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Zuckersteuer ab Juli 2027: Getränkehersteller warnen vor höheren Preisen – Zuckerrübenbauern fürchten Absatzverluste

SatyaPrem (CC0), Pixabay

Die geplante Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke sorgt bereits vor ihrer Einführung für wirtschaftliche Unsicherheit. Während Getränkehersteller ihre Rezepturen überarbeiten oder höhere Verkaufspreise vorbereiten, befürchten Zuckerrübenanbauer einen deutlichen Rückgang der Nachfrage.

Nach einem Bericht von BR24 vom 30. Oktober 2026 könnte die neue Abgabe ab Juli 2027 insbesondere mittelständische Getränkeproduzenten und landwirtschaftliche Betriebe in Bayern treffen.

Bis zu 32 Cent Steuer pro Liter geplant

Nach den im Bericht dargestellten Plänen der Bundesregierung sollen zuckerhaltige Getränke künftig abhängig von ihrem Zuckergehalt besteuert werden.

Vorgesehen sind zwei Stufen:

  • Mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter: 26 Cent Steuer pro Liter.
  • Mehr als acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter: 32 Cent Steuer pro Liter.

Ein Getränkekasten mit zehn Litern Inhalt könnte dadurch allein aufgrund der Abgabe um 2,60 Euro teurer werden, sofern der Hersteller die Steuer vollständig an die Verbraucher weitergibt.

Mit der Maßnahme sollen Hersteller dazu bewegt werden, den Zuckergehalt ihrer Getränke zu reduzieren. Zugleich erhofft sich der Staat zusätzliche Einnahmen und langfristig geringere Gesundheitskosten.

Die endgültige Ausgestaltung der Regelungen steht dem Bericht zufolge allerdings noch nicht fest.

Frankenbrunnen entwickelt zuckerreduzierte Limonaden

Der Getränkehersteller Frankenbrunnen aus Neustadt an der Aisch arbeitet bereits an neuen Rezepturen.

Bei internen Verkostungen testet das Unternehmen verschiedene Limonaden mit weniger oder ganz ohne Zucker. Ziel ist es, Geschmack und Charakter der bisherigen Produkte möglichst weitgehend zu erhalten.

Geschäftsführer Markus Humpert sieht jedoch Schwierigkeiten bei der Planung. Solange die endgültigen Vorgaben nicht feststehen, sei es schwer, Rezepturen und Produktionsprozesse verbindlich festzulegen.

Die Entwicklung neuer Getränke verursacht zudem Kosten, bevor überhaupt feststeht, wie Verbraucher auf die veränderten Produkte reagieren werden.

Brauerei Riegele berichtet von verlorenem Handelsgeschäft

Einen anderen Weg verfolgt die Augsburger Brauerei Riegele.

Geschäftsführer Sebastian Priller will bestehende Rezepturen nicht verändern, rechnet aber mit einer steigenden Nachfrage nach zuckerfreien Alternativen. Deshalb soll die Produktion entsprechender Getränke gestärkt werden.

Die Unsicherheit über die künftige Steuerbelastung hat nach seinen Angaben bereits wirtschaftliche Folgen.

So habe die Brauerei einen Zweijahresvertrag mit einer Handelskette nicht abschließen können, weil die zukünftigen Kosten nicht verlässlich kalkulierbar seien.

Priller geht davon aus, dass sein Unternehmen die zusätzliche Steuer nicht selbst tragen könnte und sie deshalb an die Kunden weitergeben müsste.

Zuckerrübenanbauer befürchten weniger Nachfrage

Während weniger Zucker in Getränken gesundheitspolitisch erwünscht ist, könnte die Entwicklung für die Landwirtschaft problematisch werden.

Nach Angaben der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker entfielen im Wirtschaftsjahr 2024/2025 rund 17,9 Prozent des deutschen Zucker-Inlandabsatzes auf Erfrischungsgetränke, Fruchtsäfte und Obstwein.

Sollten Getränkehersteller ihre Rezepturen deutlich verändern, könnte dieser Absatzmarkt schrumpfen.

Helmut Ring, Geschäftsführer des Verbands der Bayerischen Zuckerrübenanbauer, verweist auf Erfahrungen aus Großbritannien, wo bereits 2018 eine entsprechende Steuer eingeführt wurde.

Übertragen auf Deutschland könnte der Nachfragerückgang nach seiner Einschätzung etwa 200.000 Tonnen Zucker erreichen. Das entspräche ungefähr der Produktion einer der verbliebenen deutschen Zuckerfabriken.

Dabei handelt es sich um eine Prognose des Branchenverbands, nicht um einen bereits eingetretenen Absatzverlust.

Was bedeutet die Zuckersteuer für Verbraucher?

Für Verbraucher könnten sich zwei Entwicklungen ergeben: Klassische zuckerhaltige Limonaden werden teurer, während Hersteller ihr Angebot an zuckerreduzierten und zuckerfreien Getränken ausbauen.

Wie stark die Endpreise tatsächlich steigen, hängt davon ab, ob und in welchem Umfang die Unternehmen die Steuer weitergeben und wie Handel und Hersteller ihre Preise gestalten.

Auch für die Landwirtschaft bleibt offen, wie stark sich eine veränderte Nachfrage auf den heimischen Zuckerrübenanbau auswirkt.

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