Noch bevor auf der Münchner Theresienwiese am 19. September 2026 das erste Bier ausgeschenkt wird, versuchen dubiose Anbieter, mit der enormen Nachfrage nach begehrten Wiesn-Tischen Kasse zu machen. Im Internet tauchen immer wieder vermeintliche Tischreservierungen für das Oktoberfest auf, die mehrere Hundert oder sogar weit über 1.000 Euro kosten sollen.
Das Problem: Wer solche Angebote kauft, zahlt möglicherweise nicht nur einen völlig überhöhten Preis. Im schlimmsten Fall steht er später trotz vermeintlicher Reservierung vor dem Festzelt und kommt überhaupt nicht hinein.
Die Stadt München und die Wiesnwirte warnen deshalb eindringlich vor dem sogenannten Graumarkt für Oktoberfest-Reservierungen. Denn Tischreservierungen selbst sind grundsätzlich kostenlos. Bezahlt werden normalerweise lediglich Verzehrgutscheine, etwa für Bier und Essen.
Reservierung selbst kostet nichts
Gerade für Besucher, die zum ersten Mal einen Tisch auf dem Oktoberfest reservieren wollen, ist das System nicht immer leicht zu durchschauen.
Die wichtigste Regel lautet: Für die eigentliche Reservierung eines Tisches verlangen die Festwirte grundsätzlich kein Reservierungsentgelt.
Bei der Buchung müssen Gäste allerdings üblicherweise Verzehrgutscheine im Voraus erwerben. In den großen Festzelten entspricht der Mindestverzehr häufig ungefähr zwei Maß Bier und einem halben Hendl pro Person. Je nach Zelt und Sitzbereich können die Bedingungen etwas unterschiedlich sein.
Wer deshalb im Internet auf Angebote stößt, bei denen allein für die angebliche Vermittlung eines normalen Wiesn-Tisches vierstellige Summen verlangt werden, sollte besonders misstrauisch werden.
Sechs Plätze für 1.730 Euro
Wie extrem die Preise auf dem Graumarkt ausfallen können, zeigt ein Fall, der bereits die Gerichte beschäftigt hat.
Eine Eventagentur verlangte in der Vergangenheit nach Angaben von BR24 1.730 Euro für lediglich sechs Plätze in einem großen Festzelt – Verzehr eingeschlossen.
Das Problem lag nicht nur im Preis. Den Käufern sei der Eindruck vermittelt worden, sie würden mit dem Erwerb einen sicheren Anspruch auf die Plätze erhalten.
Das war jedoch gerade nicht gewährleistet.
Der Fall landete schließlich vor dem Landgericht München.
Warum weiterverkaufte Reservierungen verfallen können
Der entscheidende Punkt steckt häufig in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Festwirte.
Viele Wiesnwirte schließen eine freie Übertragung ihrer Reservierungen ausdrücklich aus. Eine Tischreservierung ist damit nicht ohne Weiteres wie eine Konzertkarte an eine beliebige andere Person weiterverkaufbar.
Wurde eine Reservierung auf einen bestimmten Namen vorgenommen und tauchen anschließend völlig andere Gäste auf, kann das dazu führen, dass die Reservierung storniert beziehungsweise nicht anerkannt wird.
Das offizielle Oktoberfest-Portal warnt deshalb ausdrücklich davor, Reservierungen über Internetauktionen oder nicht autorisierte Vermittler zu erwerben.
Damit droht Käufern im schlechtesten Fall ein doppelter Schaden: Sie bezahlen zunächst einen hohen Preis an einen Vermittler und verlieren anschließend zusätzlich den vermeintlich erworbenen Tisch.
Bedienungen achten auf Namen der Gäste
Einige Festwirte überprüfen deshalb genau, wer tatsächlich an einem reservierten Tisch erscheint.
Löwenbräu-Wirtin Steffi Spendler berichtete BR24 zufolge, dass auch das Servicepersonal darauf achte, ob der Name auf dem Reservierungsschild zu den Gästen passt.
Manchmal werde der überhöhte Kaufpreis sogar von den Betroffenen selbst offengelegt.
Spendler erinnerte sich an Gäste, die sich darüber beschwert hätten, trotz eines Preises von rund 1.800 Euro lediglich einen Tisch an der Tür erhalten zu haben. Solche Beschwerden lassen bei den Mitarbeitern naturgemäß die Frage aufkommen, warum überhaupt eine derart hohe Summe gezahlt wurde.
Wucherpreise sind nicht das einzige Risiko
Überhöhte Preise sind jedoch nur ein Teil des Problems.
Noch gefährlicher sind vollständig erfundene Angebote.
Betrüger können im Internet angebliche Reservierungen anbieten, Geld kassieren und anschließend verschwinden – obwohl überhaupt kein Tisch existiert.
Für Betroffene kann es danach schwierig werden, die Zahlung zurückzuerhalten. Besonders problematisch wird es, wenn hinter einem Angebot keine eindeutig identifizierbare Firma oder Person steht oder Zahlungen auf ausländische Konten beziehungsweise über schwer rückholbare Zahlungswege geleistet wurden.
Wer ein verdächtiges Angebot entdeckt, sollte deshalb nicht allein auf professionell wirkende Webseiten, Logos oder angebliche Buchungsbestätigungen vertrauen.
Wiesnwirte lassen Internet systematisch durchsuchen
Die Festwirte gehen mittlerweile technisch gegen den Graumarkt vor.
Nach Angaben von BR24 beauftragen sie Rechtsanwaltskanzleien, das Internet mithilfe sogenannter Webcrawler nach verdächtigen Reservierungsangeboten zu durchsuchen.
Dabei handelt es sich um automatisierte Programme, die Webseiten und Verkaufsplattformen durchsuchen und auffällige Angebote identifizieren können.
Auch das offizielle Oktoberfest-Portal beschreibt dieses Vorgehen. Anbieter unerlaubter Wiesn-Reservierungen müssen demnach mit Abmahnungen und weiteren rechtlichen Konsequenzen rechnen.
Stadt sieht erste Erfolge im Kampf gegen den Graumarkt
Nach Einschätzung der Verantwortlichen zeigen diese Maßnahmen Wirkung.
Wiesn-Chef Christian Scharpf erklärte, bei Internetsuchen seien früher zahlreiche fragwürdige Tischangebote erschienen. Inzwischen habe sich die Situation deutlich verbessert.
Vollständig verschwunden ist der Markt jedoch nicht.
Gerade kurz vor Beginn des Oktoberfests steigt der Druck auf Besucher, die unbedingt für einen bestimmten Abend oder ein bestimmtes Wochenende einen Tisch suchen. Genau diese Knappheit können dubiose Anbieter ausnutzen.
Offizielles Portal soll sicheren Weiterverkauf ermöglichen
Das bedeutet allerdings nicht, dass eine bereits gebuchte Reservierung niemals weitergegeben werden kann.
Seit 2023 existiert ein offizielles Buchungs- und Wiederverkaufsportal vieler Wiesnwirte. Dort können nicht mehr benötigte Reservierungen auf einem kontrollierten Weg weitergegeben werden.
Für das Oktoberfest 2026 beteiligen sich nach Angaben des offiziellen Portals 21 gastronomische Mittel- und Großbetriebe daran.
Reservierungen können dort zum Originalpreis angeboten beziehungsweise übernommen werden. Die Plattform soll verhindern, dass aus der Knappheit ein spekulatives Geschäft mit extremen Aufschlägen entsteht.
Im vergangenen Jahr wurden BR24 zufolge über das Portal mehr als 750 Transaktionen abgewickelt.
Wo Besucher sicher reservieren können
Wer einen Wiesn-Tisch sucht, sollte grundsätzlich direkt beim gewünschten Festzelt reservieren.
Eine zentrale Reservierungsstelle für sämtliche Festzelte gibt es nicht. Jedes Zelt organisiert seine Reservierungen selbst.
Das offizielle Oktoberfest-Portal weist ausdrücklich darauf hin, dass Reservierungsanfragen direkt an die jeweiligen Wirte gerichtet werden müssen.
Wer eine bereits vergebene Reservierung übernehmen möchte, kann zusätzlich das offizielle Wiederverkaufsportal nutzen.
Von Angeboten auf Kleinanzeigenplattformen, Internetauktionen oder Webseiten unbekannter Vermittler sollte dagegen insbesondere dann Abstand genommen werden, wenn hohe Vermittlungsgebühren verlangt werden.
Auch kurz vor der Wiesn können Tische wieder frei werden
Wer bislang keinen Tisch bekommen hat, muss die Hoffnung dennoch nicht aufgeben.
Reservierungen werden regelmäßig storniert. Dadurch können selbst begehrte Zeiten wieder verfügbar werden.
Wirtesprecher Peter Inselkammer empfiehlt deshalb, die Internetseiten der Festzelte regelmäßig zu überprüfen.
Selbst für Abendtermine können kurzfristig wieder Reservierungen auftauchen, wenn andere Gäste ihre Buchungen zurückgeben.
Gerade deshalb besteht wenig Grund, aus Panik vierstellige Summen an einen unbekannten Vermittler zu bezahlen.
Oktoberfest funktioniert auch ohne Reservierung
Ein weiterer wichtiger Punkt wird bei der Jagd nach Wiesn-Tischen häufig vergessen: Eine Reservierung ist für den Besuch des Oktoberfests grundsätzlich nicht erforderlich.
Auch der Eintritt in die großen Festzelte ist kostenlos.
Ein Teil der Plätze muss für Gäste ohne Reservierung freigehalten werden. Nach Angaben des offiziellen Oktoberfest-Portals darf grundsätzlich mindestens ein Viertel der Plätze in den großen Zelten nicht reserviert werden. Zu bestimmten Zeiten am Wochenende liegt der Anteil sogar höher.
Wer früh genug kommt und zeitlich flexibel ist, hat deshalb durchaus Chancen auf einen Platz.
Bei besonders starkem Andrang können Festzelte allerdings zeitweise wegen Überfüllung geschlossen werden.
Biergärten grundsätzlich ohne Reservierung
Noch einfacher kann es bei gutem Wetter sein.
Für die Biergärten der Festzelte werden grundsätzlich keine Tischreservierungen angenommen. Besucher können dort also ohnehin nur spontan einen Platz suchen.
Das kann gerade unter der Woche oder am frühen Nachmittag eine Alternative zu einer schwer erhältlichen Reservierung im Zelt sein.
So erkennen Besucher problematische Angebote
Besondere Vorsicht ist angebracht, wenn ein Anbieter mit angeblich exklusiven Zugängen wirbt, extrem hohe Preise verlangt oder behauptet, nur über ihn sei der Zutritt zu einem bestimmten Festzelt möglich.
Auch die Aussage „garantierter Tisch“ sollte kritisch geprüft werden, wenn die Buchung nicht unmittelbar über den Festwirt oder einen offiziell vorgesehenen Verkaufsweg erfolgt.
Ebenso verdächtig können fehlende Angaben zum Unternehmen, ungewöhnliche Zahlungswege, Zeitdruck oder die Aufforderung zu einer sofortigen Überweisung sein.
Ein professionelles Erscheinungsbild allein ist kein Beweis dafür, dass tatsächlich eine gültige Reservierung vorhanden ist.
Was Betroffene tun sollten, wenn sie bereits bezahlt haben
Wer bereits Geld an einen dubiosen Anbieter überwiesen hat, sollte zunächst sämtliche Unterlagen sichern.
Dazu gehören insbesondere Buchungsbestätigungen, Rechnungen, E-Mails, Chatverläufe, Screenshots des Angebots, Zahlungsbelege und Angaben zum Verkäufer.
Anschließend sollte direkt beim betreffenden Festzelt überprüft werden, ob die angebliche Reservierung tatsächlich existiert und auf welchen Namen sie ausgestellt wurde.
Stellt sich heraus, dass überhaupt keine gültige Reservierung vorhanden ist, sollten Betroffene schnell ihren Zahlungsdienstleister oder ihre Bank kontaktieren. Ob sich eine Zahlung noch stoppen oder zurückholen lässt, hängt vom verwendeten Zahlungsweg und vom Zeitpunkt ab.
Bei konkreten Anhaltspunkten für einen Betrug kommt außerdem eine Strafanzeige in Betracht.
Wiesn startet am 19. September
Der Kampf um die begehrtesten Tische dürfte sich in den kommenden Wochen noch einmal verschärfen.
Das 191. Oktoberfest findet 2026 vom 19. September bis 4. Oktober auf der Münchner Theresienwiese statt.
Vor allem Freitag- und Samstagabende gehören zu den begehrtesten Zeiten. Je näher der Wiesn-Start rückt, desto attraktiver wird dieser Engpass auch für Geschäftemacher und Betrüger.
Gerade dann gilt deshalb: Ein ausgebuchtes Festzelt ist ärgerlich – aber immer noch besser als ein vierstelliger Verlust für eine Reservierung, die am Ende gar nichts wert ist.
Fazit: Hoher Preis garantiert keinen Platz
Wer für einen Tisch auf dem Oktoberfest mehrere Hundert oder sogar Tausende Euro bezahlen soll, sollte genau hinsehen.
Die Reservierung selbst ist grundsätzlich kostenlos. Üblicherweise müssen lediglich Verzehrgutscheine und bestimmte zulässige Nebenkosten bezahlt werden.
Besonders riskant sind Weiterverkäufe über nicht autorisierte Plattformen. Weil Reservierungen vielfach personengebunden und nicht frei übertragbar sind, kann ein teuer erworbener Tisch beim Einlass wertlos werden.
Die sichersten Wege bleiben deshalb die direkte Reservierung beim jeweiligen Wiesnwirt oder das offizielle Buchungs- und Wiederverkaufsportal.
Die Warnung von Stadt und Wirten lässt sich damit auf einen einfachen Satz reduzieren: Wer für vermeintlich exklusive Wiesn-Tische Wucherpreise zahlt, bekommt nicht automatisch mehr – im schlimmsten Fall bekommt er überhaupt keinen Platz.