In Halle-Neustadt hat am Dienstagnachmittag ein Einsatz der Polizei für Aufsehen gesorgt: Gegen 16:30 Uhr meldeten Zeugen Schüsse am Kirchteich nahe des Südparks. Sofort rückten mehrere Streifenwagen an. Vor Ort fanden die Beamten zehn Patronenhülsen und machten wenig später zwei 15-jährige Tatverdächtige ausfindig. Beide führten Schreckschusspistolen bei sich – Waffen, die täuschend echt aussehen, aber keine echten Projektile verschießen.
Nach Angaben einer Polizeisprecherin erhielten die Jugendlichen eine Gefährderansprache – eine deutliche Warnung, dass ihr Verhalten strafrechtliche Konsequenzen haben kann – und wurden anschließend an ihre Eltern übergeben. Gegen die beiden Jugendlichen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet.
Polizei warnt vor falschem Waffenverständnis
Die Polizei betont, dass Schreckschusswaffen keine harmlosen Spielzeuge sind. Sie dürfen nur mit einem sogenannten „Kleinen Waffenschein“ geführt werden, der frühestens ab 18 Jahren und nach einer Zuverlässigkeitsprüfung ausgestellt wird. Selbst dann ist das Abfeuern in der Öffentlichkeit strikt verboten, da es leicht zu gefährlichen Verwechslungen kommen kann.
„In einer Großstadt wie Halle kann so etwas schnell eskalieren – für Umstehende, aber auch für die Jugendlichen selbst“, sagte ein Sprecher der Polizei. Immer wieder komme es vor, dass Streifenbeamte wegen vermeintlicher Schießereien alarmiert werden und zunächst von scharfen Waffen ausgehen. Solche Einsätze bergen erhebliche Risiken, da Polizisten in Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen müssen.
Wachsende Sorge über „Waffenspiel“-Trend unter Jugendlichen
Der Vorfall reiht sich in eine wachsende Zahl ähnlicher Fälle ein, bei denen Jugendliche mit Schreckschusswaffen oder Softairpistolen hantieren. Besonders in sozialen Medien kursieren Videos, in denen Jugendliche mit solchen Waffen posieren oder Schießübungen nachstellen – oft inspiriert von Filmen, Games oder Musikvideos.
Sicherheitsbehörden und Pädagogen warnen vor einer zunehmenden Verharmlosung von Waffen im Alltag. „Wenn Jugendliche glauben, Schreckschusswaffen seien bloß Accessoires oder Spielzeuge, verkennen sie die rechtlichen und realen Gefahren“, so ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP).
Konsequenzen und Prävention
Neben möglichen Bußgeldern und Strafverfahren drohen den Jugendlichen auch Einträge im Erziehungsregister, die spätere berufliche Laufbahnen beeinträchtigen können – etwa bei Bewerbungen im öffentlichen Dienst.
Die Polizei in Halle kündigte an, verstärkt Kontrollen in Parks und öffentlichen Plätzen durchzuführen, an denen Jugendliche sich regelmäßig treffen. Außerdem sollen Schulen und Jugendclubs stärker in Aufklärungsarbeit über Waffenrecht und Gewaltprävention eingebunden werden.
Die Ermittlungen zu Herkunft und Erwerb der Schreckschusswaffen laufen derzeit. Es ist unklar, ob die Pistolen legal gekauft oder aus dem Ausland bezogen wurden. Die Polizei warnt erneut eindringlich:
„Schreckschusswaffen sind kein Spielzeug. Wer damit hantiert, bringt sich und andere in echte Gefahr.“