Der Jahresabschluss der LHI GII1 WP Velburg 2184 GmbH & Co. KG vermittelt für das Geschäftsjahr 2025 ein gemischtes Bild. Zwar verfügt die Gesellschaft weiterhin über einen erheblichen Sachanlagenbestand in Form des Windparks, gleichzeitig zeigen die Zahlen jedoch deutliche Belastungen bei Liquidität, Eigenkapitalentwicklung und Vermögenssubstanz.
Besonders auffällig sind die hohen Verlust- und Entnahmekonten der Kommanditisten sowie der deutliche Rückgang der liquiden Mittel. Trotz laufender Kreditrückführungen bleibt die Gesellschaft finanziell eng kalkuliert und stark von langfristig stabilen Stromerlösen abhängig.
Windpark verliert bilanziell weiter an Wert
Der größte Vermögenswert der Gesellschaft bleibt der Windpark selbst. Dessen bilanzieller Wert sank infolge planmäßiger Abschreibungen von rund 9,82 Millionen Euro auf etwa 8,38 Millionen Euro.
Die Gesellschaft schreibt ihre technischen Anlagen linear über 16 Jahre ab. Außerplanmäßige Wertberichtigungen wurden zwar nicht vorgenommen, dennoch zeigt der Rückgang deutlich, wie stark Windparkgesellschaften bilanziell von der fortschreitenden Alterung ihrer Anlagen geprägt sind.
Die gesamte Bilanzsumme reduzierte sich innerhalb eines Jahres erheblich von rund 12,28 Millionen Euro auf nur noch 9,86 Millionen Euro.
Eigenkapitalentwicklung gibt Anlass zur Sorge
Kritisch erscheint vor allem die Entwicklung des Eigenkapitals. Dieses sank deutlich von rund 4,6 Millionen Euro auf nur noch etwa 3,53 Millionen Euro.
Besonders belastend wirken dabei die hohen negativen Verlust- und Entnahmekonten der Kommanditisten:
- Verlustvortrag: rund minus 2,75 Millionen Euro
- Entnahmekonto: rund minus 2,88 Millionen Euro
Diese Zahlen zeigen, dass in der Vergangenheit erhebliche Verluste angefallen beziehungsweise umfangreiche Mittel entnommen wurden. Für Anleger ist dies ein wichtiger Hinweis darauf, dass die wirtschaftliche Substanz des Projekts zunehmend unter Druck geraten könnte.
Zwar besteht bilanziell noch positives Eigenkapital, doch die Entwicklung verdeutlicht, dass die Gesellschaft wirtschaftlich keineswegs komfortabel aufgestellt ist.
Liquidität massiv rückläufig
Besonders deutlich fällt der Rückgang der liquiden Mittel ins Gewicht. Die Guthaben bei Kreditinstituten sanken innerhalb eines Jahres von rund 2,12 Millionen Euro auf nur noch etwa 1,10 Millionen Euro.
Damit hat sich die frei verfügbare Liquidität nahezu halbiert.
Zwar wurden gleichzeitig Bankverbindlichkeiten von rund 6,8 Millionen Euro auf etwa 5,76 Millionen Euro reduziert, doch der starke Mittelabfluss zeigt, wie kapitalintensiv der laufende Betrieb und die Finanzierung des Windparks bleiben.
Immerhin besteht weiterhin eine Kapitaldienstreserve von rund 686.000 Euro, die zugunsten der finanzierenden Bank verpfändet wurde. Diese Reserve dient als Sicherheit für Kreditraten und stellt eine wichtige Stabilitätskomponente dar.
Hohe langfristige Verpflichtungen
Der Anhang macht deutlich, dass die Gesellschaft langfristig an erhebliche finanzielle Verpflichtungen gebunden ist. Dazu zählen insbesondere:
- Vollwartungsverträge bis mindestens 2031
- Pacht- und Nutzungsverträge bis mindestens 2035
- technische Betriebsführungsverträge
- umfangreiche Geschäftsführungs- und Verwaltungskosten
- Versicherungsverpflichtungen
Allein die kalkulierten Mindestvergütungen für Wartung, Pacht und Betriebsführung bewegen sich über die Laufzeit im Millionenbereich.
Hinzu kommt, dass viele Verträge an Preisindizes, Stromerlöse oder Lohnentwicklungen gekoppelt sind. Dadurch besteht das Risiko weiter steigender Kosten in den kommenden Jahren.
Hohe Abhängigkeit von Stromerlösen
Die Finanzierungsstruktur zeigt zudem die starke Abhängigkeit des Projekts von dauerhaft stabilen Stromerträgen. Die Banken haben umfangreiche Sicherheiten erhalten:
- Sicherungsübereignung der Windenergieanlagen
- Abtretung von Einspeisevergütungen
- Verpfändung von Rücklagen
- Abtretung von Versicherungs- und Wartungsansprüchen
Damit kontrollieren die finanzierenden Banken wesentliche wirtschaftliche Kernbereiche des Projekts.
Sollten Strompreise, Winderträge oder technische Verfügbarkeiten schwächer ausfallen als kalkuliert, könnten die finanziellen Spielräume der Gesellschaft schnell enger werden.
Kein Personal – vollständig ausgelagerter Betrieb
Wie bei vielen Windparkgesellschaften beschäftigt auch die LHI GII1 WP Velburg 2184 GmbH & Co. KG kein eigenes Personal. Der gesamte Betrieb wird über externe Dienstleister und Managementgesellschaften organisiert.
Dies reduziert zwar interne Verwaltungskosten, führt aber gleichzeitig zu langfristigen Abhängigkeiten von externen Vertragspartnern.
Technisch stabil, wirtschaftlich angespannt
Positiv bleibt, dass die Gesellschaft weiterhin ihren laufenden Verpflichtungen nachkommt und die Darlehensverbindlichkeiten reduziert. Hinweise auf akute Insolvenzgefahren enthält der Abschluss derzeit nicht.
Gleichzeitig offenbaren die Zahlen jedoch eine wirtschaftlich sensible Struktur: sinkende Liquidität, hohe Verlustkonten, langfristige Kostenbindungen und starke Abhängigkeit von stabilen Stromerlösen.
Der Jahresabschluss zeigt damit exemplarisch, wie anspruchsvoll die wirtschaftliche Steuerung älterer Windparkprojekte geworden ist – insbesondere dann, wenn hohe Fremdfinanzierungen und langfristige Betriebsverpflichtungen zusammentreffen.
Der Jahresabschluss wurde am 5. März 2026 festgestellt.