Stand: 27. September 2026, 16 Uhr
Von neuen Verbraucherrechten über Betrugsfälle und Verkehrsprobleme bis hin zu Versorgungsfragen: In den deutschen Bundesländern gab es seit Samstag zahlreiche Entwicklungen, die für Bürgerinnen und Bürger von Interesse sind. Das Verbraucherschutzforum gibt einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Themen aus allen 16 Bundesländern.
Baden-Württemberg: Warnung vor unseriösen Notdiensten
Ein Fall aus Engen zeigt erneut, wie teuer die Suche nach einem schnellen Handwerker oder Schädlingsbekämpfer werden kann. Eine Frau berichtet, für einen Einsatz gegen Ameisen rund 2.000 Euro bezahlt zu haben. Polizei und Staatsanwaltschaft beschäftigen sich mit dem Fall. Die Polizei weist darauf hin, dass überhöhte Forderungen und problematische Abrechnungen bei kurzfristig über das Internet gefundenen Notdiensten immer wieder vorkommen. Verbraucher sollten deshalb möglichst vor Beginn der Arbeiten einen verbindlichen Gesamtpreis vereinbaren und sich nicht unter Druck setzen lassen.
Aktuell kam es außerdem zu einem größeren Brand auf einer Reitanlage in Tübingen. Zehn Bewohner konnten sich retten, ebenso 47 Pferde.
Bayern: Schwerer Reisebusunfall auf der A96
Auf der A96 bei Buchloe im Ostallgäu ist am Sonntag ein Reisebus umgekippt. Nach ersten Angaben der Polizei kamen zwei Menschen ums Leben, mehrere weitere wurden verletzt. Die Ermittlungen zum Unfallhergang laufen.
Ebenfalls für Verbraucher interessant ist ein aktueller Betrugsfall aus Oberfranken. In Lichtenfels versuchten Täter mit einem sogenannten Schockanruf, von einem 78-Jährigen 100.000 Euro zu erlangen. Der Mann und sein Sohn schalteten die Polizei ein. Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen und befinden sich in Untersuchungshaft. Der Fall zeigt erneut: Polizei, Staatsanwaltschaften oder Gerichte verlangen niemals telefonisch die Übergabe hoher Bargeldsummen an unbekannte Abholer.
Berlin: Marathon sorgt für erhebliche Verkehrseinschränkungen
Der Berlin-Marathon bestimmt am Sonntag große Teile des Verkehrsgeschehens in der Hauptstadt. Für den 52. Berlin-Marathon sind mehr als 56.000 Läuferinnen und Läufer gemeldet. Zusammen mit weiteren Wettbewerben umfasst die Veranstaltung rund 84.000 Teilnehmer aus 162 Nationen. Zahlreiche Straßen sind gesperrt, einige Einschränkungen bleiben auch nach dem Marathon bestehen.
Für Verbraucher und Pendler bedeutet dies: Wer in Berlin unterwegs ist, sollte mehr Zeit einplanen und möglichst auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen.
Brandenburg: Trinkwasser bleibt ein wichtiges Verbraucherthema
Im Raum Seelow beschäftigt die Trinkwasserbelastung weiterhin zahlreiche Haushalte. Nach einer bakteriellen Verunreinigung wurde eine rund 1,5 Kilometer lange Bypassleitung verlegt. Die Wasserqualität hat sich nach Angaben des Landkreises verbessert. Das Abkochgebot bleibt jedoch zunächst bestehen. Weitere Laborergebnisse werden erwartet.
Für Betroffene gilt deshalb weiterhin: Leitungswasser entsprechend den behördlichen Vorgaben abkochen und eine offizielle Entwarnung abwarten.
Bremen: 6.000 Liter Diesel gestohlen
In Bremen-Burglesum haben unbekannte Täter auf dem Gelände eines Logistikunternehmens rund 6.000 Liter Dieselkraftstoff aus Lastwagen und einem Kran abgepumpt. Nach Angaben der Polizei liegt der Schaden deutlich über 10.000 Euro. Wegen der großen Kraftstoffmenge gehen die Ermittler davon aus, dass geeignete Fahrzeuge oder Behälter zum Abtransport eingesetzt wurden.
Hamburg: Schwerer Verkehrsunfall in Lokstedt
In Hamburg-Lokstedt wurde in der Nacht zum Sonntag eine 23 Jahre alte Frau von einem Auto erfasst und lebensgefährlich verletzt. Der Unfall ereignete sich am Lokstedter Steindamm in Höhe der Bushaltestelle Veilchenweg. Die Polizei untersucht den genauen Unfallhergang.
Hessen: Ungewöhnlich hohe Temperaturen
Hessen erlebt Ende September noch einmal ungewöhnlich warmes Wetter. In den kommenden Tagen sind örtlich Temperaturen bis etwa 30 Grad möglich. Für Ende September sind solche Werte deutlich überdurchschnittlich.
Gerade ältere Menschen und Menschen mit gesundheitlichen Problemen sollten bei ungewöhnlich hohen Temperaturen weiterhin auf ausreichendes Trinken und körperliche Schonung achten.
Mecklenburg-Vorpommern: Großbrand in Bützow
In Bützow im Landkreis Rostock ist am Sonntag ein Autohaus in Brand geraten. Wegen der starken Rauchentwicklung wurden Anwohner aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und den Bereich zu meiden. Verletzte waren zunächst nicht bekannt.
Bei größeren Bränden sollten Anwohner behördliche Warnungen ernst nehmen und insbesondere Lüftungs- und Klimaanlagen gegebenenfalls ausschalten.
Niedersachsen: Bürger sollen leichter Informationen von Behörden erhalten
Für Verbraucher und Bürger besonders interessant ist eine geplante Änderung beim Zugang zu Behördeninformationen. SPD und Grüne haben sich nach Informationen des NDR auf Eckpunkte für ein Transparenzgesetz verständigt.
Vorgesehen sind individuelle Informationsanfragen sowie ein Transparenzregister. Bürger könnten damit einen rechtlichen Anspruch auf bestimmte Informationen staatlicher Stellen erhalten. Niedersachsen gehört bislang zu den Ländern ohne eigenes allgemeines Informationsfreiheitsgesetz.
Nordrhein-Westfalen: Regionalzüge und S-Bahnen zunehmend unpünktlich
Für Pendler gibt es schlechte Nachrichten: Die Pünktlichkeit von S-Bahnen und Regionalzügen in Nordrhein-Westfalen hat sich verschlechtert. Nach vorläufigen Zahlen waren im ersten Halbjahr 2026 rund 30 Prozent der Züge verspätet. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es rund 25 Prozent. Als wesentliche Ursache gilt die sanierungsbedürftige Infrastruktur.
Für Verbraucher bedeutet dies weiterhin erhebliche Belastungen im täglichen Berufs- und Reiseverkehr.
Rheinland-Pfalz: Polizei warnt nach Trickbetrug
In Bobenheim-Roxheim hat ein Mann nach Polizeiangaben eine angebliche Fahrzeugpanne vorgetäuscht und von einer 79 Jahre alten Frau 300 Euro erhalten. Der Unbekannte hatte sich als Bekannter aus der Nachbarschaft ausgegeben. Bei einer weiteren Frau scheiterte die Masche.
Die Polizei warnt davor, unbekannte Personen in die Wohnung zu lassen oder aufgrund angeblicher Notlagen spontan größere Geldbeträge auszuhändigen.
Saarland: Neue Verkehrsbehinderungen und Kontrollen
In mehreren Bereichen des Saarlandes bestehen aktuell Straßensperrungen. Unter anderem sind in Ottweiler wegen Bauarbeiten die Bliesstraße, Saarbrücker Straße und Wilhelm-Heinrich-Straße betroffen. Die Sperrungen sollen teilweise bis zum 4. Oktober dauern.
Für die kommende Woche hat die Polizei außerdem Geschwindigkeitskontrollen an verschiedenen Unfall- und Gefahrenstellen angekündigt.
Sachsen: Autobahnen zunehmend durch Schwerlastverkehr belastet
Auf Sachsens Autobahnen nimmt die Belastung durch den Schwerlastverkehr zu. Besonders betroffen ist nach Angaben der Autobahn GmbH die A4 im Raum Dresden. Gleichzeitig erreichen zahlreiche Fahrbahnabschnitte inzwischen ein Alter, in dem umfangreiche Sanierungen erforderlich werden.
Derzeit gibt es sieben größere Autobahnbaustellen in Sachsen. Auch die Stellplätze für Lastwagen auf Rastanlagen sind insbesondere nachts stark ausgelastet.
Für Autofahrer bedeutet das auch in den kommenden Monaten Baustellen, mögliche Staus und Umleitungen.
Sachsen-Anhalt: Autodiebstahl auf Parkplatz eines Einkaufszentrums
In Magdeburg wurde am Samstag auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Salbker Chaussee ein Hyundai gestohlen. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen und bittet mögliche Zeugen um Hinweise.
Der Fall erinnert daran, Fahrzeuge auch bei kurzen Einkäufen vollständig zu verschließen und keine Schlüssel oder Wertgegenstände sichtbar zurückzulassen.
Schleswig-Holstein: Zoll kontrolliert Barbershops und Nagelstudios
Bei einer größeren Kontrollaktion hat der Zoll sieben Nagelstudios und zwölf Barbershops in Schleswig-Holstein überprüft. Die Kontrollen fanden unter anderem in Lübeck, Eutin, Stockelsdorf, Bad Schwartau, Grömitz, Geesthacht, Ratzeburg, Mölln und Trittau statt.
Dabei wurden nach Angaben des Zolls unter anderem sieben Personen festgestellt, die nicht über den erforderlichen Aufenthaltstitel verfügten. Die Aktion war Teil bundesweiter Kontrollen gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung.
Thüringen: Fast 400 Haushalte ohne Gasversorgung
In Greiz sind nach einem Gasleck weiterhin zahlreiche Haushalte von der regulären Gasversorgung abgeschnitten. Nach Angaben des MDR betrifft dies 388 Haushalte. Weil sich die beschädigte Stelle unter einem Bahngleis befindet, gestalten sich die Reparaturarbeiten schwierig.
THW und Deutsches Rotes Kreuz unterstützen die betroffenen Bewohner unter anderem mit Duschmöglichkeiten und warmer Verpflegung. Wann sämtliche Haushalte wieder regulär mit Gas versorgt werden können, war zunächst nicht absehbar.
Bundesweit besonders wichtig: Neues Gewährleistungslabel stärkt Verbraucherinformation
Eine Änderung betrifft Verbraucher in allen 16 Bundesländern: Seit dem 27. September 2026 müssen Händler in der Europäischen Union deutlicher über die gesetzliche Gewährleistung informieren.
Bei Neuwaren besteht grundsätzlich eine gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren. Ansprechpartner bei einem Mangel ist grundsätzlich der Verkäufer und nicht automatisch der Hersteller. Händler müssen nun mit einem einheitlichen Hinweis auf diese Rechte aufmerksam machen.
Die Verbraucherzentrale begrüßt die Regelung, weil Garantie und Gewährleistung von vielen Kunden verwechselt werden. Eine Herstellergarantie ist eine freiwillige Zusatzleistung. Die gesetzliche Gewährleistung dagegen ergibt sich aus dem Kaufrecht und richtet sich grundsätzlich gegen den Verkäufer.
Fazit: Verbraucherschutz findet vor der eigenen Haustür statt
Die Meldungen aus den Bundesländern zeigen, wie unterschiedlich Verbraucherschutz im Alltag aussehen kann. In Brandenburg geht es um sauberes Trinkwasser, in Niedersachsen um mehr Transparenz staatlicher Stellen, in Nordrhein-Westfalen um die Zuverlässigkeit des Nahverkehrs und in Thüringen um die Energieversorgung hunderter Haushalte.
Besonders aufmerksam sollten Verbraucher weiterhin bei Schockanrufen, angeblichen Notfällen und kurzfristig im Internet gefundenen Notdiensten sein. Gleichzeitig bringt der 27. September mit dem neuen EU-Gewährleistungslabel eine konkrete Verbesserung: Kunden sollen künftig leichter erkennen können, welche gesetzlichen Rechte sie bei mangelhafter Ware gegenüber dem Händler haben.