Die First Private Investment Management KAG mbH mit Sitz in Frankfurt am Main hat den Jahresbericht für den Fonds FP Artellium Evolution EUR I und FP Artellium Evolution EUR S vorgelegt. Der Fonds blieb im Geschäftsjahr 2025/2026 marktneutral ausgerichtet und setzte vor allem auf Total-Return-Swaps sowie sichere EUR-Renten; aus Anlegersicht ist dabei wichtig: Die positive Jahresperformance wurde nicht durch laufende Erträge getragen, sondern vor allem durch Veräußerungsergebnisse aus den Swap-Positionen. Ein externer Fondsmanager oder Anlageberater wird im Bericht nicht genannt.
Für die Anteilklasse EUR S weist der Bericht eine Jahresperformance von 2,46 % aus, für EUR I von 2,23 %. Gleichzeitig blieb das ordentliche Nettoergebnis in beiden Anteilklassen negativ: minus 51.487,86 Euro bei EUR S und minus 302.619,60 Euro bei EUR I. Das bedeutet für Anleger: Der Fonds verdiente im laufenden Geschäft mit Zinsen und ähnlichen Erträgen weniger, als er für Verwaltung, Verwahrung und weitere laufende Kosten aufwenden musste. Erst die realisierten Veräußerungsgewinne aus den Handelsgeschäften mit Swaps – insgesamt 5.735.927,64 Euro auf Fondsebene – machten das Geschäftsjahr insgesamt positiv.
Vermögen und Wertentwicklung
Das Fondsvermögen sank im Berichtsjahr auf Fondsebene von 74.527.594,76 Euro auf 62.816.859,90 Euro. Dahinter standen vor allem Netto-Mittelabflüsse von 12.744.994,57 Euro, also deutlich mehr Rückgaben als Zuflüsse aus Neuzeichnungen. Die Mittelzuflüsse betrugen 13.461.172,77 Euro, die Rücknahmen 26.206.167,34 Euro. Aus Anlegersicht ist das ein klarer Hinweis auf eine spürbare Schrumpfung des Fondsvolumens, obwohl der Anteilwert von 130,55 Euro auf 133,76 Euro stieg.
Im gesamten Fonds erzielte das Sondervermögen ein Ergebnis des Geschäftsjahres von 3.696.310,64 Euro. Davon entfielen 5.735.927,64 Euro auf das Ergebnis aus Veräußerungsgeschäften, während das nicht realisierte Ergebnis mit minus 1.685.509,54 Euro belastete. Im Kern zeigt das: Der Fonds lebte nicht von laufenden Erträgen, sondern vom aktiven Trading der Derivate. Auch die Vorjahreswerte deuten auf eine volatile, aber zuletzt nur mäßig ertragreiche Entwicklung hin: Die Anteilwertentwicklung lag 2024/2025 bei 130,55 Euro und damit nur leicht unter dem aktuellen Niveau.
Die Berichtsgesellschaft verweist zudem auf einen Marktvergleich: Der S&P 500 legte im Berichtszeitraum um 22,32 % zu, während der Fonds marktneutral positioniert war und daher von solchen direktionalen Aktienmarktbewegungen weitgehend unabhängig blieb. Als Benchmark wird im Derivate-Anhang der MSCI World Net Return (EUR) genannt; ein expliziter Performancevergleich mit dieser Benchmark wird im Bericht jedoch nicht ausgewiesen.
Kosten
Bei den Kosten fällt auf, dass die Verwaltungsvergütung der größte Posten ist. Auf Fondsebene belief sie sich auf 891.548,62 Euro; darin enthalten waren 813.297,16 Euro Basisvergütung und 78.251,46 Euro performanceabhängige Vergütung. Hinzu kamen 19.118,28 Euro Verwahrstellenvergütung und 14.752,74 Euro für Prüfungs- und Veröffentlichungskosten. Die Gesamtkostenquote lag bei 1,32 % für EUR S und 1,57 % für EUR I, jeweils ohne Transaktionskosten und ohne performanceabhängige Vergütung. Zusätzlich fielen erfolgsabhängige Vergütungen in Höhe von 0,12 % des durchschnittlichen Nettoinventarwerts bei EUR S und 0,07 % bei EUR I an.
Aus Anlegersicht ist wichtig: Die Kosten liegen in einer Größenordnung, die nur dann gut tragbar ist, wenn der Fonds mit seiner marktneutralen Strategie dauerhaft Mehrerträge gegenüber den laufenden Belastungen erwirtschaftet. Der Bericht zeigt jedoch, dass die laufenden Erträge die laufenden Aufwendungen nicht deckten; die positive Gesamtrendite wurde deshalb im Wesentlichen durch realisierte Handelsgewinne getragen. Die Portfolioumschlagrate von 106,92 % auf Fondsebene weist zudem auf intensive Umschichtungen hin, was tendenziell zusätzliche Nebenkosten und Marktfriktionen bedeuten kann. Für die Schweiz wird eine höhere PUR von 150,77 % ausgewiesen, was die intensive Handelstätigkeit ebenfalls unterstreicht.
Portfolio und größte Positionen
Zum Stichtag waren 74,90 % des Fondsvermögens in Anleihen investiert, 15,84 % lagen als Bankguthaben vor, weitere 9,56 % entfielen auf sonstige Vermögensgegenstände. Derivate standen per saldo mit minus 0,12 % in der Übersicht, wobei das zugrunde liegende Exposure mit 390.664.025,93 Euro deutlich höher war als das Fondsvermögen selbst – ein typisches Merkmal für derivative Strategien mit Brutto- und Nettoexposures. Der Fonds hielt neben börsengehandelten Anleihen auch nichtnotierte Schatzwechsel der Republik Österreich.
Die größten Einzelpositionen waren vor allem öffentliche und halbstaatliche Rentenpapiere mit kurzen bis mittleren Laufzeiten. Zu den bedeutenden Positionen zählten unter anderem Kreditanstalt-für-Wiederaufbau-Emissionen, eine Bundesanleihe des Bundes, EFSF-, EIB- und Landesbank-Papiere. Die größte einzelne Position war ein KfW-Titel mit 22.468.353,60 Euro bzw. 13,77 % des Fondsvermögens. Hinzu kamen weitere KfW- und staatsnahe Bonds sowie Pfandbriefe deutscher Landesbanken. Das spricht für ein relativ konservatives Rentenpolster, das die Derivatehandelsstrategie liquide unterlegt.
Risiken und Auffälligkeiten
Die Gesellschaft stuft Marktpreis-, Währungs-, Adressausfall-, Zinsänderungs-, Liquiditäts- und operationelle Risiken jeweils als gering ein. Das erscheint angesichts der kurzen Gesamtduration von 0,64 und der nicht abgesicherten Fremdwährungsquote von nur 0,11 % nachvollziehbar. Auffällig bleibt dennoch das starke Konzentrationsmoment in den Swap-Kontrakten: Der Fonds erzielte die wesentliche Performance über Total-Return-Swaps, die mit großen internationalen Banken abgeschlossen wurden. Bei solchen Strukturen hängt der Anlageerfolg in hohem Maß von der Handelssystematik und der reibungslosen Umsetzung ab.
Eine weitere Auffälligkeit aus Anlegersicht ist die historische Entwicklung der Anteilzahlen: Im Gesamtfonds sank die Zahl der umlaufenden Anteile von 570.876 auf 469.618, während die Anteilklasse EUR I sogar deutlich von 660.934 auf 765.276 Anteile zulegte. Gleichzeitig wurde die Ausgabe der Anteile der Klassen EUR I und EUR S bereits seit 03. Juni 2021 ausgesetzt; für EUR I wurde diese Aussetzung zum 01. September 2026 wieder aufgehoben. Zudem wurden Liquiditätsmanagement-Instrumente und Abwicklungsfristen angepasst. Das zeigt, dass die Gesellschaft die Handelbarkeit und Mittelsteuerung des Fonds aktiv anpasst.
Fazit für Anleger
Der Jahresbericht zeigt einen Fonds, der 2025/2026 trotz geopolitisch bewegter Märkte eine positive Wertentwicklung erreichte, dies aber vor allem dank der Handelsgewinne aus derivativen Strategien. Für Anleger ist dabei zentral: Der Fonds erwirtschaftete kein solides positives laufendes Nettoergebnis, sondern war auf die erfolgreiche Umsetzung seiner Swap-Strategie angewiesen. Die Kosten bleiben spürbar, die Mittelabflüsse im Gesamtfonds waren hoch, und der Erfolg hängt stark von einer komplexen, marktneutralen Multi-Asset- und Derivatearchitektur ab. Der Abschlussprüfer bestätigte den Jahresbericht ohne Einschränkungen als gesetzeskonform und vollständig.