Der Bankhaus Seeliger VV Dynamisch hat das Geschäftsjahr vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 aus Anlegersicht überzeugend abgeschlossen. Der weltweit investierende vermögensverwaltende Fonds kombiniert Aktien, Anleihen und alternative Anlagen und verfolgt dabei einen aktiven Ansatz. Zum Geschäftsjahresende betrug die tatsächliche Aktienquote 72 %, während 18 % auf Rentenanlagen, 5 % auf alternative Anlagen und 5 % auf Liquidität entfielen. Regional lag der Schwerpunkt klar auf den USA mit 58 % der Aktienallokation, gefolgt von Europa mit 36 % und den Emerging Markets mit 6 %.
Besonders positiv fällt die Wertentwicklung von 12,23 % nach BVI-Methode im Berichtsjahr auf. Damit erzielte der Fonds trotz geopolitischer Unsicherheiten und eines anspruchsvollen Zins- und Kapitalmarktumfeldes eine zweistellige Rendite. Das Ergebnis wurde vor allem von Kurssteigerungen getragen: Das Geschäftsjahresergebnis belief sich auf rund 5,20 Mio. Euro, davon entfielen rund 4,73 Mio. Euro auf nicht realisierte Gewinne. Das realisierte Ergebnis betrug dagegen lediglich 471.070 Euro. Für Anleger bedeutet dies allerdings auch, dass ein großer Teil des Jahreserfolgs zum Bilanzstichtag noch aus Buchgewinnen bestand und damit von der weiteren Kapitalmarktentwicklung abhängig bleibt.
Die Portfoliostrategie ist deutlich wachstumsorientiert. Das Management setzte im Aktienbereich auf rund 40 Einzeltitel und konzentrierte sich bei deren Auswahl auf Unternehmensqualität, Wachstumsaussichten, langfristige Wertschaffung und Bewertung. Gleichzeitig wurde das bisherige Untergewicht in Schwellenländern aufgehoben. Zu den im Berichtsjahr neu aufgenommenen beziehungsweise ausgebauten Qualitätswerten gehörten unter anderem ASML, Eli Lilly, Broadcom, Hannover Rück, S&P Global, Uber Technologies und Hermès. Die Kombination aus Einzeltiteln und ETFs ermöglicht einerseits eine breite Diversifikation und andererseits die gezielte Umsetzung einzelner Investmentideen.
Auch die Entwicklung des Fondsvolumens ist positiv zu bewerten. Das Sondervermögen stieg von rund 39,01 Mio. Euro auf 50,19 Mio. Euro. Neben der guten Kapitalmarktentwicklung profitierte der Fonds von Netto-Mittelzuflüssen von 6,22 Mio. Euro: Anteilscheinverkäufen von 9,51 Mio. Euro standen Rücknahmen von lediglich 3,29 Mio. Euro gegenüber. Die Zahl der umlaufenden Anteile erhöhte sich gleichzeitig von 344.949 auf 397.258, während der Anteilwert von 113,08 Euro auf 126,35 Euro stieg. Die Nettozuflüsse können als Zeichen einer weiterhin guten Anlegernachfrage interpretiert werden.
Ein wesentlicher Kritikpunkt ist allerdings die Kostenbelastung. Die Gesamtkostenquote betrug 1,54 % und lag damit deutlich über den Kosten einfacher passiver ETF-Lösungen. Zusätzlich weist der Bericht eine erfolgsabhängige Vergütung von 1,20 % des durchschnittlichen Nettoinventarwertes aus. Zum Bilanzstichtag waren zudem rund 521.320 Euro als Performance Fee als Verbindlichkeit ausgewiesen. Gerade langfristig müssen Anleger deshalb prüfen, ob das aktive Management nach Kosten tatsächlich einen nachhaltigen Mehrwert gegenüber günstigeren, breit diversifizierten ETF-Portfolios erzeugt.
Das Risikoprofil bleibt aufgrund der hohen Aktienquote vergleichsweise offensiv. Neben allgemeinen Aktienmarkt- und Währungsrisiken besteht insbesondere eine deutliche Abhängigkeit vom US-Aktienmarkt. Das Management reagierte dagegen im Rentenbereich vorsichtiger: Aufgrund steigender fiskalischer und geopolitischer Risiken wurden Unternehmens- und Emerging-Markets-Anleihen teilweise reduziert und die Kreditrisiken defensiver positioniert. Gleichzeitig kamen zum Stichtag keine Derivatepositionen zum Einsatz; der Wertpapierbestand entsprach 96,37 % des Fondsvermögens.
Die Ausschüttung fällt mit 0,50 Euro je Anteil beziehungsweise insgesamt rund 198.629 Euro relativ gering aus. Ein großer Teil der verfügbaren Erträge wurde stattdessen auf neue Rechnung vorgetragen. Der Fonds eignet sich damit weniger für Anleger, die hohe laufende Ausschüttungen erwarten, sondern stärker für Investoren, die auf langfristigen Vermögenszuwachs und eine aktiv gesteuerte globale Asset-Allokation setzen.
Fazit aus Anlegersicht: Der Jahresbericht vermittelt insgesamt ein positives Bild. Die zweistellige Wertentwicklung, der deutliche Anstieg des Fondsvermögens, hohe Netto-Mittelzuflüsse und die breite Streuung über Aktien, Anleihen und alternative Anlagen sprechen für das Produkt. Gleichzeitig sollte die gute Jahresperformance nicht isoliert betrachtet werden, da ein erheblicher Teil des Ergebnisses aus noch nicht realisierten Kursgewinnen stammt. Die mit 72 % hohe Aktienquote sowie der Schwerpunkt auf den USA sorgen für entsprechendes Schwankungspotenzial. Der wichtigste Kritikpunkt bleibt jedoch die Kostenstruktur mit einer Gesamtkostenquote von 1,54 % und einer zusätzlich ausgewiesenen erfolgsabhängigen Vergütung. Für risikobereite, langfristig orientierte Anleger erscheint der Fonds grundsätzlich attraktiv; entscheidend wird jedoch sein, ob das aktive Management seine Mehrkosten auch über mehrere Marktzyklen hinweg durch eine überdurchschnittliche risikobereinigte Rendite rechtfertigen kann.
Gesamturteil: positiv mit Einschränkungen – starke Performance und überzeugende Mittelzuflüsse, aber erhöhte Kosten und ein aktienlastiges Risikoprofil.