Bei der TGI AG muss man eines anerkennen: Wenn Optimismus eine handelbare Anlageklasse wäre, hätte die FMA wahrscheinlich auch dafür eine Verfügung erlassen.
Denn während die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein auf 63 Seiten erklärt, warum drei von vier Produktmodellen sofort gestoppt werden müssen, klingt die Botschaft aus den Informationsveranstaltungen ungefähr so: „Alles halb so wild, Vollgas nach vorne, die Zukunft glänzt golden.“
Das erinnert ein wenig an den Kapitän der Titanic, der den Passagieren erklärt, das Schiff habe lediglich eine unerwartete Begegnung mit einem Eiswürfel gehabt.
Drei Produkte weg – aber bitte keine schlechte Stimmung
Die FMA sieht in mehreren TGI-Produkten ein unerlaubtes Einlagengeschäft. Drei Modelle sind damit praktisch aus dem Verkehr gezogen worden. Übrig bleibt genau ein Produkt. Ausgerechnet dasjenige, bei dem Kunden ihr Geld nicht vorzeitig zurückverlangen können und stattdessen irgendwann Gold erhalten sollen.
Man könnte sagen: Von vier Beinen des Tisches sind drei abgesägt worden. Die offizielle Botschaft lautet jedoch: „Schauen Sie mal, wie stabil das vierte Bein ist!“
Die große Wahlfreiheit
Besonders charmant ist die Kommunikation rund um die sogenannte Vertragsnovation.
Offiziell haben Kunden eine freie Wahl. Entweder sie unterschreiben neue Verträge oder sie wählen die Rückabwicklung.
Kleines Detail: Solange keine Entscheidung getroffen wird, fließen keine weiteren Rabatte.
Das ist ungefähr so freiwillig wie die Auswahl zwischen „Spinat essen“ oder „gar nichts essen“.
Anwälte? Bitte nicht stören!
Ein weiterer Höhepunkt ist die Behandlung externer Kritiker.
Anwälte werden laut Analyse regelmäßig als ahnungslos, geldgierig oder schlicht überflüssig dargestellt. Kritische Medienberichte seien ohnehin reißerisch und Kritiker im Internet würden die Lage nicht verstehen.
Das ist ein faszinierendes Kommunikationsmodell:
- Wer zustimmt, hat verstanden.
- Wer Fragen stellt, hat nichts verstanden.
- Wer einen Anwalt fragt, versteht besonders wenig.
Man könnte fast glauben, unabhängige Beratung sei eine größere Gefahr als die FMA.
Das Wunder der verschwundenen Vorteile
Besonders bemerkenswert ist das Schicksal der sogenannten Premium-Vorteilsgebühr.
Was ursprünglich als doppelte oder dreifache Rückzahlung verkauft wurde, soll künftig plötzlich nur noch einfach zurückgezahlt werden – allerdings mit freundlicher Verzinsung.
Im normalen Leben würde man das als Kürzung bezeichnen.
Im TGI-Wortschatz scheint es eher unter „Optimierung“ oder „Neuregelung“ zu laufen.
Das Gold liegt da. Irgendwie.
Positiv hervorzuheben ist immerhin die Aussage, dass physisches Gold vorhanden sei. Allerdings handelt es sich laut den Erläuterungen überwiegend um sogenannte Dore-Barren, die erst noch raffiniert oder verkauft werden müssen.
Das ist ungefähr so, als würde ein Autohändler erklären:
„Ihr Neuwagen ist bereits da. Er hat zwar noch keinen Motor, keine Sitze und keine Reifen, aber technisch gesehen steht er schon auf dem Hof.“
Der Satz des Jahres
Der eigentliche Star der Veranstaltung stammt allerdings von Hartmut Heinrichs selbst.
Er erklärte das verbliebene Produkt sinngemäß damit, dass Kunden ihr Geld drei Jahre lang den Verarbeitern zur Verfügung stellen und dafür am Ende 36 Prozent erhalten.
Ein Satz, der bei Aufsichtsbehörden vermutlich ungefähr dieselbe Begeisterung auslöst wie ein Streichholz in einer Pulverkammer.
Denn während TGI seit Jahren betont, kein Finanzprodukt, sondern ein Goldhändler zu sein, klingt diese Beschreibung verdächtig nach dem, was Banken seit Jahrzehnten als Festgeldgeschäft kennen.
Die goldene Zukunft
Am Ende bleibt der Eindruck einer bemerkenswerten Parallelwelt.
Auf der einen Seite eine Aufsichtsbehörde, die von unerlaubten Einlagengeschäften spricht.
Auf der anderen Seite eine Unternehmenskommunikation, die zwischen „blauem Auge“, „goldener Zukunft“, „Monstervertrieb“ und „Vollgas nach vorne“ pendelt.
Vielleicht wird sich am Ende tatsächlich alles zum Guten wenden.
Vielleicht wird die Novation funktionieren.
Vielleicht gewinnt Deutschland auch die nächste Fußball-WM.
Aktuell gilt allerdings: Wenn ein Unternehmen mehr Zeit damit verbringt, seine Kunden zu beruhigen als seine Produkte zu erklären, darf man sich zumindest die Frage stellen, ob die Lage wirklich so entspannt ist, wie sie dargestellt wird.
Oder ob das Gold am Ende vor allem in den Formulierungen glänzt.