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Banken locken mit mehr als 3,5 Prozent: Der Wettbewerb ums Tagesgeld verschärft sich

mireyaqh (CC0), Pixabay

Für Sparer wird Tagesgeld wieder interessanter. Mehrere Banken werben derzeit mit Zinsen von mehr als 3,5 Prozent – allerdings häufig nur für Neukunden und für einen begrenzten Zeitraum.

Nach einer aktuellen Analyse von Verivox bieten mindestens elf Geldhäuser zeitweise mehr als 3,5 Prozent Zinsen, wenn Kunden dort ein neues Tagesgeldkonto eröffnen. Für die Untersuchung wurden die Tages- und Festgeldangebote von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet.

Hinter den ungewöhnlich hohen Angeboten steckt offenbar ein intensiver Wettbewerb um neue Kundeneinlagen.

Banken kämpfen um neue Sparer

Tagesgeld gehört zu den einfachsten Möglichkeiten, kurzfristig verfügbares Geld verzinst anzulegen. Anders als beim Festgeld wird das Kapital grundsätzlich nicht für mehrere Monate oder Jahre fest angelegt.

Genau diesen Markt versuchen Banken derzeit verstärkt für die Neukundengewinnung zu nutzen.

Mit Zinssätzen oberhalb von 3,5 Prozent können sich einzelne Angebote deutlich von gewöhnlichen Bestandskundenzinsen abheben. Für Sparer kann sich deshalb ein Vergleich wieder stärker lohnen.

Allerdings steckt im Kleingedruckten häufig der entscheidende Unterschied.

Hoher Zins gilt oft nur wenige Monate

Viele der attraktiven Zinssätze sind Aktionsangebote.

Das bedeutet: Die Bank garantiert den beworbenen Zinssatz beispielsweise nur für einige Monate nach Kontoeröffnung. Danach fällt das Guthaben auf den regulären Tagesgeldzins zurück.

Dieser kann erheblich niedriger sein.

Ein Angebot mit 3,5 oder 3,7 Prozent ist deshalb nicht automatisch attraktiver als ein Konto mit etwas niedrigerem, dafür aber länger geltendem Zinssatz.

Für Sparer zählt letztlich der durchschnittliche Zinsertrag über den gesamten geplanten Anlagezeitraum.

Ein Beispiel zeigt den Unterschied

Angenommen, eine Bank zahlt für sechs Monate 3,6 Prozent pro Jahr und anschließend nur noch 1,0 Prozent.

Eine andere Bank bietet dagegen über denselben Zeitraum dauerhaft 2,8 Prozent.

Wer sein Geld zwölf Monate liegen lässt, sollte deshalb nicht einfach die großen Werbezahlen miteinander vergleichen. Entscheidend ist, welcher Zinssatz wie lange gilt.

Hinzu kommt die Frage, ob das Angebot nur für neues Geld beziehungsweise Neukunden gilt und bis zu welchem Anlagebetrag der Aktionszins gezahlt wird.

Vier Punkte sind beim Vergleich besonders wichtig

Vor der Kontoeröffnung sollten Sparer deshalb vor allem auf Aktionszins und Zinsgarantie, den anschließenden Standardzins, mögliche Höchstbeträge sowie die Einlagensicherung achten.

Gerade der sogenannte Anschlusszins wird leicht übersehen. Wer nach Ablauf der Aktion nicht erneut vergleicht, kann sein Geld anschließend über längere Zeit zu deutlich schlechteren Konditionen liegen lassen.

Auch der Zeitpunkt der Zinsgutschrift kann interessant sein. Je nach Bank werden Zinsen beispielsweise monatlich, quartalsweise oder jährlich gutgeschrieben.

Einlagensicherung nicht vergessen

Bei hohen Tagesgeldangeboten sollte nicht allein der Zinssatz entscheiden.

Innerhalb der Europäischen Union besteht grundsätzlich eine gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Einleger und Bank. Bei ausländischen Banken sollte geprüft werden, welchem nationalen Sicherungssystem das Institut angehört.

Bei größeren Geldbeträgen kann es sinnvoll sein, die gesetzliche Sicherungsgrenze bei der Verteilung des Guthabens zu berücksichtigen.

Tagesgeld bleibt flexibel – die Zinsen nicht unbedingt

Der große Vorteil des Tagesgeldes bleibt die kurzfristige Verfügbarkeit. Anders als beim Festgeld können Sparer normalerweise jederzeit auf ihr Guthaben zugreifen.

Dafür sind Tagesgeldzinsen außerhalb einer ausdrücklich vereinbarten Zinsgarantie grundsätzlich veränderlich.

Eine Bank kann ihren regulären Zinssatz also anpassen. Gerade deshalb sind zeitlich garantierte Neukundenkonditionen interessant – solange Anleger wissen, was nach dem Aktionszeitraum passiert.

Der Neukundenbonus kann zur Zinsfalle werden

Der aktuelle Wettbewerb ist zunächst eine gute Nachricht für Sparer: Wenn Banken um Einlagen konkurrieren, entstehen attraktivere Angebote.

Doch die hohen Werbezinsen haben einen Haken. Wer ein Konto eröffnet und es anschließend jahrelang nicht mehr überprüft, kann nach Ablauf der Aktion einen erheblich niedrigeren Zinssatz erhalten.

Deshalb sollte beim Abschluss am besten gleich notiert werden, wann die Zinsgarantie endet.

Dann lässt sich rechtzeitig prüfen, ob das Geld dort bleiben oder zu einem besseren Angebot wechseln soll.

Fazit: Nicht die 3,5 Prozent entscheiden

Dass mindestens elf Banken zeitweise mehr als 3,5 Prozent Tagesgeldzinsen anbieten, zeigt, wie intensiv der Wettbewerb um neue Einlagen geworden ist.

Für Verbraucher ist das eine interessante Gelegenheit – aber kein Grund, ausschließlich auf den höchsten beworbenen Zinssatz zu schauen.

Entscheidend sind Laufzeit der Zinsgarantie, Anschlusszins, Anlagegrenzen und Einlagensicherung.

Beim Tagesgeld gilt damit mehr denn je: Ein hoher Neukundenzins kann attraktiv sein. Wirklich gut ist das Angebot aber erst, wenn auch die Bedingungen dahinter stimmen.

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