Nach den gewaltsamen Protesten in Frankreich ruft die Bewegung „Gen Z regelt“ für den 31. Oktober zu Demonstrationen in mehreren deutschen Städten auf. Auch in Leipzig ist eine Protestaktion geplant. Der Soziologe und Protestforscher Peter Ullrich erklärt, warum vergleichbare Ausschreitungen in Deutschland weniger wahrscheinlich sind.
Demonstrationen in mehreren Städten geplant
In sozialen Netzwerken verbreiten sich derzeit Aufrufe zu bundesweiten Protestaktionen. Unter dem Motto „Gen Z regelt“ sollen am 31. Oktober unter anderem in Berlin, Hamburg, Frankfurt, München und Leipzig Menschen auf die Straße gehen.
Die Organisatoren beziehen sich dabei auf die jüngsten Proteste in Frankreich. In Leipzig wartet die örtliche Telegram-Gruppe nach Angaben des MDR noch auf die behördliche Bestätigung der geplanten Demonstration.
Einige der verbreiteten Protestbilder zeigen konfrontative Szenen zwischen Demonstrierenden und Polizeikräften. Gleichzeitig distanziert sich die Bewegung ausdrücklich von Gewalt.
Unterschiedliche Protestkultur in Deutschland und Frankreich
Nach Einschätzung des Berliner Soziologieprofessors Peter Ullrich unterscheiden sich die politischen Rahmenbedingungen und der Umgang mit Demonstrationen in beiden Ländern erheblich.
In Frankreich habe sich eine deutlich konfrontativere Protestkultur entwickelt. Als Gründe nennt der Wissenschaftler unter anderem die geringeren politischen Einflussmöglichkeiten außerhalb etablierter Institutionen sowie die historische Bedeutung der Französischen Revolution.
Auch das Vorgehen der Sicherheitskräfte spiele eine entscheidende Rolle. Die französische Polizei sei nach Ullrichs Einschätzung stärker militarisiert und greife bei Protesten häufig früher und härter ein.
In Deutschland seien dagegen Kommunikation, Konfliktvermeidung und Deeskalation stärker Bestandteil polizeilicher Einsatzkonzepte.
Falschmeldungen können Proteste eskalieren lassen
Trotz dieser Unterschiede warnt Ullrich davor, das Risiko gewaltsamer Auseinandersetzungen grundsätzlich auszuschließen.
Besonders unübersichtliche Situationen könnten zu Unsicherheit, Angst und überzogenen Reaktionen führen. Eine wichtige Rolle spielten dabei soziale Netzwerke und die Verbreitung ungeprüfter Informationen.
Falschmeldungen über angebliche Angriffe, Verletzte oder bevorstehende Polizeimaßnahmen könnten sowohl Demonstrierende als auch Einsatzkräfte verunsichern und die Stimmung zusätzlich verschärfen.
Untersuchungen des Protestforschers zeigen, dass sich solche Meldungen häufig schnell verbreiten, obwohl sie sich später als falsch herausstellen.
Keine französischen Verhältnisse erwartet
Ullrichs Einschätzungen zufolge sprechen die unterschiedlichen Protesttraditionen und Polizeistrategien gegen eine direkte Übertragung der gewaltsamen Ereignisse aus Frankreich auf Deutschland.
Dennoch bleibt entscheidend, wie die Demonstrationen organisiert werden, wie die Polizei auf mögliche Konflikte reagiert und welchen Einfluss Informationen aus sozialen Medien auf die Beteiligten haben.