Die weltberühmte Basilika Sagrada Familia in Barcelona ist erneut Schauplatz einer politischen Aktion geworden: Klimaaktivisten der Gruppe Futuro Vegetal („Pflanzliche Zukunft“) haben Teile der Fassade mit rot-schwarzer Farbe besprüht. Laut Polizei hatten sich die Aktivisten bereits am frühen Morgen Zugang verschafft und binnen weniger Minuten mehrere Säulen beschmiert. Gleichzeitig riefen sie lautstark „Klimagerechtigkeit jetzt!“.
In einer später veröffentlichten Erklärung rechtfertigte die Gruppe ihre Aktion mit der „Untätigkeit der spanischen Regierung im Kampf gegen die Klimakrise“. Spanien verfehle seine selbst gesteckten Klimaziele deutlich, während Extremwetter wie Dürren, Hitzewellen und Waldbrände die Bevölkerung immer stärker belasteten. Futuro Vegetal fordert ein Ende der Subventionen für fossile Energien und die konsequente Umstellung auf eine pflanzenbasierte Landwirtschaft.
Die Aktion löste breite Empörung aus. Viele Passanten und Touristen reagierten schockiert, da die Sagrada Familia nicht nur ein UNESCO-Weltkulturerbe ist, sondern auch zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Europas zählt. Die Basilika gilt als Meisterwerk des Architekten Antoni Gaudí und als religiöses Symbol für Millionen von Gläubigen. Vertreter der Kirche sprachen von einem „Akt der Respektlosigkeit und Schändung eines Heiligtums“. Auch die Stadtverwaltung verurteilte die Aktion scharf.
Die Polizei nahm mehrere Aktivisten fest und leitete Ermittlungen wegen Sachbeschädigung ein. Restauratoren prüfen derzeit, wie groß der Schaden an der aufwendig gestalteten Fassade ist und wie die Farbe entfernt werden kann, ohne das empfindliche Steinmaterial zu beschädigen. Experten warnen, dass sich die Reinigung über Wochen hinziehen könnte.
Die Tat reiht sich ein in eine Serie spektakulärer Klima-Proteste in Europa. In den vergangenen Monaten hatten Aktivisten bereits weltberühmte Kunstwerke wie die „Mona Lisa“ im Louvre oder das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ in Den Haag attackiert – meist ohne dauerhafte Schäden, aber mit weltweiter Aufmerksamkeit. In Italien klebten sich Aktivisten an den Trevi-Brunnen, in Deutschland wurden Straßen blockiert und Flughäfen besetzt.
Die Debatte über die Grenzen legitimen Protests gewinnt dadurch weiter an Schärfe. Während Befürworter die Aktionen als letzten Ausweg sehen, um angesichts der Klimakrise gehört zu werden, werfen Kritiker den Aktivisten vor, mit Angriffen auf Kulturerbe Sympathien zu verspielen. Selbst Klimaexperten warnen, dass solche spektakulären Aktionen zwar Aufmerksamkeit erzeugen, aber gleichzeitig das Risiko bergen, die Gesellschaft noch stärker zu spalten.
Fest steht: Die Sagrada Familia ist nun nicht nur ein Symbol für Barcelonas Geschichte und Kultur, sondern auch für den wachsenden Konflikt zwischen Klimabewegung und Gesellschaft.