Die Kapitalverwaltungsgesellschaft DWS Grundbesitz GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main legt mit diesem Bericht die Entwicklung des Fonds DWS Infrastruktur Europa RC; DWS Infrastruktur Europa AC; DWS Infrastruktur Europa IC offen. Ein externer Fondsmanager oder Anlageberater wird im Bericht nicht genannt. Aus Anlegersicht fällt vor allem auf: Der Fonds hat sein Volumen im Geschäftsjahr weiter ausgebaut, die Rendite blieb positiv und die Ausschüttung wurde fortgeführt – zugleich bleibt ein sehr großer Teil des Vermögens in Forderungen und Liquidität gebunden, nicht direkt in den Beteiligungen.
Vermögen und Wertentwicklung
Das Fondsvermögen stieg im Geschäftsjahr vom 30. Juni 2025 bis zum 30. Juni 2026 von 451,0 Mio. EUR auf 501,3 Mio. EUR. Treiber waren ein Nettomittelzufluss von 47,6 Mio. EUR sowie das Jahresergebnis; dem standen unter anderem die Vorjahresausschüttung von 19,6 Mio. EUR und Abschreibungen auf Anschaffungsnebenkosten gegenüber. Für Anleger bedeutet das: Der Fonds konnte neue Mittel aufnehmen und zugleich den Wert leicht steigern, ohne sich zu verschulden – die Fremdfinanzierungsquote lag bei 0.
Die Wertentwicklung fiel im Berichtsjahr ordentlich aus, aber nicht spektakulär: 4,5% in der Anteilklasse RC, 5,6% in IC und 5,7% in AC. Seit Auflegung am 27. April 2023 liegt die kumulierte Wertentwicklung bei 14,8% (RC), 19,0% (IC) und 19,2% (AC). Der Anteilwert lag zum Stichtag bei 52,76 EUR (RC), 54,72 EUR (IC) und 54,78 EUR (AC). Die positiven Ergebnisse stammen vor allem aus laufenden Erträgen der Infrastrukturgesellschaften und aus Bewertungszuwächsen; Veräußerungsgewinne spielten nur eine Nebenrolle.
Das Gesamtergebnis des Fonds vor Kosten lag laut Renditerechnung bei 5,94%. Davon entfielen 4,51 Prozentpunkte auf den Nettoertrag aus den Infrastruktur-Projektgesellschaften und 3,61 Prozentpunkte auf Wertänderungen der Beteiligungen. Die Liquidität brachte weitere 1,63%, während sonstige Kosten das Ergebnis um 0,54% minderten. Aus Anlegersicht ist das wichtig, weil die Rendite damit nicht nur aus Kurs- oder Bewertungsgewinnen stammt, sondern auch aus laufenden Zahlungsströmen.
Kosten
Die Fondskosten bleiben ein spürbarer, aber nicht außergewöhnlich hoher Renditeabzug. Auf Gesamtfondsebene summierten sich die Aufwendungen auf 9,0 Mio. EUR; davon entfielen 5,03 Mio. EUR auf die Verwaltungsvergütung, 83.073 EUR auf die Verwahrstelle, 142.582 EUR auf Prüfungs- und Veröffentlichungskosten sowie 372.665 EUR auf sonstige Aufwendungen. Die Gesamtkostenquote betrug 1,14%.
Je nach Anteilklasse fallen die Kosten deutlich unterschiedlich aus: 1,36% in RC, 0,22% in IC und 0,19% in AC. Das ist für Anleger relevant, weil die günstigeren Anteilklassen die Bruttorendite spürbar besser durchreichen. Der Bericht weist zudem aus, dass keine erfolgsabhängige Vergütung berechnet wurde. Das Verhältnis von Kosten zu Erträgen war insgesamt solide: Bei 16,7 Mio. EUR Gesamterträgen und 9,0 Mio. EUR Aufwendungen blieb unter dem Strich ein Jahresergebnis von 23,2 Mio. EUR, wobei der große Ergebnisbeitrag aus nicht realisierten Wertzuwächsen kam.
Portfolio und größte Positionen
Das Portfolio ist klar auf Infrastruktur mit Schwerpunkt Erneuerbare Energien ausgerichtet. Zum Stichtag hielt der Fonds 7 Investments, allesamt über Infrastruktur-Projektgesellschaften und jeweils als Mehrheitsbeteiligungen. Der Gesamtwert dieser Investments lag bei 375,9 Mio. EUR; davon entfallen rund 75% des Fondsvermögens auf Erneuerbare Energien. Konkret sind es fünf Photovoltaik- und zwei Onshore-Windprojekte in Deutschland, Spanien, Schweden und Finnland.
Die größten Einzelpositionen im Beteiligungsvermögen waren Infra2 GmbH & Co. KG mit 58,1 Mio. EUR bzw. 52,5% des Beteiligungsvermögens und Oulainen Energy Oy mit 42,9 Mio. EUR bzw. 38,7%. Infra1 Energy GmbH & Co. KG kam auf 9,8 Mio. EUR. Das spricht für eine sehr konzentrierte Struktur: Wenige, relativ große Einzelbeteiligungen prägen das Ergebnis. Ein Ausfall oder eine schwächere Entwicklung einzelner Assets hätte deshalb spürbare Auswirkungen.
Die Liquiditätsquote lag bei 25,0%. Die Liquidität bestand überwiegend aus kurzlaufenden Staatsanleihen hoher Bonität, unter anderem von Deutschland, der EU, den Niederlanden, Österreich, Belgien, Finnland und Frankreich, sowie aus Bankguthaben. Für Anleger ist das zweischneidig: Einerseits stützt die hohe Liquidität die Rückgabefähigkeit und mindert Zins- und Laufzeitenrisiken; andererseits ist ein Viertel des Fondsvermögens damit nur indirekt im Infrastrukturportfolio investiert.
Risiken und Auffälligkeiten
Aus Anlegersicht auffällig ist zunächst die sehr hohe Forderungsposition: 243,3 Mio. EUR oder 48,5% des Fondsvermögens entfallen auf Forderungen an Infrastruktur-Gesellschaften, hinzu kommen 23,2 Mio. EUR Zinsansprüche. Das ist kein klassisches Problem, sollte aber verstanden werden: Ein erheblicher Teil des Fondsvermögens steckt in internen Darlehen und noch nicht vereinnahmten Zinsen, nicht in frei verfügbaren Kassenbeständen.
Weitere Risikopunkte sind die Konzentration auf nur sieben Projekte, die Abhängigkeit von Strompreisen, PPA-Laufzeiten und regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die Bewertung der Beteiligungen. Der Bericht nennt zudem Rückstellungen von 7,2 Mio. EUR, darunter unter anderem für Akquisitions- und Restrukturierungskosten, latente Steuern und Prüfungsaufwand. Positiv ist, dass der Fonds keine Fremdfinanzierung einsetzt und keine Derivatepositionen ausweist. Zudem verzeichnete er im Berichtszeitraum einen Nettozufluss statt Mittelabflüsse.
Als wesentliche Veränderung gegenüber dem Vorjahr ist der Ausbau des Portfolios auf 7 Beteiligungen hervorzuheben; neu hinzu kam ein Onshore-Windpark in Finnland. Die Ausschüttung wurde ebenfalls leicht angehoben: 2,19 EUR je Anteil in RC, 2,27 EUR in IC und 2,28 EUR in AC, jeweils mit einer Ausschüttungsrendite von rund 4,15% bis 4,16%.
Fazit für Anleger
Der Bericht zeigt einen Fonds, der weiter wächst, laufende Erträge liefert und seine Ausschüttung stabil hält. Gleichzeitig ist er stark auf wenige Infrastrukturprojekte und auf die Struktur von Darlehen und Forderungen ausgerichtet. Das ist aus Anlegersicht kein Makel, aber ein Punkt, den man verstehen sollte: Die Ertragskraft kommt nicht aus einer breiten Streuung, sondern aus einer konzentrierten Sachwertstrategie mit hoher Liquiditätsreserve. Der unabhängige Abschlussprüfer bestätigt, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des KAGB entspricht und ein zutreffendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Sondervermögens vermittelt.