Der Jahresbericht des Siemens Weltinvest Aktien für das Geschäftsjahr 2025/2026 zeigt insgesamt eine sehr erfreuliche Wertentwicklung, allerdings auch einige Punkte, die Anleger genauer betrachten sollten. Der Fonds verfolgt einen aktiv gemanagten, international ausgerichteten Aktienansatz und investiert mindestens 60 % seines Vermögens in Aktien großer Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Japan. Gleichzeitig berücksichtigt er ökologische und soziale Merkmale gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung.
Deutlich positive Wertentwicklung
Im Geschäftsjahr vom 1. Juni 2025 bis zum 31. Mai 2026 erzielte der Fonds nach BVI-Methode eine Wertentwicklung von 19,68 %. Der Anteilwert erhöhte sich von 24,95 € zum Ende des Vorjahres auf 29,86 €. Damit war das Berichtsjahr für Anleger ausgesprochen erfolgreich.
Auch das Ergebnis des Geschäftsjahres fällt mit 6,61 Mio. € deutlich positiv aus. Bemerkenswert ist jedoch die Zusammensetzung dieses Ergebnisses: Das ordentliche Nettoergebnis aus laufenden Erträgen und Aufwendungen war mit rund –63.500 € negativ. Entscheidend für das gute Gesamtergebnis waren vielmehr realisierte Veräußerungsgewinne sowie insbesondere nicht realisierte Kursgewinne. Das realisierte Ergebnis belief sich auf rund 2,11 Mio. €, während weitere rund 4,51 Mio. € aus nicht realisierten Wertsteigerungen stammten.
Für Anleger bedeutet dies, dass der Erfolg des Fonds im Berichtsjahr vor allem auf steigenden Kursen der gehaltenen Wertpapiere beruhte und weniger auf laufenden Dividendenerträgen. Entsprechend kann das Ergebnis bei einer schwächeren Entwicklung der Aktienmärkte deutlich stärker schwanken.
Global diversifiziert, aber mit deutlichem Schwerpunkt USA
Zum Geschäftsjahresende waren 87,96 % des Fondsvermögens direkt in Aktien investiert. Weitere 9,41 % entfielen auf Investmentfonds, während Bankguthaben lediglich 2,51 % ausmachten. Der Fonds war damit nahezu vollständig am Kapitalmarkt investiert und konnte entsprechend stark von steigenden Aktienkursen profitieren.
Trotz der grundsätzlich internationalen Ausrichtung besteht eine deutliche geografische Konzentration: 57,05 % des Fondsvermögens entfielen auf US-Aktien. Japan war mit 8,85 % vertreten, während beispielsweise Frankreich 2,86 %, die Schweiz 3,35 % und Deutschland lediglich 1,40 % ausmachten.
Auch einzelne große US-Technologieunternehmen haben ein relevantes Gewicht. Microsoft stellte beispielsweise mit 4,25 % des Fondsvermögens eine der größten Einzelpositionen dar. Damit profitieren Anleger überdurchschnittlich von einer positiven Entwicklung des US-Aktienmarktes und großer Technologieunternehmen, tragen gleichzeitig aber ein entsprechendes Konzentrations- und Währungsrisiko.
Interessant ist außerdem, dass 9,41 % des Fondsvermögens in zwei hauseigenen Siemens-Fonds investiert waren: 4,54 % im Siemens Global Growth und 4,87 % im Siemens Qualität & Dividende USA.
Kosten bleiben ein wichtiger Faktor
Die Gesamtkostenquote beträgt 1,60 % pro Jahr, wobei die Transaktionskosten darin noch nicht enthalten sind. Allein die Verwaltungsvergütung belief sich im Geschäftsjahr auf rund 542.000 €, während die gesamten Aufwendungen etwa 575.000 € betrugen. Den laufenden Erträgen von rund 511.000 € standen damit höhere laufende Kosten gegenüber.
Gerade für langfristig orientierte Anleger sollte deshalb geprüft werden, ob das aktive Fondsmanagement dauerhaft einen ausreichenden Mehrwert liefert, um diese Kosten zu rechtfertigen. Die Rendite von 19,68 % ist für das betrachtete Jahr überzeugend. Aus der im Bericht genannten absoluten Wertentwicklung allein lässt sich allerdings nicht beurteilen, wie groß die Über- oder Unterperformance gegenüber einem vergleichbaren globalen Aktienindex war.
Mittelabflüsse trotz guter Performance
Ein auffälliger Punkt ist die Entwicklung der Anlegergelder. Während des Geschäftsjahres flossen netto rund 1,83 Mio. € aus dem Fonds ab. Anteilscheinverkäufen von rund 702.000 € standen Rücknahmen von rund 2,53 Mio. € gegenüber. Dennoch erhöhte sich das Fondsvermögen aufgrund des guten Anlageergebnisses von 35,19 Mio. € auf knapp 40 Mio. €.
Die Mittelabflüsse sind nicht automatisch negativ zu bewerten, sollten aus Anlegersicht aber beobachtet werden. Positiv ist, dass der Fonds trotz dieser Abflüsse sein Vermögen deutlich steigern konnte.
Risiken und Liquidität
Das größte Risiko bleibt aufgrund der hohen Aktienquote das allgemeine Kursänderungsrisiko. Hinzu kommen Währungsrisiken bei Anlagen außerhalb des Euroraums. Die ausgewiesene Volatilität des Anteilpreises lag zum Ende des Berichtszeitraums bei 9,92 %. Außergewöhnliche Markt-, Liquiditäts- oder operationelle Risiken wurden im Berichtsjahr nach Angaben der Gesellschaft nicht festgestellt.
Seit April 2026 verfügt der Fonds zusätzlich über Instrumente wie Swing Pricing und Gating. Diese sollen in außergewöhnlichen Situationen große Mittelzu- oder -abflüsse besser auffangen. Für Anleger bedeutet Gating allerdings auch, dass die Rückgabe von Fondsanteilen in besonderen Situationen vorübergehend teilweise eingeschränkt werden kann.
Positiv für die Transparenz ist zudem, dass der unabhängige Abschlussprüfer bestätigt, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den gesetzlichen Vorschriften entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse des Sondervermögens vermittelt.
Anlegerfazit
Der Siemens Weltinvest Aktien blickt auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2025/2026 zurück. Die Rendite von 19,68 %, der deutliche Anstieg des Anteilwertes und das Jahresergebnis von 6,61 Mio. € sind klare Pluspunkte. Die breite internationale Streuung über zahlreiche Unternehmen reduziert zudem das Risiko einzelner Aktien.
Dem stehen jedoch die starke Abhängigkeit vom US-Aktienmarkt, Währungs- und allgemeine Aktienmarktrisiken sowie eine Gesamtkostenquote von 1,60 % gegenüber. Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil des Jahreserfolgs aus noch nicht realisierten Kursgewinnen stammt und nicht aus laufenden Erträgen.
Aus Anlegersicht fällt die Gesamtbewertung daher positiv, aber nicht uneingeschränkt aus. Der Fonds erscheint insbesondere für langfristig orientierte Anleger interessant, die eine hohe Aktienquote akzeptieren und an der Entwicklung internationaler Qualitätsunternehmen – insbesondere aus den USA – partizipieren möchten. Kostenbewusste Anleger sollten jedoch prüfen, ob das aktive Management langfristig einen ausreichenden Mehrwert gegenüber vergleichbaren globalen Anlagealternativen erzielt.