Die Universal-Investment-Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in Frankfurt am Main legt in diesem Jahresbericht den Antecedo Defensive Growth für den Zeitraum vom 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026 vor. Der Fonds setzte weiter auf eine klare Nasdaq-100-Ausrichtung mit Optionsabsicherung und profitierte im Berichtsjahr deutlich von der starken Entwicklung der US-Technologiewerte. Für Anleger ist vor allem wichtig: Die starke Wertentwicklung kam nicht aus laufenden Erträgen, sondern überwiegend aus Kursgewinnen und realisierten Optionsgewinnen.
Ein externer Fondsmanager oder Anlageberater wird im Bericht nicht ausdrücklich genannt. Der Schwerpunkt der Steuerung lag laut Bericht bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft und dem eingesetzten Risikomanagementsystem.
Vermögen und Wertentwicklung
Das Fondsvermögen stieg im Geschäftsjahr von 672,95 Mio. Euro auf 869,20 Mio. Euro. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteilwert des Gesamtfonds von 243,65 Euro auf 303,00 Euro. Das entspricht einem deutlichen Zuwachs, der vor allem aus der Marktentwicklung und nicht aus Ausschüttungen resultierte, denn der Fonds ist thesaurierend und führte keine Zwischenausschüttungen durch.
Auch die Mittelzuflüsse waren positiv: Netto flossen dem Fonds 28,39 Mio. Euro zu, nach 7,49 Mio. Euro im Vorjahr. Brutto standen Zuflüsse von 60,00 Mio. Euro Rücknahmen von 31,61 Mio. Euro gegenüber. Aus Anlegersicht ist das ein Zeichen, dass der Fonds trotz höherer Marktwerte weiter Mittel anzieht, ohne dass es zu einem massiven Liquiditätsabfluss kam.
Die Wertentwicklung lag im Berichtsjahr bei 23,50 Prozent für die Anteilklasse AK R und bei 24,36 Prozent für die Anteilklasse AK I. Damit war das Ergebnis klar positiv und deutlich stärker als im Vorjahr. Laut Bericht war die Wertsteigerung vor allem auf den kräftigen Anstieg der amerikanischen Technologieaktien seit März 2026 zurückzuführen. Die Absicherungsstrategie habe zwischenzeitliche Rücksetzer abgefedert, zugleich aber die Partizipation an den Marktgewinnen nicht verhindert.
Erträge: Gewinne aus Optionen statt laufende Ausschüttungen
Die laufenden Erträge des Fonds waren überschaubar: Insgesamt wurden 4,49 Mio. Euro an Erträgen erzielt, davon 4,07 Mio. Euro aus ausländischen Dividenden und 1,59 Mio. Euro aus Zinsen auf Liquiditätsanlagen; nach Quellensteuer blieben davon netto 4,49 Mio. Euro. Dem standen Aufwendungen von 6,57 Mio. Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein ordentliches Nettoergebnis von minus 2,08 Mio. Euro. Für Anleger ist das wichtig, weil es zeigt: Der Fonds trägt sich nicht aus laufenden Erträgen, sondern benötigt Kurs- und Veräußerungsgewinne, um ein positives Gesamtergebnis zu erzielen.
Genau das ist eingetreten. Aus Veräußerungsgeschäften kamen 36,32 Mio. Euro hinzu, vor allem durch realisierte Gewinne in Höhe von 528,22 Mio. Euro bei gleichzeitig realisierten Verlusten von 491,90 Mio. Euro. Besonders relevant: Der Bericht nennt als wesentliche Quelle des positiven Veräußerungsergebnisses realisierte Gewinne aus gekauften Optionen. Hinzu kamen 133,99 Mio. Euro nicht realisierte Gewinne, abzüglich 9,64 Mio. Euro nicht realisierter Verluste. Unter dem Strich ergab sich ein Ergebnis des Geschäftsjahres von 168,24 Mio. Euro.
Kosten: spürbar, aber im Verhältnis zum Ertrag erklärbar
Die Verwaltungskosten sind nicht gering, fallen bei diesem aktiv gesteuerten, derivativen Konzept aber ins Gewicht. Für die Anteilklasse AK R beträgt die Verwaltungsvergütung 1,35 Prozent pro Jahr, für die AK I 0,65 Prozent. Auf Fondsebene wurden im Geschäftsjahr 5,08 Mio. Euro Verwaltungsvergütung ausgewiesen. Hinzu kamen 404 Tsd. Euro Verwahrstellenvergütung, 10,9 Tsd. Euro Prüfungs- und Veröffentlichungskosten sowie 1,08 Mio. Euro sonstige Aufwendungen. Die größten Posten darin waren 823,4 Tsd. Euro Kosten für den Clearingbroker.
Die Gesamtkostenquote liegt bei 1,54 Prozent für AK R und 0,83 Prozent für AK I. Aus Anlegersicht auffällig ist, dass das ordentliche Nettoergebnis trotz der hohen laufenden Erträge negativ blieb. Das heißt: Erst die starken Kurs- und Optionsgewinne machten das Geschäftsjahr insgesamt deutlich positiv. Die Transaktionskosten beliefen sich zusätzlich auf 935,8 Tsd. Euro. Eine Beratervergütung wurde nicht gezahlt; an die Verwaltungsgesellschaft oder Dritte flossen keine Pauschalvergütungen.
Portfolio und größte Positionen
Das Portfolio blieb klar auf US-Technologie ausgerichtet. Aktien machten zum Stichtag 77,63 Prozent des Fondsvermögens aus, Optionen 18,09 Prozent, Bankguthaben 4,12 Prozent. Investmentanteile spielten mit 0,21 Prozent nur eine Nebenrolle. Regionenmäßig dominieren die USA mit 72,33 Prozent des Fondsvermögens, während Deutschland mit 1,03 Prozent und mehrere weitere Länder nur kleine Beimischungen darstellen. Diese Struktur passt zur beschriebenen Strategie, mindestens 51 Prozent in Nasdaq-100-Aktien zu investieren und das Risiko über Optionen zu steuern.
Unter den größten Einzelpositionen finden sich NVIDIA mit 6,04 Prozent des Fondsvermögens, Apple mit 5,21 Prozent, Alphabet Class C mit 4,98 Prozent, Micron Technology mit 4,41 Prozent, Microsoft mit 3,42 Prozent, Advanced Micro Devices mit 3,22 Prozent und Amazon mit 3,17 Prozent. Weitere größere Positionen sind Intel, Broadcom, Meta Platforms, Lam Research und Applied Materials. Aus Anlegersicht ist das ein konzentriertes Technologieportfolio mit hohem US-Schwerpunkt und entsprechendem Marktpreisrisiko.
Risiken und Auffälligkeiten
Der Bericht nennt als wesentliche Risiken allgemeine Marktpreisrisiken, Aktienrisiken, Risiken aus Zielfonds, Derivategeschäfte und Währungsrisiken. Praktisch relevant sind vor allem die hohen Schwankungen im Technologiesektor und die Hebelwirkung der Derivate. Das Exposure aus Derivaten betrug 2,34 Mrd. Euro, die durchschnittliche Hebelwirkung lag im Geschäftsjahr bei 3,13. Der potenzielle Risikobetrag für das Marktrisiko lag durchschnittlich bei 2,31 Prozent, mit einer Bandbreite von 0,70 Prozent bis 3,72 Prozent.
Bemerkenswert ist zudem, dass die Vergleichsgröße aus 70 Prozent Nasdaq-100 Price Return und 30 Prozent REXP besteht. Für Anleger zeigt das, dass der Fonds nicht nur ein reiner Aktienfonds ist, sondern eine strukturierte Mischlogik mit Absicherung und Liquiditätssteuerung verfolgt. Die im April 2026 angepassten Anlagebedingungen und die neu festgelegten Liquiditätsmanagementinstrumente wurden im Berichtszeitraum nicht angewandt. Eine weitere Auffälligkeit: Das ordentliche Nettoergebnis war negativ, der Gesamterfolg beruhte also stark auf Marktbewegungen und Optionsmanagement.
Fazit für Anleger
Der Antecedo Defensive Growth hat im Berichtsjahr von der starken Nasdaq-100-Entwicklung klar profitiert und mit 23,50 Prozent bzw. 24,36 Prozent eine überzeugende Wertentwicklung erzielt. Gleichzeitig bleibt der Fonds ein anspruchsvolles, kostenintensives und derivativ geprägtes Produkt mit hohem US-Tech-Schwerpunkt und entsprechender Schwankungsanfälligkeit. Die Erträge aus laufenden Anlagen reichten nicht aus, um die Kosten zu decken; das positive Jahresergebnis wurde vor allem durch Veräußerungsgewinne und nicht realisierte Kursgewinne getragen. Der unabhängige Abschlussprüfer bescheinigt dem Jahresbericht, dass er in allen wesentlichen Belangen den gesetzlichen Vorgaben entspricht und ein umfassendes Bild der Vermögens- und Ertragslage vermittelt.