Die Windpark Coesfeld Letter Bruch GmbH & Co. KG zählt zu den größeren Windparkgesellschaften im deutschen Markt. Der Jahresabschluss 2024 zeigt ein Unternehmen mit erheblichen Sachwerten und einer weiterhin beachtlichen Stromerzeugungskapazität. Gleichzeitig offenbart die Bilanz eine hohe Fremdfinanzierung, die Anleger aufmerksam beobachten sollten.
Windpark bleibt ein Schwergewicht
Mit einer Bilanzsumme von rund 70,2 Millionen Euro verfügt die Gesellschaft weiterhin über ein beträchtliches Vermögen. Den größten Teil machen die Windenergieanlagen aus, die mit knapp 62,9 Millionen Euro bilanziert werden. Zwar sank dieser Wert gegenüber dem Vorjahr um rund 4,7 Millionen Euro, doch handelt es sich dabei überwiegend um planmäßige Abschreibungen der Anlagen.
Die Windkraftanlagen bilden damit weiterhin das wirtschaftliche Rückgrat des Unternehmens und stellen den wesentlichen Vermögenswert für die Anleger dar.
Eigenkapitalquote bleibt vergleichsweise niedrig
Aus Anlegersicht fällt auf, dass das Eigenkapital von 9,28 Millionen Euro auf 8,33 Millionen Euro zurückging. Die Eigenkapitalquote liegt damit nur noch bei rund 12 Prozent der Bilanzsumme.
Für Windparkgesellschaften sind aufgrund der hohen Investitionskosten zwar oftmals hohe Fremdfinanzierungsquoten üblich. Dennoch bleibt eine Eigenkapitalquote in dieser Größenordnung vergleichsweise niedrig und macht das Unternehmen stärker abhängig von den Finanzierungsbedingungen seiner Kreditgeber.
Schuldenabbau gelingt – aber die Belastung bleibt hoch
Positiv hervorzuheben ist der deutliche Rückgang der Verbindlichkeiten. Diese reduzierten sich von 66,8 Millionen Euro auf 61,2 Millionen Euro. Die Gesellschaft konnte ihre Schulden somit innerhalb eines Jahres um rund 5,6 Millionen Euro abbauen.
Allerdings bleibt die absolute Verschuldung weiterhin erheblich. Die Verbindlichkeiten übersteigen das Eigenkapital um mehr als das Siebenfache. Besonders bemerkenswert ist, dass rund 40,2 Millionen Euro der Verbindlichkeiten erst in mehr als fünf Jahren fällig werden. Dies sorgt zwar kurzfristig für Planungssicherheit, bindet das Unternehmen jedoch langfristig an seine Finanzierungsstruktur.
Liquiditätsreserven schrumpfen
Die verfügbaren Bankguthaben gingen deutlich zurück. Während Ende 2023 noch rund 6,9 Millionen Euro auf den Konten lagen, waren es Ende 2024 nur noch 4,94 Millionen Euro.
Die Liquiditätslage bleibt damit zwar weiterhin komfortabel, allerdings zeigt der Rückgang, dass erhebliche Mittel für Tilgungen, Ausschüttungen oder laufende Verpflichtungen verwendet wurden.
Positiv ist, dass die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände leicht auf rund 2,19 Millionen Euro angestiegen sind.
Banken haben umfangreiche Sicherheiten
Ein wichtiger Punkt für Anleger findet sich im Anhang. Verbindlichkeiten von mehr als 60 Millionen Euro sind durch umfangreiche Sicherheiten abgesichert.
Dazu gehören:
- die Windenergieanlagen selbst,
- Forderungsabtretungen,
- verpfändete Liquiditätsreserven,
- Rechte an Umspannwerken und Netzinfrastruktur.
Für Banken stellt dies eine übliche Absicherung dar. Für Anleger bedeutet es jedoch, dass die finanzierenden Kreditinstitute im Ernstfall einen bevorzugten Zugriff auf wesentliche Vermögenswerte besitzen.
Bürgschaftsrisiko vorhanden
Zusätzlich bestehen Haftungsverhältnisse aus Bürgschaften in Höhe von rund 3,06 Millionen Euro. Zwar geht die Geschäftsführung derzeit nicht von einer Inanspruchnahme aus, dennoch handelt es sich um potenzielle Verpflichtungen, die bei einer Risikobetrachtung berücksichtigt werden sollten.
Operatives Geschäft stabil
Positiv fällt auf, dass die Gesellschaft weiterhin ausschließlich Umsätze aus der Stromerzeugung erzielt. Zudem wurden im Berichtsjahr Erstattungen nach dem EEG von rund 223.000 Euro vereinnahmt.
Dem standen allerdings Zahlungen nach § 6 EEG an die Städte Coesfeld und Dülmen von rund 244.000 Euro gegenüber. Diese Beteiligung der Kommunen an den Erträgen von Windparks ist inzwischen ein fester Bestandteil vieler Windenergieprojekte.
Fazit aus Anlegersicht
Der Jahresabschluss 2024 zeigt ein grundsätzlich stabiles Windparkunternehmen mit erheblichen Sachwerten und fortlaufender Schuldentilgung. Positiv sind insbesondere der Rückgang der Verbindlichkeiten um mehr als 5 Millionen Euro sowie die weiterhin solide Liquiditätsreserve von knapp 5 Millionen Euro.
Auf der anderen Seite bleibt die hohe Fremdfinanzierung der größte Risikofaktor. Mit über 61 Millionen Euro Schulden und einer Eigenkapitalquote von lediglich rund 12 Prozent bleibt die Gesellschaft stark von ihrer langfristigen Finanzierungsstruktur abhängig. Zudem sind nahezu sämtliche wesentlichen Vermögenswerte zugunsten der Banken besichert.
Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes, insgesamt aber noch solides Bild: Der Windpark verfügt über werthaltige Anlagen und baut seine Schulden kontinuierlich ab. Die finanzielle Stabilität hängt jedoch weiterhin maßgeblich davon ab, dass die Windenergieanlagen dauerhaft die erwarteten Stromerträge erwirtschaften und die langfristigen Finanzierungen planmäßig bedient werden können.