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Das Geschäftsmodell der CEHATROL Technology eG

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geralt (CC0), Pixabay

Wie schon im ersten Teil angedeutet, hat die Genossenschaft laut ihrer Webseite zahlreiche Betätigungsfelder. Der Hauptzweck dreht sich um Energieerzeugung und Effizienzmaßnahmen. Die Genossenschaft bezeichnet sich auf ihrer Webseite als Energieexperte.

Energie

In einem Video auf der Webseite heißt es: „CEHATROL ist ein Zusammenschluss von Bürgern, die gemeinsam in die Erzeugung von Strom investieren.“ CEHATROL produziere selbst Strom und investiere in Stromerzeuger, indem es Anteile kauft. Einen Nachweis hierüber bleibt die Genossenschaft jedoch schuldig.

An anderer Stelle heißt es: „Als Energiegenossenschaft haben wir uns einer der größten Einkaufsgemeinschaft für Strom und Gas angeschlossen. […] Nutzen Sie unser Angebot zum Bezug von Strom und senken Sie Ihre Verbrauchskosten.“ Was davon stimmt denn nun, die eigene Produktion oder die Einkaufsgemeinschaft?

CEHATROL bietet ihren Mitgliedern angeblich Strom für 9,6 Cent pro kWh bis zu einem Bruttostrompreis von 40 Cent je kWh. Hierfür muss man zunächst einen Geschäftsanteil für 110 €, davon 10 € Agio, erwerben und anschließend „Energiepool“-Anteile. Ein Anteil je angefangene 200 kWh Jahresstromverbrauch kostet 110 €. Bei einem Zweipersonenhaushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 2.500 kWh bedeutet das, dass Sie 1 Geschäftsanteil und 13 Energieanteile kaufen müssen und zusätzlich noch die 9,6 Cent pro kWh bezahlen. Der Endpreis für ein Jahr beträgt hier stolze 1.780 €, d.h. 71,2 Cent pro kWh! Wenn CEHATROL selber Strom für realistische 30 Cent pro kWh erwirbt, bleibt der Genossenschaft ein Plus von über 40 Cent! Ein cleveres Geschäftsmodell, dass nicht im Interesse der Mitglieder zu sein scheint.

Im- und Mobilien

Mit dem eingenommenen Geld wird angeblich u.a. bezahlbarer Wohnraum finanziert:

„Die Genossenschaft übernimmt die Gesamtkosten der Immobilie und fördert ihre Mitglieder. Dazu unterzeichnet das Mitglied eine Absichtserklärung auf Grundlage der jeweils gültigen Förderrichtlinie und stellt damit den Antrag auf Mitgliederförderung.

Nachdem CEHATROL® die Absichtserklärung ebenfalls unterzeichnet hat, gilt der Antrag auf Mitgliederförderung als genehmigt. Danach zeichnet das Mitglied die entsprechenden Genossenschaftsanteile und zahlt diese ein.

Nach Einzahlung beginnt die Wartezeit von grundsätzlich 12 Monaten. In dieser Zeit kann das Mitglied mit den Planungen beginnen. Im Anschluss an die Wartezeit schließt CEHATROL® mit dem Mitglied die Fördervereinbarung. Nun erwirbt CEHATROL® die Wunschimmobilie für das Mitglied. Bei Neubau erwirbt CEHATROL® das Grundstück und erteilt den Auftrag zum Bau des Einfamilienhauses.

Mit der Bezugsfertigkeit beginnt die Nutzungsdauer der Wunschimmobilie durch das Mitglied. Für die Nutzung berechnet CEHATROL® 2% der Gesamtkosten pro Jahr, aufgeteilt in 12 Monatsraten.“ (https://www.cehatrol.com/wohnennachwunsch)

Nun, warum schrieb ich weiter oben „angeblich“? Weil jeglicher Nachweis von durch die Genossenschaft finanzierten Bauten fehlt. Auch der angeblich mitentwickelte Wohntrailer ist nur eine simple Computergrafik. Und die Videos mit computergenerierter Stimme sind auch nicht aussagekräftig. Abgesehen davon ist der angesetzte Preis für die „Standart“ (sic!)-Version des Wohntrailers mit 279.000 € unglaublich hoch.

PKW

Als weitere Geschäftsidee bietet CEHATROL seinen Genossen quasi das Leasing von PKWs an. Neben einer Anzahlung von 10 % des Kaufpreises plus davon angesetzten 10 % Agio zahlt man eine Monatsgebühr, die sich im Jahr auf 1.320 € summiert. Spritkosten kommen natürlich noch hinzu. (Die fehlende Lieferbarkeit mancher Wagen und die nur zum Teil erfolgte Rückzahlung des gezahlten Betrages nach daraufhin erfolgter Stornierung führte schon zu diversen Kritiken; aber dazu komme ich in einem separaten Beitrag).

HPP

Jetzt kommen wir zu einem ganz absurden Geschäftsbereich: „Die einzigartige Beschichtungstechnologie in unserer High Performance Production (HPP) ist ein essenzieller Baustein unseres Fundaments, um

  • hocheffiziente Energieerzeugungsanlagen für Strom durch Licht
  • leistungsstärkere Stromspeicher als vergleichsweise konventionelle Akkus
  • Infrarot-Heizungen mit einzigartigem Wirkungsgrad

und andere Energiewirkformen herzustellen.“

Keine weitere Erläuterung, was für eine Technologie gemeint sei, kein Verweis auf ein Patent, kein Nachweis der Wirksamkeit. Mit den „Infrarot-Heizungen“ sind wahrscheinlich die gemeint, die im Shop für beispielsweise 799 € angeboten werden. Sucht man im Internet nach diesem Produkt, gelangt man zur Webseite der PositiveHouse SAS, die keinerlei Impressum aufweist. Der einzige Name, der genannt wird, ist ein Datenschutzbeauftragter Rolf Frey. Besagter Rolf Frey lässt sich auch im Kontext der CEHATROL nachweisen. Wohl als Co-CEO der PositiveHouse SAS mit Sitz in Straßburg war er in der Gründung der CEHATROL FRANCE involviert (Pressemitteilung der CEHATROL, z.B. hier: https://www.fair-news.de/2890314/cehatrol-goes-europe). Die Marke „Lemuria“, die bei der Infrarot-Heizung genannt wird, lässt sich ebenfalls CEHATROL zuweisen, wie ein Blick in das Patent- und Markenamt verrät (https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/registerHABM?AKZ=018373559&CURSOR=2).

Und bezüglich des unglaublich überzogenen Preises für die Heizung empfehle ich Ihnen, mal bei Amazon die Suchbegriffe „infrarotheizung 500w spiegel“ einzugeben… Ein weiteres Beispiel ist die ebenfalls im Shop erhältliche „Junior Schatzkiste“; diese findet man im Netz teilweise für weniger als die Hälfte! Der einzige Unterschied ist die CEHATROL-Aufschrift, aber auf die kann ich gerne verzichten…

 

Ersatztreibstoffe

Des Weiteren haben diese unglaublich kreativen Köpfe hinter der Genossenschaft „ein innovatives, wirtschaftliches System zur Herstellung von Ersatztreibstoffen aus Biomasse entwickelt. Die Umwandlung geschieht in einem einstufigen Prozess ohne technisch anfällige und teure Zwischenschritte.“ Und um das glaubwürdig zu illustrieren, hat CEHATROL eine Grafik eingefügt, die der einer TPT Technology GmbH komplett gleicht (https://www.tpt-technology.de/tpt-diesel; auf die Verbindung zu dieser Gesellschaft gehe ich im letzten Teil kurz ein).

 

Vermögensaufbau

Die Genossenschaft möchte Ihre Mitglieder auch beim Vermögensaufbau unterstützen. So bietet sie das Projekt „Invest 12-12“ an, bei dem die Genossenschaftsanteile 12 Monate gebunden sind und der Genosse dafür 12 % Zinsen p.a. erhält! (Wir berichteten schon vor mehr als einem halben Jahr darüber.) Wie die Genossenschaft derart hohe Zinsen finanziert, erfährt man natürlich nicht.

Und zu diesem Punkt gehört auch der Erwerb von Edel- und Industriemetalle über das Produkt CEHATROL® TOP VALUE, welche in einem Schweizer oder Liechtensteiner Zollfreilager eingelagert werden. „Alle Gebühren und Kosten sind absolut transparent. Unsere Mitglieder Kaufen zum Großhandelskilopreis. Im Wettbewerb erreichen wir mit die höchsten Investitionsquoten.“ Nur leider zeigt sich die Transparenz nirgendwo. Weder erfährt man die Preise, noch die anfallenden Lagerkosten, noch, wie man die Metalle wieder „versilbern“ kann usw. Die einzige relevante Information, die man einer Broschüre entnehmen kann, ist, dass man mit der Liechtensteiner EM Global Service AG hierfür zusammenarbeite.

Und auch nur als knappen Satz erfährt man folgendes: „Bei der CEHATROL Technology eG sind die Einlagen (Genossenschaftsanteile der Mitglieder) in Form von Edelmetallen (physisch) als Sicherheit hinterlegt.“ Wo werden diese gelagert? Wie ist es abgesichert, wer hat Zugriff darauf? Können die Genossen sich die Einlagen anschauen?

 

Fazit

Die CEHATROL Technology eG hat gemäß ihrer Satzung zum Gegenstand alles Mögliche rund um ökonomische Energieerzeugungsanlagen sowie Anlagen zur Kraftstoffherstellung. Sie widmet sich aber darüber hinaus vielen weiteren Dingen, die nichts mit ihrem eigentlichen Beschäftigungsfeld zu haben.

Kalkuliert man mal exemplarisch die einzelnen Angebote zum Wohle der Genossen, zeigt sich, dass die Kosten für den Einzelnen wesentlich höher sind als auf dem freien Markt. Über den verschleiernden und bei der Kostenberechnung nicht berücksichtigten Kauf von Geschäftsanteilen o.ä. suggeriert man dem potentiellen Kunden, dass man günstig sei, kommt aber am Ende auf wesentlich höhere Kosten. Es scheint eher so, als ob CEHATROL potentielle Genossen mit vielen Versprechungen und scheinbar sehr günstigen Angeboten lockt. Nun, das System muss eben irgendwie am Laufen gehalten werden. Wie soll man sonst 12 % Zinsen realisieren können? In dieser Form erinnert das doch eher an ein Schneeballsystem…

Darüber hinaus bleibt CEHATROL sämtliche Nachweise schuldig, dass sie irgendetwas davon auch erfolgreich umsetzt. Es macht den Eindruck, so ganz treffend einer unserer Leser, als „geht es einfach darum, schnellen maximalen Profit für die Initiatoren zu generieren. Schließlich muss jede Netzwerkgesellschaft einen Geschäftsführer, Aufsichtsräte oder Vorstände haben, die alle eine entsprechende Vergütung beanspruchen. Diese Vergütungen erreichen oft bereits in den ersten Jahren der Existenz der Beteiligungsgesellschaft die Höhe der Gesamtinvestitionen der Gesellschafter, so dass für den eigentlichen Gesellschaftszweck wenig oder nichts verbleibt. Das muss bei Cehatrol nicht so sein, könnte man aber gegebenenfalls durchaus als Branchenusance bezeichnen.“

Im dritten Teil geht es um die dazugehörigen Firmen und im vierten um einige der dahinterstehenden Personen.

1 Kommentar

  1. Vielen Dank für die klasse Recherche!
    Kleine Ergänzungen:

    Auffällig ist die ex-DDR/Russland-Konnektion der Genossenschaftsvertreter. Siehe die „Deutsch Russische Gesellschaft K-II eG“, die die „Zusammenarbeit zwischen dem deutschen und russischen Volk im Geiste von Katharina der II. pflegen und ausbauen“ will, um „gemeinsam den Weg zum alten Glanz von Katharina der Großen – Zarin von Russland (zu) beschreiten.“
    http://www.k-ii.de/

    Dann gibt es Bank- und Zahlungsdienste unter der Marke „GENOPLATA“ – wie passt das zum Geschäftsmodell einer Genossenschaft?
    https://www.trademarkelite.com/europe/trademark/trademark-detail/018463974/GENOPLATA

    Man ist erstaunt, wie lange die BaFin diesem Treiben zusieht …

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