Dark Mode Light Mode

Windpark Bohmstedt: Verbindlichkeiten sinken um 929.000 Euro – doch kurzfristige Schulden und Gesellschafterforderungen steigen deutlich

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Bilanzsumme schrumpft auf 9,14 Millionen Euro

Die Windpark Bohmstedt GmbH & Co. KG mit Sitz in Bohmstedt im Kreis Nordfriesland hat ihre Handelsbilanz für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2025 offengelegt.

Die Bilanzsumme verringerte sich von 10.045.072,35 Euro zum Jahresende 2024 auf 9.136.661,34 Euro zum 31. Dezember 2025.

Das entspricht einem Rückgang um 908.411,01 Euro beziehungsweise rund neun Prozent.

Die Gesellschaft weist damit deutlich weniger Vermögenswerte und Finanzierungsmittel aus als im Vorjahr.

Der Rückgang betrifft vor allem das Anlagevermögen.

Gleichzeitig konnten die gesamten Verbindlichkeiten spürbar reduziert werden.

Die Bilanz zeigt somit eine Verkleinerung der Vermögensbasis bei gleichzeitig sinkender Gesamtverschuldung.

Ob diese Entwicklung auf eine planmäßige Rückführung der Finanzierung, die laufende Abschreibung bestehender Windkraftanlagen oder weitere wirtschaftliche Vorgänge zurückzuführen ist, lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen nicht vollständig nachvollziehen.

Sachanlagen verlieren fast 1,2 Millionen Euro an Buchwert

Besonders deutlich ist der Rückgang bei den Sachanlagen.

Ihr Bilanzwert sank von 7.055.815 Euro Ende 2024 auf 5.858.255 Euro Ende 2025.

Damit verringerte sich diese Position um 1.197.560 Euro beziehungsweise knapp 17 Prozent.

Im Anhang erläutert die Gesellschaft, dass das Sachanlagevermögen zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten angesetzt und über die voraussichtliche Nutzungsdauer linear abgeschrieben wird.

Ein erheblicher Rückgang des Buchwerts kann daher mit planmäßigen Abschreibungen zusammenhängen.

Die veröffentlichten Angaben enthalten allerdings keinen detaillierten Anlagenspiegel.

Deshalb ist nicht erkennbar, wie hoch die tatsächlichen Abschreibungen im Jahr 2025 waren und ob zusätzlich Anlagen verkauft, ausgebucht oder neu angeschafft wurden.

Der Rückgang der Sachanlagen um fast 1,2 Millionen Euro darf deshalb nicht automatisch als wirtschaftlicher Verlust interpretiert werden.

Ebenso wenig lässt sich daraus unmittelbar auf den technischen Zustand oder den aktuellen Marktwert der Windkraftanlagen schließen.

Finanzanlagen steigen auf 1,86 Millionen Euro

Während die Sachanlagen deutlich zurückgingen, erhöhte sich der Wert der Finanzanlagen.

Diese stiegen von 1.747.500 Euro auf 1.857.350,85 Euro.

Das entspricht einem Zuwachs um 109.850,85 Euro beziehungsweise rund 6,3 Prozent.

Die Finanzanlagen machen damit inzwischen einen erheblichen Teil des gesamten Anlagevermögens aus.

Ihr Anteil am Anlagevermögen beträgt rechnerisch rund 24 Prozent.

Welche konkreten Beteiligungen, Ausleihungen oder sonstigen Finanzinstrumente hinter dieser Bilanzposition stehen, geht aus dem vorliegenden Abschluss nicht hervor.

Auch die Ursache des Anstiegs bleibt unklar.

Für die wirtschaftliche Beurteilung wäre insbesondere relevant, welche Erträge diese Finanzanlagen erwirtschaften und ob mit ihnen zusätzliche Risiken verbunden sind.

Der veröffentlichte Anhang enthält hierzu keine näheren Angaben.

Bankguthaben steigen um mehr als 293.000 Euro

Eine positive Entwicklung zeigt sich bei den liquiden Mitteln.

Die Bankguthaben und sonstigen Zahlungsmittel erhöhten sich von 664.609,32 Euro auf 957.892,80 Euro.

Das entspricht einem Zuwachs um 293.283,48 Euro beziehungsweise rund 44,1 Prozent.

Damit verfügt die Gesellschaft zum Bilanzstichtag über deutlich mehr liquide Mittel als ein Jahr zuvor.

Dieser Anstieg kann die kurzfristige finanzielle Handlungsfähigkeit verbessern.

Allerdings ist nicht bekannt, aus welchen Zahlungsströmen der zusätzliche Bestand stammt.

Möglich wären beispielsweise laufende operative Einnahmen, Veränderungen bei Forderungen, Finanzierungsmaßnahmen oder andere Geschäftsvorgänge.

Ohne Kapitalflussrechnung lässt sich die Ursache nicht eindeutig bestimmen.

Ebenso bleibt offen, ob die ausgewiesenen Bankguthaben vollständig frei verfügbar sind oder teilweise besonderen Verfügungsbeschränkungen unterliegen.

Forderungen sinken um knapp 114.000 Euro

Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände gingen von 577.148,03 Euro auf 463.162,69 Euro zurück.

Damit verringerte sich diese Bilanzposition um 113.985,34 Euro beziehungsweise rund 19,7 Prozent.

Die Forderungen gegenüber Gesellschaftern sanken leicht von 4.023,53 Euro auf 3.504,84 Euro.

Nach den Angaben im Anhang bestehen keine Forderungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.

Die ausgewiesenen Forderungen sind somit vollständig kurzfristig.

Insgesamt stieg das Umlaufvermögen trotz des Forderungsrückgangs von 1.241.757,35 Euro auf 1.421.055,49 Euro.

Der Zuwachs von 179.298,14 Euro ist auf den deutlichen Anstieg der liquiden Mittel zurückzuführen.

Gesamtverbindlichkeiten um rund zwölf Prozent gesunken

Auf der Passivseite fällt der erhebliche Rückgang der Verbindlichkeiten auf.

Ende 2024 betrugen sie noch 7.745.425,04 Euro.

Zum Jahresende 2025 waren es 6.816.337,45 Euro.

Die Gesellschaft reduzierte ihre ausgewiesenen Verbindlichkeiten damit um 929.087,59 Euro beziehungsweise rund zwölf Prozent.

Das ist zunächst ein positives Signal.

Eine geringere Gesamtverschuldung kann die künftige finanzielle Belastung reduzieren und die wirtschaftliche Stabilität verbessern.

Allerdings zeigt die nähere Betrachtung, dass sich die Struktur der Schulden verändert hat.

Während die Gesamtverbindlichkeiten sanken, nahmen die kurzfristigen Verpflichtungen zu.

Gerade dieser Unterschied ist für die Bewertung der finanziellen Situation entscheidend.

Kurzfristige Schulden steigen auf mehr als zwei Millionen Euro

Die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr erhöhten sich von 1.850.697,04 Euro auf 2.044.417,45 Euro.

Das entspricht einem Anstieg um 193.720,41 Euro beziehungsweise rund 10,5 Prozent.

Damit muss die Gesellschaft zum Bilanzstichtag rechnerisch einen größeren Teil ihrer Verpflichtungen innerhalb der folgenden zwölf Monate erfüllen.

Gleichzeitig beträgt das Umlaufvermögen nur 1.421.055,49 Euro.

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten übersteigen das Umlaufvermögen somit um 623.361,96 Euro.

Im Vorjahr lag diese Differenz bei 608.939,69 Euro.

Die rechnerische Unterdeckung hat sich damit leicht vergrößert.

Auch die deutlich gestiegenen Bankguthaben reichen für sich genommen nicht aus, um sämtliche kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken.

Allerdings ist diese Gegenüberstellung eine stichtagsbezogene Betrachtung.

Sie berücksichtigt keine künftigen Einnahmen aus dem laufenden Geschäft und keine möglicherweise verfügbaren Finanzierungszusagen.

Eine Zahlungsunfähigkeit oder drohende Insolvenz lässt sich daraus nicht ableiten.

Dennoch ist die Höhe der kurzfristigen Verpflichtungen ein wichtiger Punkt, der bei der Bewertung des Windparks nicht übersehen werden sollte.

Gesellschafterverbindlichkeiten steigen auf 1,89 Millionen Euro

Besonders auffällig ist die Entwicklung der Schulden gegenüber Gesellschaftern.

Diese erhöhten sich von 1.670.147,28 Euro Ende 2024 auf 1.886.993,65 Euro Ende 2025.

Das entspricht einem Anstieg um 216.846,37 Euro beziehungsweise rund 13 Prozent.

Damit entfallen rechnerisch etwa 27,7 Prozent der gesamten Verbindlichkeiten auf Verpflichtungen gegenüber Gesellschaftern.

Diese Position ist für die Finanzierung der Gesellschaft von erheblicher Bedeutung.

Gesellschafterdarlehen oder andere Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern können eine wichtige Finanzierungsquelle darstellen.

Sie sind allerdings nicht mit Eigenkapital gleichzusetzen, solange sie bilanziell als Verbindlichkeiten ausgewiesen werden.

Ob die Zunahme auf neue Darlehen, aufgelaufene Zinsen, Abrechnungen oder andere Vorgänge zurückzuführen ist, wird nicht erläutert.

Auch die Fälligkeiten und vertraglichen Bedingungen dieser Verpflichtungen sind aus den vorliegenden Angaben nicht ersichtlich.

Deshalb bleibt offen, wie stark die Gesellschafterfinanzierung die Liquidität der Gesellschaft künftig beanspruchen könnte.

Keine Verbindlichkeiten mit mehr als fünf Jahren Restlaufzeit

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt betrifft die langfristige Finanzierung.

Zum Jahresende 2024 bestanden noch Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren in Höhe von 280.688 Euro.

Ende 2025 wird diese Position mit null Euro ausgewiesen.

Damit verfügt die Gesellschaft nach der veröffentlichten Bilanz über keine bilanzierten Verbindlichkeiten mehr, deren Restlaufzeit fünf Jahre überschreitet.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche langfristigen Schulden getilgt wurden.

Aus den Bilanzzahlen ergibt sich vielmehr, dass weiterhin erhebliche Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit zwischen einem und fünf Jahren bestehen können.

Rechnerisch belaufen sich die Verbindlichkeiten mit mehr als einem Jahr Restlaufzeit auf 4.771.920 Euro.

Der Rückgang der Position mit über fünf Jahren Restlaufzeit kann auch durch den bloßen Zeitablauf entstehen.

Die Gesellschaft nennt zudem die Abtretung von Forderungen als Sicherungsform für Verbindlichkeiten.

Welche Forderungen betroffen sind und in welchem Umfang sie als Sicherheit dienen, wird nicht näher erläutert.

Eigenkapital bleibt unverändert bei zwei Millionen Euro

Das ausgewiesene Eigenkapital beträgt zum 31. Dezember 2025 unverändert 2.000.000 Euro.

Es besteht vollständig aus Kapitalanteilen der Kommanditisten.

Ein gesonderter Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird sowohl für 2025 als auch für 2024 mit null Euro ausgewiesen.

Diese Darstellung erlaubt allerdings keinen unmittelbaren Rückschluss auf das tatsächlich erwirtschaftete Jahresergebnis.

Bei einer Kommanditgesellschaft können Gewinne und Verluste über Gesellschafterkonten verrechnet oder verteilt werden.

Dass das Eigenkapital unverändert blieb, bedeutet deshalb nicht zwingend, dass das Unternehmen exakt kostendeckend gearbeitet hat.

Ohne Gewinn- und Verlustrechnung sowie ergänzende Angaben zu Ergebnisverwendung und Gesellschafterkonten lässt sich die Ertragslage nicht abschließend beurteilen.

Eigenkapitalquote verbessert sich rechnerisch

Obwohl das Eigenkapital unverändert blieb, erhöhte sich die Eigenkapitalquote.

Ende 2024 lag sie bei rund 19,9 Prozent.

Zum Jahresende 2025 stieg sie auf etwa 21,9 Prozent.

Die Verbesserung um rund zwei Prozentpunkte ergibt sich aus der gesunkenen Bilanzsumme.

Das ist grundsätzlich ein positives Merkmal der Bilanzstruktur.

Allerdings bleibt die Gesellschaft weiterhin überwiegend fremdfinanziert.

Die gesamten Verbindlichkeiten entsprechen rund 74,6 Prozent der Bilanzsumme.

Hinzu kommen Rückstellungen.

Die wirtschaftliche Stabilität hängt daher weiterhin wesentlich davon ab, dass die laufenden Einnahmen ausreichen, um Verpflichtungen gegenüber Gläubigern und Gesellschaftern zu erfüllen.

Rückstellungen steigen auf über 320.000 Euro

Die Rückstellungen erhöhten sich von 299.647,31 Euro auf 320.323,89 Euro.

Das entspricht einem Zuwachs um 20.676,58 Euro beziehungsweise rund 6,9 Prozent.

Im Anhang erläutert die Gesellschaft allgemein, dass Steuerrückstellungen für noch nicht veranlagte Steuern gebildet wurden.

Sonstige Rückstellungen sollen weitere ungewisse Verbindlichkeiten berücksichtigen.

Eine detaillierte Aufteilung der Rückstellungen wird jedoch nicht veröffentlicht.

Damit bleibt offen, welcher Anteil auf Steuern, mögliche Rückbauverpflichtungen oder andere Risiken entfällt.

Gerade bei Windparkgesellschaften können Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem späteren Rückbau von Anlagen relevant sein.

Ob und in welcher Höhe solche Verpflichtungen in den ausgewiesenen Rückstellungen enthalten sind, lässt sich anhand der vorliegenden Unterlagen allerdings nicht feststellen.

Windparkgesellschaft beschäftigt keine eigenen Arbeitnehmer

Nach den Angaben im Jahresabschluss beschäftigte die Windpark Bohmstedt GmbH & Co. KG im Jahr 2025 durchschnittlich keine eigenen Arbeitnehmer.

Die ausgewiesene durchschnittliche Beschäftigtenzahl beträgt 0,0.

Das ist bei projektbezogenen Gesellschaften nicht ungewöhnlich.

Betrieb, Wartung, kaufmännische Verwaltung und weitere Dienstleistungen können durch externe Unternehmen oder andere Gesellschaften übernommen werden.

Welche Dienstleister für den Windpark Bohmstedt tätig sind, wird im veröffentlichten Anhang nicht genannt.

Aus der Beschäftigtenzahl von null lässt sich deshalb nicht schließen, dass der Windpark ohne laufende Betreuung betrieben wird.

Wesentliche Informationen zur Ertragslage fehlen

Für eine vollständige wirtschaftliche Bewertung reicht die veröffentlichte Handelsbilanz nicht aus.

Die vorliegenden Unterlagen enthalten keine detaillierte Gewinn- und Verlustrechnung.

Damit fehlen zentrale Angaben zu den Umsatzerlösen, den Betriebskosten, den Abschreibungen, den Zinsaufwendungen und dem Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag.

Auch die tatsächliche Stromproduktion und die Erlöse aus der Stromvermarktung werden nicht ausgewiesen.

Gerade bei einem Windpark wären diese Informationen wichtig.

Denn hohe bilanzielle Vermögenswerte sagen allein wenig darüber aus, wie rentabel die Anlagen betrieben werden.

Auch ein steigender Bankbestand beweist nicht automatisch, dass der laufende Betrieb profitabler geworden ist.

Ebenso wenig kann aus dem Rückgang der Sachanlagen auf einen operativen Verlust geschlossen werden.

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Gesellschaft bleibt deshalb nur eingeschränkt beurteilbar.

Jahresabschluss bereits im Mai festgestellt

Der Jahresabschluss wurde am 20. Mai 2026 in Bohmstedt unterzeichnet.

Als Geschäftsführer werden Andreas Petersen und Wolfgang Paulsen genannt.

Nach den veröffentlichten Angaben wurde der Abschluss am selben Tag festgestellt.

Die Veröffentlichung erfolgte am 15. Oktober 2026.

Die Gesellschaft ist beim Registergericht Flensburg unter der Registernummer 1612 eingetragen.

Der Jahresabschluss wurde nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs unter Berücksichtigung der ergänzenden Bestimmungen für Kleinstkapitalgesellschaften aufgestellt.

Ein gesonderter Prüfungsvermerk ist in den bereitgestellten Unterlagen nicht enthalten.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Insolvenzantrag der yellow design/yellow lab Management GmbH mangels Masse abgewiesen

Next Post

Covestro: Deutsche Bank sichert mögliche Nachzahlung von bis zu 5,95 Euro je Aktie ab – neue Entwicklung beim Squeeze-out