Die Zahl der Retouren in Deutschland erreicht in diesem Jahr einen neuen Höchstwert. Retourenexperte Björn Asdecker prognostiziert rund 550 Millionen zurückgeschickte Pakete – so viele wie noch nie seit Beginn seiner Erhebungen. Damit wird ein Trend fortgesetzt, der den deutschen Onlinehandel seit Jahren prägt: Je stärker das E-Commerce-Geschäft wächst, desto mehr Retouren fallen an.
Warum steigen die Retouren gerade jetzt so stark?
Die Gründe für den neuen Rekord sind vielfältig:
1. Der Onlinehandel zieht wieder stark an
Nach einer Phase der Kaufzurückhaltung 2022 und 2023 legen die Umsätze vieler Händler wieder zu.
Je mehr bestellt wird, desto mehr wird automatisch auch zurückgeschickt.
2. Kunden bestellen mehrere Alternativen gleichzeitig
Besonders im Modebereich ist „Try & Return“ zur gängigen Praxis geworden:
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mehrere Größen
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unterschiedliche Farben
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oder bewusst „auf Probe“ bestellte Ware
Die Erwartung, dass Rücksendungen kostenlos sind, begünstigt dieses Verhalten enorm.
3. Lockere Rücksendepolitik im Wettbewerb
Viele Händler lassen kostenlose Retouren zu, weil:
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Kunden das erwarten,
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Konkurrenzdruck hoch ist,
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Händler Rücksendekosten als „Kundenbindungsinvestition“ ansehen.
Damit entsteht ein Anreizsystem, das Retouren eher fördert als bremst.
4. Höhere „Retourenanfälligkeit“ bestimmter Produktkategorien
Besonders häufig zurückgeschickt werden:
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Kleidung (größter Anteil)
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Schuhe
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Accessoires
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Elektronik in geringem Umfang (v. a. wegen Nichtgefallen)
Weniger retourenanfällig sind Lebensmittel, Medikamente, Haushaltsprodukte oder große Möbel.
Wie hoch ist das Ausmaß wirklich? – Ein Blick in die Zahlen
Nach Asdeckers Analyse wird fast jedes vierte Paket ganz oder teilweise retourniert – ein extrem hoher Wert im internationalen Vergleich.
Zum Vergleich:
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In den USA liegt die Retourenquote bei Mode bei rund 18–20 %.
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In Südeuropa deutlich niedriger als in Deutschland.
Deutschland gilt seit Jahren als das Retourenland Nummer 1 in Europa.
Welche Folgen hat das für Händler?
Retouren verursachen hohe Kosten. Je nach Produktkategorie fallen pro Paket an:
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3 bis 12 Euro Bearbeitungskosten (Öffnen, prüfen, neu verpacken)
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Wertverlust, falls Ware beschädigt oder verschmutzt ist
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Kosten für eventuelles Recycling oder Entsorgung
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Logistikkosten für Versand und Rücktransport
Kleine Händler trifft das besonders hart. Manche Produkte sind nach einer Rücksendung sogar wirtschaftlich nicht mehr verkaufbar – sie müssen abgeschrieben werden.
Umweltfolgen: Ein wachsendes Problem
Die Retourenflut belastet die Umwelt erheblich:
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zusätzlicher Transport verursacht CO₂
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Verpackungsmüll steigt
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viele retournierte Waren gelangen in die Entsorgung
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Mehrwegsysteme kaum etabliert
Einige Studien gehen davon aus, dass rund 3–5 % aller Retouren in Deutschland letztlich nicht wieder im regulären Verkauf landen.
Wie reagieren Händler und Politik?
Es gibt mehrere Strategien und Trends, die aktuell diskutiert und teilweise umgesetzt werden:
1. Kostenpflichtige Rücksendungen
Viele große Händler testen bereits Gebühren oder erheben sie:
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Zara
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H&M
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About You (je nach Land)
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Zalando in einzelnen Märkten
In Deutschland sind gebührenpflichtige Retouren noch selten – aber der Trend wächst.
2. Bessere Größenberatung
Modehändler investieren in:
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digitale Anproben
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Größenempfehlungen via KI
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3D-Avatare
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exaktere Produktbeschreibungen
Ziel: Weniger Fehlkäufe, weniger Rücksendungen.
3. Nachhaltigkeitslabels für Rücksendeverhalten
Einige Händler überlegen, Kunden Punkte zu vergeben oder Vorteile zu bieten, wenn sie weniger retournieren.
4. Gesetzliche Maßnahmen
Die Bundesregierung diskutiert:
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Verbot der Vernichtung neuwertiger Retouren
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Mehr Transparenz zu Rücksendequoten
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Förderungen für nachhaltige Logistik
Was bedeutet das für Verbraucher?
Für Kunden könnte sich Folgendes ändern:
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Rücksendungen könnten künftig kostenpflichtig werden
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Händler könnten striktere Fristen einführen
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Retouren könnten stärker kontrolliert und abgelehnt werden
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Anreize für bewussteren Konsum könnten entstehen
Ausblick: Wird die Retourenflut weiter wachsen?
Experten sehen zwei mögliche Szenarien:
1. Der Boom hält an:
Wenn Kunden weiterhin auf kostenlosen Service setzen und Händler aus Wettbewerbsgründen nachgeben, könnten die Retouren in den nächsten Jahren auch die Marke von 600 Millionen überschreiten.
2. Eine Trendwende kommt:
Kostenpflichtige Rücksendungen, Nachhaltigkeitsdruck und intelligente Größenhilfen könnten zu weniger Rücksendungen führen.
Aktuell aber zeigt die Prognose klar: 2025 ist ein Rekordjahr der Retouren – und eine große Herausforderung für Handel, Wirtschaft und Umwelt.