In der indonesischen Provinz Aceh sind eine Frau und ein Mann nach einem Urteil eines Scharia-Gerichts öffentlich ausgepeitscht worden. Beide erhielten jeweils 140 Stockhiebe mit einem Rattanstab – die bislang höchste bekannte Strafe dieser Art in der Region seit Einführung des islamischen Rechts im Jahr 2006.
Nach Angaben der lokalen Scharia-Behörden setzte sich das Strafmaß aus 100 Schlägen wegen angeblichen außerehelichen Geschlechtsverkehrs und 40 weiteren wegen Alkoholkonsums zusammen. Die Bestrafung fand öffentlich statt. Die Frau verlor während der Vollstreckung zeitweise das Bewusstsein und musste medizinisch versorgt werden.
Historisch hohe Strafe
Die Behörden erklärten, dass es sich um die bislang höchste Anzahl von Stockschlägen handelt, die in Aceh im Rahmen der Scharia verhängt wurde. In anderen Teilen Indonesiens gelten dagegen das nationale Strafrecht und deutlich mildere Strafen. Dort kann auf außerehelichen Geschlechtsverkehr eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr stehen.
Zusätzlich zu dem verurteilten Paar wurden vier weitere Personen ausgepeitscht, darunter auch ein Angehöriger der Scharia-Polizei und seine Partnerin. Ihnen wurde vorgeworfen, sich an einem privaten Ort „unangemessen nahegekommen“ zu sein. Die Behörden betonten, dass die Strafen ohne Ausnahmen vollzogen würden – auch gegenüber eigenen Mitarbeitern.
Scharia in Aceh
Aceh ist die einzige Provinz Indonesiens, in der die Scharia als eigenständige Rechtsgrundlage gilt. Sie wurde 2006 eingeführt, um politische Spannungen und separatistische Bestrebungen einzudämmen. Seither ist die Region für besonders strenge religiöse Vorschriften bekannt.
Zu den strafbaren Handlungen zählen unter anderem Glücksspiel, Alkoholkonsum, außerehelicher oder gleichgeschlechtlicher Sex sowie Verstöße gegen Bekleidungsvorschriften. Auch der Kontakt zwischen nicht verheirateten Männern und Frauen im öffentlichen Raum ist stark eingeschränkt.
Internationale Kritik
Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Praxis der öffentlichen Auspeitschungen seit Jahren als grausam und unmenschlich. Die Provinz steht international immer wieder wegen fehlender Rechtsstaatlichkeit und massiver Eingriffe in die persönliche Freiheit in der Kritik.
Trotzdem hält die Regionalregierung bislang an den Scharia-Gesetzen fest. In Aceh leben rund 5,4 Millionen Menschen, von denen mehr als 98 Prozent dem Islam angehören.