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Nach 115 Jahren endet die Zigarrenproduktion bei Villiger in Deutschland – rund 40 Arbeitsplätze betroffen

Matthias_koll_leverkusen (CC0), Pixabay

Ein traditionsreicher Industriestandort in Baden-Württemberg verliert seine Produktion. Der Schweizer Tabakkonzern Villiger will die Herstellung von Zigarren und Zigarillos im Werk Waldshut-Tiengen bis Ende 2027 vollständig einstellen. Damit endet eine Unternehmensgeschichte, die am Standort im Jahr 1911 begann.

Nach den bekannt gewordenen Plänen soll die Produktion schrittweise an den Schweizer Stammsitz in Pfeffikon sowie an den indonesischen Standort Jember verlagert werden.

Für die Beschäftigten hat diese Entscheidung erhebliche Folgen. Von derzeit rund 190 Arbeitsplätzen in Waldshut-Tiengen sollen etwa 40 wegfallen.

Allerdings zieht sich Villiger nicht vollständig aus Deutschland zurück. Verpackung, Etikettierung, Logistik und Vertrieb sollen weiterhin am Standort verbleiben. Das Unternehmen bezeichnet die Maßnahme als strategische Neuausrichtung.

Als Gründe nennt der Konzern unter anderem Überschneidungen bei Produktionsabläufen, veränderte Marktbedingungen und zunehmende regulatorische Anforderungen an die Tabakindustrie.

Nach Unternehmensangaben sollen die personellen Veränderungen möglichst durch altersbedingtes Ausscheiden, natürliche Fluktuation und interne Versetzungen umgesetzt werden. Betriebsbedingte Kündigungen werden allerdings nicht ausgeschlossen.

Für die betroffenen Beschäftigten ist entscheidend, welche konkreten Maßnahmen das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretungen vereinbart. Ob ein Interessenausgleich oder Sozialplan erforderlich wird, hängt von den gesetzlichen Voraussetzungen und den betrieblichen Umständen ab.

Die Nachricht trifft den Standort zu einem Zeitpunkt, an dem bereits eine weitere Gesellschaft aus dem Unternehmensumfeld wirtschaftliche Schwierigkeiten hat.

Die Villiger-Beteiligung 5th Avenue Products Trading GmbH, die unter anderem kubanische Premium-Zigarren in Deutschland vertreibt, meldete im September 2026 Insolvenz an.

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters soll die wirtschaftliche Krise dieser Gesellschaft auf Auswirkungen europäischer Sanktionen gegen einen mittelbaren Gesellschafter zurückzuführen sein. Diese Darstellung ist von der nun angekündigten Produktionsverlagerung bei Villiger zu unterscheiden. Ein unmittelbarer ursächlicher Zusammenhang zwischen beiden Entwicklungen ist bislang nicht belegt.

Für Waldshut-Tiengen bedeutet die Entscheidung den Verlust eines Teils seiner industriellen Tradition. Auch wenn Villiger weiterhin am Standort vertreten bleiben will, endet mit der geplanten Produktionsschließung ein Kapitel von mehr als einem Jahrhundert.

Der Fall verdeutlicht zugleich, unter welchem Anpassungsdruck traditionsreiche Hersteller stehen. Veränderte Nachfrage, internationale Produktionsstrukturen und steigende Anforderungen können dazu führen, dass selbst jahrzehntelang etablierte Fertigungsstandorte aufgegeben werden.

Für die rund 40 voraussichtlich betroffenen Beschäftigten wird nun entscheidend sein, ob sich innerhalb des Unternehmens neue berufliche Perspektiven eröffnen oder tatsächlich Kündigungen ausgesprochen werden.

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