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Evonik streicht 3.200 Stellen: Deutschland trägt den Großteil des Jobabbaus – Bitterfeld wird geschlossen

RosZie (CC0), Pixabay

Der Umbau beim Spezialchemiekonzern Evonik erreicht eine neue Größenordnung. Weltweit sollen 3.200 weitere Arbeitsplätze wegfallen. Besonders stark betroffen ist Deutschland: Hier plant der Konzern den Abbau von 2.150 Stellen.

Damit entfallen rechnerisch rund zwei Drittel des angekündigten Stellenabbaus auf Deutschland.

Die Maßnahmen sollen zwischen 2027 und Ende 2029 umgesetzt werden. Sie folgen auf ein bereits laufendes Spar- und Restrukturierungsprogramm, durch das bis Ende 2026 rund 2.800 Stellen wegfallen sollen.

Für die Beschäftigten bedeutet das: Der Personalabbau bei Evonik ist nicht mit dem bisherigen Programm abgeschlossen, sondern setzt sich über mehrere Jahre fort.

3.200 Stellen sollen verschwinden

Die neuen Zahlen sind erheblich.

Evonik beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit rund 31.000 Menschen. Gemessen daran entspricht der geplante Abbau von 3.200 Stellen ungefähr jedem zehnten Arbeitsplatz.

Deutschland steht dabei besonders im Mittelpunkt.

Von den 3.200 Stellen entfallen 2.150 auf Deutschland. Damit werden etwa 67 Prozent der vorgesehenen Stellenstreichungen hierzulande umgesetzt.

Deutschland ist zugleich das wichtigste Beschäftigungsland des Konzerns. Mehr als die Hälfte der Evonik-Belegschaft sowie wesentliche Produktionsstandorte befinden sich nach Unternehmensangaben hier.

Stellenabbau kommt zusätzlich zum bisherigen Programm

Entscheidend ist, dass es sich nicht lediglich um die Fortsetzung bereits bekannter Einzelmaßnahmen handelt.

Evonik hatte schon zuvor ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm eingeleitet.

Nach Angaben des Unternehmens sollen im Rahmen dieses Programms bis Ende 2026 etwa 2.800 Stellen abgebaut worden sein.

Nun folgen weitere 3.200 Arbeitsplätze zwischen 2027 und 2029.

Damit erreicht die Größenordnung beider Programme zusammen rechnerisch rund 6.000 Stellen.

Allerdings sollte diese Zahl nicht mit 6.000 betriebsbedingten Kündigungen gleichgesetzt werden. Stellen können beispielsweise auch durch Fluktuation, Vorruhestand, freiwillige Vereinbarungen oder andere Personalmaßnahmen entfallen.

Bitterfeld verliert seinen Evonik-Standort

Besonders konkret sind die Auswirkungen bereits in Sachsen-Anhalt.

Evonik hatte am 11. September angekündigt, seinen Standort in Bitterfeld Ende April 2027 zu schließen.

Dort arbeiten derzeit rund 40 Beschäftigte in der Produktion von Chlorsilanen.

Der Konzern begründet die Entscheidung mit schwierigen Marktbedingungen für hochreines Siliciumtetrachlorid. Nach Unternehmensangaben steigt insbesondere das Angebot aus Asien, während der Wettbewerbsdruck zunimmt.

Zugleich seien die Anlagen seit längerer Zeit nicht ausreichend ausgelastet, um einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen.

Evonik erklärt, verschiedene Alternativen geprüft zu haben. Dazu hätten alternative Betriebskonzepte, eine Verringerung der Kapazitäten, eine vorübergehende Stilllegung sowie Verkaufsszenarien gehört.

Nach Darstellung des Unternehmens ergab sich daraus keine langfristig tragfähige wirtschaftliche Perspektive.

Produktion wird nicht vollständig aufgegeben

Die Schließung in Bitterfeld bedeutet allerdings nicht, dass Evonik das entsprechende Geschäft komplett einstellt.

Die Versorgung der Kunden soll insbesondere über den größeren Standort Rheinfelden in Baden-Württemberg erfolgen.

Das zeigt zugleich die Strategie hinter einem Teil des Konzernumbaus: Aktivitäten sollen an größeren Standorten konzentriert werden.

Evonik begründet dies unter anderem damit, dass Produktions-, Verwaltungs- und Laborstrukturen teilweise zu stark fragmentiert seien.

Die Bündelung soll Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Auch Hamburg steht vor dem Aus

Bitterfeld ist nicht der einzige deutsche Standort, der geschlossen werden soll.

Auch einen kleineren Standort in Hamburg will Evonik 2027 aufgeben.

Dort arbeiten rund 50 Beschäftigte im Bereich Kosmetik- und Pflegeprodukte.

Die Aktivitäten sollen am größeren Evonik-Standort Essen Goldschmidtstraße gebündelt werden.

Damit verlieren allein durch die angekündigten Schließungen in Hamburg und Bitterfeld rund 90 Beschäftigte ihren bisherigen Standort.

Wie viele der Betroffenen tatsächlich ihren Arbeitsplatz verlieren und wie viele andere Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb des Konzerns erhalten, ist damit noch nicht abschließend gesagt.

Evonik erklärt, gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen möglichst sozialverträgliche Lösungen erarbeiten zu wollen.

Schwache Konjunktur und internationaler Wettbewerbsdruck

Hinter dem Stellenabbau steht ein grundsätzliches Problem, das derzeit große Teile der europäischen Chemieindustrie beschäftigt.

Evonik verweist auf schwaches Wirtschaftswachstum, geopolitische Unsicherheiten und einen zunehmend intensiven internationalen Wettbewerb.

Besonders der Produktionsstandort Deutschland steht aufgrund hoher Kosten und internationaler Konkurrenz unter Druck.

Beim Standort Bitterfeld benennt Evonik ausdrücklich ein wachsendes Angebot aus Asien als einen Faktor.

Die Entwicklung zeigt damit, dass der Umbau nicht ausschließlich ein internes Sparprogramm ist. Er steht auch im Zusammenhang mit strukturellen Veränderungen des internationalen Chemiemarktes.

Evonik will den Konzern stärker fokussieren

Parallel zum Personalabbau verändert Evonik seine Unternehmensstruktur.

Nach aktuellen Angaben soll 2027 eine weitere Phase des umfangreichen Konzernumbaus beginnen.

Dabei geht es nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch um den Verkauf von Unternehmensteilen.

Unter anderem stehen die Einheiten Oxeno und Syneqt zur Disposition.

Zusammen beschäftigen diese Bereiche nach aktuellen Angaben rund 4.300 Menschen.

Dabei ist wichtig zu unterscheiden: Ein Verkauf bedeutet nicht automatisch den Verlust dieser Arbeitsplätze. Die Beschäftigten können mit einem verkauften Unternehmensteil zu einem neuen Eigentümer wechseln.

Für die Größe und Beschäftigtenstruktur des Evonik-Konzerns hätte ein Verkauf dennoch erhebliche Auswirkungen.

Evonik bleibt ein Milliardenkonzern

Der massive Stellenabbau darf zudem nicht mit einer unmittelbar existenzbedrohenden Lage des gesamten Konzerns gleichgesetzt werden.

Evonik erzielte nach eigenen Angaben 2025 einen Umsatz von 14,1 Milliarden Euro.

Das bereinigte EBITDA belief sich auf 1,9 Milliarden Euro.

Der Konzern beschäftigte zuletzt rund 31.000 Menschen und ist in mehr als 100 Ländern aktiv.

Der Personalabbau ist damit Teil eines strategischen Umbaus eines weiterhin großen internationalen Chemiekonzerns.

Für Arbeitnehmer beginnt eine lange Phase der Unsicherheit

Für Beschäftigte ist vor allem der zeitliche Horizont bemerkenswert.

Die neuen Maßnahmen sollen sich über die Jahre 2027 bis 2029 erstrecken.

Damit dürfte die Frage, welche Bereiche und Standorte konkret betroffen sind, noch längere Zeit eine zentrale Rolle spielen.

Neben einem Einstellungsstopp kommen nach aktuellen Angaben unter anderem Vorruhestandsregelungen und freiwillige Abfindungsprogramme als Instrumente infrage.

Für Arbeitnehmer wird deshalb entscheidend sein, wie Evonik die angekündigten 2.150 Stellen in Deutschland konkret abbauen will und welche Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretungen getroffen werden.

6.000 Stellen aus zwei Sparrunden

In der Gesamtbetrachtung wird das Ausmaß des Konzernumbaus besonders deutlich.

Bis Ende 2026 sollen im bisherigen Programm rund 2.800 Stellen weggefallen sein.

Von 2027 bis 2029 sollen weitere 3.200 Stellen folgen.

Rechnerisch ergibt sich damit über beide Programme hinweg eine Größenordnung von rund 6.000 Stellen.

Bei einer heutigen Belegschaft von rund 31.000 Menschen ist das erheblich.

Die Zahlen sind allerdings nicht ohne Weiteres als prozentualer Abbau gegenüber der heutigen Mitarbeiterzahl zu interpretieren, weil unterschiedliche Zeiträume, Fluktuation, Unternehmensverkäufe und Veränderungen der Beschäftigtenzahl berücksichtigt werden müssen.

Bitterfeld zeigt, wie konkret der Umbau werden kann

Für viele Beschäftigte bleiben die 3.200 Stellen zunächst eine abstrakte Konzernzahl.

In Bitterfeld ist der Strukturwandel dagegen bereits konkret.

Ende April 2027 soll der Standort schließen.

Rund 40 Beschäftigte müssen sich damit auf erhebliche Veränderungen einstellen.

Evonik verspricht Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen und sozialverträgliche Lösungen.

Ob Beschäftigte andere Arbeitsplätze im Konzern erhalten können, welche Abfindungs- oder Vorruhestandsangebote gemacht werden und wie viele Arbeitsverhältnisse tatsächlich enden werden, muss sich im weiteren Verfahren zeigen.

 

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