiten trotz der umfangreichen Vorbereitungen nicht bei ungünstiger Wetterlage beginnen will. Ein Abbruch mitten im Eingriff könnte deutlich größere Probleme verursachen als eine Verschiebung vor Beginn.
Zeitdruck wächst: Ab Oktober dürfen die Arbeiten nicht mehr stattfinden
Die wetterbedingte Absage bringt allerdings ein neues Problem mit sich: Der verfügbare Zeitraum wird immer kleiner.
Nach Angaben von SH Netz darf das Unternehmen aufgrund der bestehenden Genehmigung ab Oktober an der betreffenden Stelle nicht mehr arbeiten. Damit bleiben nur noch wenige Wochen, um ein geeignetes Wetterfenster zu finden und die Arbeiten erfolgreich abzuschließen.
Sollte das nicht gelingen, könnte sich der Zeitplan erheblich verschieben. Im ungünstigsten Fall könnten die Arbeiten nach Angaben von SH Netz sogar erst im Frühjahr fortgesetzt werden.
Ein zunächst diskutierter neuer Versuch am kommenden Dienstag ist laut Unternehmen derzeit ebenfalls nicht mehr vorgesehen. SH Netz will über die nächsten Schritte beraten.
Helgoland wird mit Dieselaggregaten versorgt
Währenddessen bleibt die Versorgungssituation auf Helgoland besonders im Blick. In der Nacht wurde die Insel störungsfrei mithilfe von vier Dieselaggregaten mit Strom versorgt.
Ob die Aggregate nach der Verschiebung der Arbeiten weiterlaufen sollen, war am Donnerstagmorgen zunächst noch offen. Die Helgoländer Versorgungsbetriebe hatten dazu noch keine näheren Angaben gemacht.
Von der Situation sind nicht nur die Einwohner der Insel betroffen. Rund 1.450 Menschen leben dauerhaft auf Helgoland. Hinzu kommen nach Angaben der Gemeinde etwa 350.000 Gäste pro Jahr. Eine stabile Strom- und Telekommunikationsversorgung ist deshalb sowohl für den Alltag der Bevölkerung als auch für Tourismus und Wirtschaft von großer Bedeutung.
Insel bleibt vorerst online
Für die Menschen auf Helgoland hat die wetterbedingte Verschiebung zumindest kurzfristig einen positiven Nebeneffekt: Der angekündigte Ausfall der Kommunikationsnetze findet zunächst nicht statt. Internet und Festnetz funktionieren weiter.
Doch die eigentliche Herausforderung ist damit lediglich vertagt.
SH Netz muss nun ein neues Zeitfenster finden, in dem Wasserstand, Wind und Wellengang die komplizierten Arbeiten zulassen. Gleichzeitig läuft die Zeit: Spätestens mit Beginn der genehmigungsbedingten Arbeitspause im Oktober schließt sich das aktuelle Zeitfenster.
Der Fall zeigt, wie anspruchsvoll Infrastrukturarbeiten an der Nordseeküste sein können. Auf dem Festland lässt sich ein Reparaturtermin vergleichsweise zuverlässig planen. Im Wattenmeer bestimmen dagegen Ebbe, Flut, Wind und Wellen mit.
Für die Techniker bedeutet das: Erst wenn die Nordsee es zulässt, kann es mit dem Seekabel weitergehen.