Angesichts zunehmender Hitzewellen und extremer Sommermonate fordern Sozialverbände in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf Hitzeschutz in Pflege- und Sozialeinrichtungen. Die Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbands, Katja Kipping, warnte vor gravierenden Folgen der Klimakrise – vor allem für Menschen, die gesundheitlich oder sozial besonders verletzlich sind.
„Nicht alle sind gleichermaßen betroffen“
„Die Klimakrise trifft uns nicht alle gleich“, betont Kipping. Alte, pflegebedürftige, chronisch kranke oder einkommensarme Menschen seien den steigenden Temperaturen oftmals schutzlos ausgeliefert, insbesondere in Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen oder Obdachlosenunterkünften. Dort fehlten häufig grundlegende bauliche und technische Maßnahmen zum Hitzeschutz – wie Sonnenschutzsysteme, Verschattungen, kühlende Materialien, gute Dämmung oder effektive Lüftungskonzepte.
Umbaukosten überfordern viele Einrichtungen
Zwar gibt es einzelne Förderprogramme auf Landesebene, doch laut den Verbänden reichen diese weder finanziell noch strukturell aus, um flächendeckend Verbesserungen herbeizuführen. Viele soziale Träger – gerade kleinere, gemeinnützige Einrichtungen – könnten die notwendigen Investitionen in bauliche Anpassungen nicht allein stemmen. Deshalb brauche es bundesweit verbindliche Regelungen und eine ausreichende Finanzierung durch den Staat.
Forderung: Gesetzlicher Rahmen für Hitzeschutz
Kipping und andere Verbandsvertreter schlagen vor, Hitzeschutz als verpflichtenden Bestandteil in die baulichen Anforderungen der Pflege- und Gesundheitsgesetzgebung aufzunehmen – etwa im Pflegeweiterentwicklungsgesetz oder im Sozialgesetzbuch. Gleichzeitig müssten Fördermittel für energetische Sanierung und Klimaanpassung leichter zugänglich gemacht werden.
Hintergrund: Gesundheitliche Risiken durch Hitze
Hitze gilt laut Robert-Koch-Institut als eine der größten Gesundheitsgefahren im Zuge des Klimawandels. Ältere Menschen sind besonders gefährdet, da sie oft weniger schwitzen, ein geringeres Durstempfinden haben und häufig Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden mitbringen. In heißen Sommern sterben nach Schätzungen des Umweltbundesamts mehrere Tausend Menschen in Deutschland hitzebedingt – viele davon in Pflegeeinrichtungen.
Fazit: Hitzeschutz ist Daseinsvorsorge
Der Appell der Sozialverbände macht deutlich: Klimaanpassung ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Pflegebedürftige Menschen dürfen nicht länger auf unzureichend geschützte Gebäude und überlastetes Personal angewiesen sein. Ein gesetzlich verankerter Hitzeschutz könnte dazu beitragen, Lebensqualität und Gesundheit in Heimen nachhaltig zu sichern – und die Gesellschaft widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.