Der 3D Invest Top Select blickt für den Berichtszeitraum vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 auf ein insgesamt erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Der aktiv gemanagte Fonds verfolgt einen sehr flexiblen Ansatz ohne festen Vergleichsindex und kombiniert vor allem deutsche Small- und Midcaps mit internationalen Qualitätsaktien sowie Anleihen und Rohstoffinvestments. Ziel ist ein langfristig hoher Wertzuwachs bei gleichzeitiger Begrenzung größerer Verluste.
Die Wertentwicklung fällt zunächst überzeugend aus. Die Anteilklasse R erzielte im Berichtszeitraum 9,19 %, die institutionelle Anteilklasse I 9,68 %. Dabei stammten die wesentlichen realisierten Gewinne aus deutschen Aktien. Positiv ist zudem, dass der Fonds trotz zwischenzeitlicher Belastungen durch geopolitische Unsicherheiten und schwächere deutsche Aktienmärkte ein deutlich positives Jahresergebnis erreichen konnte. Da sich der Fonds allerdings ausdrücklich an keinem Vergleichsindex orientiert, lässt sich aus dem Jahresbericht nicht ableiten, ob das Management gegenüber einem relevanten Aktien- oder Mischfondsindex tatsächlich Mehrwert geschaffen hat.
Bemerkenswert ist das starke Wachstum des Fondsvermögens. Dieses erhöhte sich innerhalb des Geschäftsjahres von rund 33,8 Mio. Euro auf 51,7 Mio. Euro. Ein großer Teil dieses Wachstums stammt nicht nur aus Kursgewinnen, sondern aus Netto-Mittelzuflüssen von rund 13,65 Mio. Euro. Das Jahresergebnis selbst steuerte rund 4,71 Mio. Euro bei. Die hohen Zuflüsse können als Zeichen wachsender Anlegernachfrage gewertet werden, sollten jedoch nicht mit Anlageerfolg verwechselt werden.
Das Portfolio besitzt einen klar offensiven Charakter. Zum Geschäftsjahresende entfielen 82,39 % des Fondsvermögens auf Aktien, lediglich 4,82 % auf Anleihen, 5,01 % auf Investmentfonds, 6,22 % auf Zertifikate und nur 2,22 % auf Bankguthaben. Gegenüber dem Vorjahr blieb die Aktienquote damit auf sehr hohem Niveau. Besonders auffällig ist die starke Konzentration auf Deutschland: Deutsche Aktien machten rund 60,5 % des gesamten Fondsvermögens aus. Innerhalb des Aktienportfolios lag ihr Anteil laut Management sogar bei gut 73 %. Industrie- und Technologiewerte stellten dabei jeweils etwa ein Viertel des Aktienportfolios.
Diese Positionierung bietet Chancen, stellt aus Anlegersicht aber zugleich das größte Risiko dar. Der Fonds kann über deutsche Nebenwerte wie Basler, Bechtle, JOST Werke, 2G Energy oder GRENKE überdurchschnittlich von einer Erholung des deutschen Mittelstands und von Investitionstrends wie Digitalisierung, Automatisierung und KI profitieren. Einzelne Aktienpositionen sind mit meist rund 2 bis 2,5 % des Fondsvermögens vergleichsweise überschaubar gewichtet, wodurch das unternehmensspezifische Risiko begrenzt wird. Gleichzeitig bleibt jedoch ein erhebliches Länder-, Small-/Midcap- und Konjunkturrisiko, da die Entwicklung deutscher Industrie- und Technologiewerte großen Einfluss auf den Fonds hat.
Positiv ist die zusätzliche Diversifikation außerhalb Deutschlands. So wurde im Berichtsjahr eine China-Position aufgebaut; der Xtrackers CSI300 erreichte zum Stichtag 4,16 % des Fondsvermögens. Hinzu kommen Rohstoffpositionen, insbesondere Gold und Platin. Goldpositionen allein machten über verschiedene Zertifikate mehr als 4 % des Fonds aus. Das Management zeigte dabei taktische Flexibilität: Nachdem die Edelmetallquote zwischenzeitlich auf über 10 % gestiegen war, wurden Positionen angesichts einer aus Sicht des Managements eingetretenen Überhitzung wieder reduziert.
Kritisch zu beurteilen ist dagegen die Kostenstruktur. Die Gesamtkostenquote beträgt in der für Privatanleger relevanten R-Anteilklasse 1,67 % pro Jahr, hinzu kam im Geschäftsjahr eine separat ausgewiesene erfolgsabhängige Vergütung von 0,51 % des durchschnittlichen Nettoinventarwerts. Bei der institutionellen I-Klasse liegt die Gesamtkostenquote mit 1,07 % niedriger, allerdings wurde hier eine erfolgsabhängige Vergütung von 0,61 % ausgewiesen. Zusätzlich entstanden auf Fondsebene Transaktionskosten von rund 94.500 Euro. Gerade für langfristige Anleger muss das aktive Management daher dauerhaft einen entsprechenden Mehrwert erwirtschaften, um diesen Kostennachteil gegenüber kostengünstigen passiven Anlagen zu rechtfertigen.
Auch die Ertragsrechnung zeigt deutlich, woher die Rendite stammt. In der volumenmäßig dominierenden I-Anteilklasse lagen die laufenden Erträge bei rund 496.000 Euro, während die Aufwendungen rund 801.000 Euro erreichten. Das ordentliche Nettoergebnis war deshalb mit rund –305.000 Euro negativ. Entscheidend für das positive Gesamtergebnis waren vielmehr realisierte Kursgewinne: Gewinne aus Veräußerungsgeschäften von rund 8,40 Mio. Euro standen realisierten Verlusten von rund 3,33 Mio. Euro gegenüber. Daraus entstand ein positives Veräußerungsergebnis von rund 5,07 Mio. Euro. Für einen wachstumsorientierten Aktienfonds ist dies grundsätzlich nicht ungewöhnlich, es zeigt aber, dass der Anlageerfolg stark von erfolgreichen Aktienauswahl- und Timingentscheidungen abhängig ist.
Ein weiterer Punkt verdient Beachtung: Die Historie des Fonds ist noch sehr kurz. Die Anteilklassen wurden erst im Juni 2024 aufgelegt. Damit existieren bislang lediglich zwei Geschäftsjahre, sodass die Qualität des Managements über einen vollständigen Börsen- und Konjunkturzyklus noch nicht beurteilt werden kann. Gerade bei einem aktiv und taktisch gesteuerten Fonds mit Performance Fee wäre eine mehrjährige Erfolgsbilanz besonders wichtig.
Anlegerfazit: Der 3D Invest Top Select liefert im Berichtsjahr mit knapp 10 % Wertzuwachs ein gutes Ergebnis und konnte zugleich erhebliche neue Anlegergelder gewinnen. Interessant sind insbesondere der flexible Managementansatz, die gezielte Auswahl deutscher Nebenwerte sowie die taktische Beimischung von China, Edelmetallen und internationalen Qualitätsaktien. Dem stehen jedoch eine sehr hohe Aktienquote, eine ausgeprägte Deutschland- und Small-/Midcap-Ausrichtung sowie vergleichsweise hohe laufende und erfolgsabhängige Kosten gegenüber.
Aus Portfoliosicht erscheint der Fonds daher eher als aktiv gemanagtes Satelliteninvestment denn als breit diversifiziertes Basisinvestment. Entscheidend für die weitere Beurteilung wird sein, ob das Management seine bisherige positive Entwicklung auch in schwächeren Börsenphasen fortsetzen und nach Kosten langfristig einen klaren Mehrwert gegenüber günstigeren, breiter diversifizierten Alternativen erzielen kann.