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Windows-Umstellung kostet Sachsen-Anhalt über vier Millionen Euro – Experten fordern mehr digitale Unabhängigkeit

PabitraKaity (CC0), Pixabay

Der Abschied von Windows 10 wird für Sachsen-Anhalt teuer: Weil Microsoft ab Mitte Oktober keine Sicherheitsupdates und Support mehr für das alte Betriebssystem anbietet, müssen Verwaltungen und Behörden auf Windows 11 umsteigen – und das kostet. Eine MDR-Umfrage unter allen Gemeinden, Landkreisen, kreisfreien Städten und Ministerien ergab, dass die Umstellung bislang mehr als vier Millionen Euro verschlungen hat.

Von den 119 Gemeinden im Land haben 55 auf die Anfrage geantwortet, alle Landkreise und kreisfreien Städte nahmen teil. Damit dürften die tatsächlichen Kosten noch deutlich höher liegen, da zahlreiche Kommunen ihre Zahlen bislang nicht gemeldet haben.

Tausende Geräte landen auf dem Müll

Besonders teuer wird der Umstieg wegen der neuen Hardwareanforderungen von Microsoft. Das neue Betriebssystem Windows 11 funktioniert nur auf moderneren Rechnern, die über spezielle Sicherheitsfunktionen wie TPM-2.0-Chips verfügen. Viele ältere Computer in den Behörden erfüllen diese Anforderungen nicht – sie müssen ersetzt werden.
Insgesamt werden in Sachsen-Anhalts Verwaltungen mehr als 2.900 Geräte verschrottet. Der Großteil der Ausgaben, rund 3,7 Millionen Euro, entfällt laut MDR-Recherche auf neue Hardware.

Einige Kommunen betonen, dass sie ohnehin regelmäßig alle fünf Jahre ihre Technik austauschen. Andere geben an, in den vergangenen Jahren bereits gezielt Geräte angeschafft zu haben, die mit Windows 11 kompatibel sind – um die Umstellung abzufedern. Trotzdem bleibt die finanzielle Belastung hoch, insbesondere für kleinere Gemeinden mit begrenzten Haushaltsmitteln.

Teure Abhängigkeit von US-Konzern

Die hohen Kosten werfen erneut die Frage nach der digitalen Souveränität des öffentlichen Sektors auf. Experten kritisieren, dass Verwaltungen und Schulen in Deutschland zu stark von US-Softwareherstellern wie Microsoft abhängig sind.
„Wenn ein Unternehmen wie Microsoft entscheidet, den Support einzustellen, müssen alle mitziehen – egal, was es kostet“, erklärt ein IT-Experte der Universität Magdeburg. „Das ist weder nachhaltig noch souverän.“

Tatsächlich gibt es inzwischen kostengünstige Alternativen zu Windows, etwa auf Basis von Linux, die in mehreren europäischen Ländern bereits in Verwaltungen genutzt werden. Diese Systeme sind oft quelloffen, sicherheitsorientiert und besser anpassbar an behördliche Anforderungen. In Deutschland jedoch wird der Einsatz solcher Open-Source-Lösungen bisher nur vereinzelt geprüft.

Verwaltungen zwischen Sicherheit und Sparzwang

Für viele Behörden in Sachsen-Anhalt ist die Situation ein Dilemma: Einerseits müssen sie aus Sicherheitsgründen umsteigen, da Computer mit Windows 10 ohne Updates anfällig für Angriffe werden. Andererseits belastet die notwendige Hardwareerneuerung die ohnehin knappen Haushalte erheblich.
Zudem müssen Mitarbeiter geschult, Software angepasst und IT-Strukturen modernisiert werden – Kosten, die in der aktuellen Erhebung noch gar nicht vollständig berücksichtigt sind.

Blick in die Zukunft

Die Umstellung auf Windows 11 ist für Sachsen-Anhalts Verwaltungen ein teurer, aber notwendiger Schritt. Sie verdeutlicht jedoch, wie abhängig die öffentliche Verwaltung von internationalen Technologiekonzernen geworden ist.
IT-Fachleute fordern deshalb langfristige Strategien, um digitale Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit zu fördern – etwa durch den Ausbau von Open-Source-Lösungen, die auch älteren Geräten eine längere Lebensdauer ermöglichen könnten.

Sicher ist: Die vier Millionen Euro sind wohl nur der Anfang. Denn die nächste Generation an Betriebssystemen kommt bestimmt – und mit ihr möglicherweise die nächste Kostenwelle.

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