Die PROKON Windpark Oldendorf GmbH & Co. KG hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem deutlich höheren Verlust abgeschlossen. Obwohl die Umsatzerlöse mit rund 1,75 Millionen Euro nahezu unverändert blieben und die Bankverbindlichkeiten um gut eine Million Euro zurückgingen, erhöhte sich der Jahresfehlbetrag von 132.974,95 Euro auf 292.047,35 Euro.
Damit hat sich der Verlust innerhalb eines Jahres um 159.072,40 Euro beziehungsweise rechnerisch rund 119,6 Prozent erhöht.
Für Anleger ist vor allem die Entwicklung des Eigenkapitals bemerkenswert. Es sank von 670.863,41 Euro auf nur noch 378.816,06 Euro. Gleichzeitig stehen insgesamt 18,81 Millionen Euro Verbindlichkeiten in der Bilanz.
Der Jahresabschluss zeichnet damit ein differenziertes Bild: Auf der einen Seite baut die Windparkgesellschaft Bankkredite ab und verfügt weiterhin über erhebliche liquide Mittel. Auf der anderen Seite stagniert der Umsatz, der Verlust wächst deutlich und die Eigenkapitalbasis wird zunehmend dünner.
Umsatz tritt praktisch auf der Stelle
Bei den Umsatzerlösen gab es 2025 praktisch keine Veränderung.
Sie beliefen sich auf 1.752.401,83 Euro, nach 1.752.756,43 Euro im Vorjahr. Das Minus beträgt lediglich 354,60 Euro beziehungsweise rund 0,02 Prozent.
Der Umsatz blieb damit faktisch stabil.
Interessanter ist ein Blick auf seine Zusammensetzung.
Die Erlöse aus Einspeisevergütungen stiegen von rund 1,517 Millionen auf 1,636 Millionen Euro. Gleichzeitig gingen die Marktprämien deutlich von 169.000 Euro auf 63.000 Euro zurück.
Weitere rund 54.000 Euro stammten aus Kompensationen für Ertragsausfälle, nach 65.000 Euro im Vorjahr.
Damit hat sich die Zusammensetzung der Erlöse verschoben, ohne dass sich der Gesamtumsatz nennenswert verändert hat.
Warum steigt der Verlust trotzdem so deutlich?
Die zentrale Frage aus Anlegersicht lautet: Wie kann sich der Jahresverlust mehr als verdoppeln, wenn der Umsatz stabil bleibt und verschiedene Kosten sogar sinken?
Ein wesentlicher Teil der Erklärung findet sich bei den sonstigen betrieblichen Erträgen.
Diese brachen von 163.945,94 Euro im Jahr 2024 auf nur noch 5.182,78 Euro ein.
Das entspricht einem Rückgang von rund 158.763 Euro beziehungsweise knapp 97 Prozent.
Bemerkenswert ist, dass dieser Rückgang nahezu genauso groß ist wie die Verschlechterung des Jahresergebnisses um rund 159.072 Euro.
Das bedeutet nicht automatisch, dass allein diese Position für den höheren Verlust verantwortlich ist. Sie ist aber rechnerisch ein entscheidender Faktor.
Der veröffentlichte Abschluss erläutert in den vorliegenden Angaben nicht, woraus die hohen sonstigen betrieblichen Erträge des Jahres 2024 konkret bestanden. Gerade aus Anlegersicht wäre diese Information interessant, weil sich dadurch besser beurteilen ließe, ob es sich damals um einen einmaligen positiven Effekt handelte.
Abschreibungen verschlingen mehr als 1,4 Millionen Euro
Der mit Abstand größte Aufwandsposten sind weiterhin die Abschreibungen.
Sie lagen 2025 bei 1.412.271 Euro und damit praktisch exakt auf dem Vorjahresniveau von 1.412.265 Euro.
Davon entfielen 1.408.428 Euro auf die technischen Anlagen und Maschinen des Windparks und 3.843 Euro auf immaterielle Vermögensgegenstände.
Der hohe Abschreibungsbetrag erklärt auch, weshalb der Buchwert der technischen Anlagen kontinuierlich zurückgeht.
Ende 2024 standen diese noch mit 16,78 Millionen Euro in der Bilanz. Ein Jahr später waren es 15,38 Millionen Euro.
Neue Investitionen in technische Anlagen werden für 2025 nicht ausgewiesen. Auch Abgänge gab es nicht.
Der Rückgang des Buchwerts ist damit im Wesentlichen eine Folge der planmäßigen Abschreibungen.
Laufende Betriebskosten sinken
Positiv fällt die Entwicklung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen auf.
Sie gingen von 404.028,80 Euro auf 349.586,40 Euro zurück. Das entspricht einer Entlastung von rund 54.400 Euro beziehungsweise etwa 13,5 Prozent.
Die größten genannten Einzelpositionen waren 2025 Pachtzahlungen von rund 126.000 Euro und Service- sowie Wartungskosten von 116.000 Euro.
Weitere 35.000 Euro entfielen auf die technische und kaufmännische Betriebsführung.
Hinzu kamen unter anderem 18.000 Euro für die Zuführung zur Rückstellung für den späteren Rückbau, 17.000 Euro für Eigenstromverbrauch und 12.000 Euro Direktvermarktungskosten.
Die laufenden betrieblichen Aufwendungen waren damit nicht der Grund für die Ergebnisverschlechterung – im Gegenteil, hier konnte die Gesellschaft Kosten reduzieren.
Zinsbelastung steigt auf knapp 300.000 Euro
Weniger günstig entwickelte sich die Finanzierung.
Die Zinsen und ähnlichen Aufwendungen stiegen von 270.506 Euro auf 299.189,68 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um rund 28.684 Euro beziehungsweise 10,6 Prozent.
Dem standen Zinserträge von 37.644,82 Euro gegenüber.
Unter dem Strich ergibt sich damit rechnerisch ein negativer Zinssaldo von rund 261.545 Euro.
Für eine Gesellschaft mit 1,75 Millionen Euro Jahresumsatz bleibt die Finanzierung damit ein bedeutender Ergebnisfaktor.
Bankkredite sinken um gut eine Million Euro
Auf der anderen Seite ist ein klarer Schuldenabbau gegenüber den Kreditinstituten erkennbar.
Die Bankverbindlichkeiten reduzierten sich von 15.485.911 Euro auf 14.453.515 Euro.
Das sind exakt 1.032.396 Euro weniger beziehungsweise rund 6,7 Prozent.
Bemerkenswert ist der Blick auf die Fälligkeiten.
Zum Jahresende 2025 sind ebenfalls exakt 1.032.396 Euro der Bankkredite innerhalb eines Jahres fällig. Bereits im Vorjahr war derselbe Betrag als kurzfristig fällig ausgewiesen.
Das spricht rechnerisch für einen planmäßigen Tilgungsverlauf in dieser Größenordnung. Der Abschluss bezeichnet den Schuldenrückgang allerdings nicht ausdrücklich als planmäßige Tilgung, sodass die Ursache nicht über die veröffentlichten Zahlen hinaus unterstellt werden sollte.
Noch 9,29 Millionen Euro Bankkredite mit sehr langer Laufzeit
Die Finanzierung bleibt langfristig angelegt.
Von den 14,45 Millionen Euro Bankverbindlichkeiten haben rund 13,42 Millionen Euro eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.
Davon wiederum laufen rund 9,29 Millionen Euro länger als fünf Jahre.
Die Bankkredite sind zudem vollständig besichert. Als Sicherheiten dienen nach Angaben im Jahresabschluss unter anderem die Windparkinfrastruktur sowie abgetretene Ansprüche aus Stromvergütungen, Versicherungen und Projektverträgen. Hinzu kommen Dienstbarkeiten und Vormerkungen.
Für Anleger bedeutet das: Den Bankgläubigern stehen umfangreiche Sicherheiten gegenüber.
Gesamtverschuldung sinkt – bleibt aber hoch
Insgesamt gingen die bilanzierten Verbindlichkeiten von 19,79 Millionen Euro auf 18,81 Millionen Euro zurück.
Das entspricht einer Verringerung um rund 977.000 Euro beziehungsweise knapp fünf Prozent.
Neben den Bankkrediten bestehen allerdings erhebliche Verpflichtungen innerhalb des Unternehmens- beziehungsweise Beteiligungsumfelds.
Die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen erhöhten sich leicht von 3,288 Millionen auf 3,320 Millionen Euro.
Weitere 827.313,95 Euro bestehen gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht.
Zusammengenommen sind das rund 4,15 Millionen Euro.
13,3 Millionen Euro Verbindlichkeiten laufen länger als fünf Jahre
Die langfristige Ausrichtung zeigt sich noch deutlicher beim gesamten Verbindlichkeitenspiegel.
Von den 18,81 Millionen Euro bilanzierten Verbindlichkeiten haben 17,45 Millionen Euro eine Laufzeit von mehr als einem Jahr.
Davon entfallen wiederum rund 13,32 Millionen Euro auf Laufzeiten von mehr als fünf Jahren.
Kurzfristig – also innerhalb eines Jahres – werden rund 1,37 Millionen Euro fällig.
Das relativiert zumindest teilweise die hohe absolute Verschuldung: Ein großer Teil muss nicht kurzfristig zurückgezahlt werden.
Für eine vollständige Bewertung der finanziellen Tragfähigkeit wäre allerdings entscheidend, wie viel laufenden Zahlungsmittelüberschuss der Windpark in den kommenden Jahren tatsächlich erwirtschaftet. Eine Kapitalflussrechnung enthält der vorliegende Abschluss nicht.
Eigenkapital sinkt um mehr als 43 Prozent
Aus Anlegersicht besonders auffällig ist die Entwicklung des Eigenkapitals.
Dieses verringerte sich innerhalb eines Jahres von 670.863,41 Euro auf 378.816,06 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 43,5 Prozent.
Die rechnerische Eigenkapitalquote sank damit von rund 3,3 Prozent auf nur noch etwa 2,0 Prozent.
Damit ist der bilanzielle Eigenkapitalpuffer im Verhältnis zur Bilanzsumme vergleichsweise klein.
Allein aus einer niedrigen Eigenkapitalquote darf allerdings nicht auf Zahlungsunfähigkeit oder insolvenzrechtliche Überschuldung geschlossen werden. Dafür wären insbesondere weitere Informationen über Liquidität, Zahlungsströme, Fortführungsprognosen und gegebenenfalls stille Reserven erforderlich.
Kritisch beobachten sollten Anleger die Entwicklung dennoch: Sollte die Gesellschaft weitere Verluste in einer ähnlichen Größenordnung erwirtschaften, würde das vorhandene bilanzielle Eigenkapital weiter aufgezehrt.
Bilanzgewinn von null Euro darf nicht missverstanden werden
Auf den ersten Blick könnte eine andere Zahl für Verwirrung sorgen: Der Bilanzgewinn beträgt 0 Euro.
Das bedeutet nicht, dass die Gesellschaft 2025 ohne Verlust gearbeitet hätte.
Der Jahresfehlbetrag beträgt eindeutig 292.047,35 Euro. Anschließend wird derselbe Betrag den Kapitalkonten belastet, sodass rechnerisch ein Bilanzgewinn von null Euro verbleibt.
Für die wirtschaftliche Betrachtung ist deshalb der Jahresfehlbetrag entscheidend.
Knapp 2,9 Millionen Euro auf Bankkonten
Ein wichtiger positiver Faktor ist die vorhandene Liquidität.
Zum Jahresende verfügte die Gesellschaft über 2.904.925,36 Euro an Kassenbestand und Bankguthaben.
Im Vorjahr waren es allerdings noch 3.100.977,09 Euro.
Die liquiden Mittel gingen somit um rund 196.052 Euro beziehungsweise 6,3 Prozent zurück.
Gleichzeitig stiegen die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände deutlich.
Sie erhöhten sich von 499.398,31 Euro auf 868.083,94 Euro – ein Plus von rund 73,8 Prozent.
Dabei stiegen die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von rund 212.600 Euro auf 290.800 Euro. Die sonstigen Vermögensgegenstände haben sich von rund 286.800 Euro auf 577.300 Euro sogar mehr als verdoppelt.
Sämtliche Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände sind laut Abschluss innerhalb eines Jahres fällig.
Kurzfristige Finanzlage wirkt weniger angespannt als die Eigenkapitalquote
Dieser Punkt ist für eine faire Bewertung wichtig.
Dem Umlaufvermögen von rund 3,77 Millionen Euro stehen laut Verbindlichkeitenspiegel rund 1,37 Millionen Euro innerhalb eines Jahres fällige Verbindlichkeiten gegenüber. Zusätzlich bestehen kurzfristig relevante Rückstellungen.
Allein anhand dieser Stichtagswerte lässt sich daher nicht behaupten, die Gesellschaft habe ein akutes Liquiditätsproblem.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zur angespannten Eigenkapitalsituation: Eine niedrige Eigenkapitalquote und die kurzfristige Zahlungsfähigkeit sind zwei unterschiedliche Fragestellungen.
Weitere Verpflichtungen aus Wartungsvertrag
Neben den bilanzierten Schulden bestehen weitere finanzielle Verpflichtungen.
Sie werden mit rund 1,28 Millionen Euro angegeben und resultieren aus einem Wartungsvertrag für die Windenergieanlagen.
Der Vertrag hat eine Gesamtlaufzeit von 20 Jahren. Die tatsächlichen Verpflichtungen hängen von der erzeugten Strommenge ab; für die Angabe im Jahresabschluss wurde die zu zahlende Mindestvergütung zugrunde gelegt.
Diese 1,28 Millionen Euro dürfen nicht einfach zu den 18,81 Millionen Euro bilanzierten Verbindlichkeiten addiert werden. Es handelt sich um zukünftige finanzielle Verpflichtungen aus einem bestehenden Vertrag und nicht um zum Bilanzstichtag in gleicher Weise bilanzierte Schulden.
Für Anleger sind sie dennoch relevant, weil Wartungskosten über viele Jahre Teil der wirtschaftlichen Belastung des Windparks bleiben.
Was Anleger positiv bewerten können
Der Abschluss enthält trotz des deutlich höheren Verlustes mehrere positive Entwicklungen.
Die Umsätze sind stabil geblieben. Die Einspeisevergütungen sind gestiegen. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen konnten reduziert werden. Vor allem aber wurden die Bankverbindlichkeiten um mehr als eine Million Euro zurückgeführt.
Gleichzeitig verfügt die Gesellschaft zum Bilanzstichtag über knapp 2,9 Millionen Euro Bankguthaben.
Der Großteil der Verbindlichkeiten ist außerdem langfristig strukturiert und nicht kurzfristig fällig.
Das spricht dagegen, allein aus dem Jahresverlust oder der niedrigen Eigenkapitalquote eine unmittelbar bevorstehende finanzielle Krise abzuleiten.
Was Anleger kritisch beobachten sollten
Auf der anderen Seite gibt es klare Belastungspunkte.
Der Jahresverlust hat sich von rund 133.000 Euro auf 292.000 Euro mehr als verdoppelt. Das Eigenkapital ist innerhalb eines Jahres um mehr als 43 Prozent auf nur noch rund 379.000 Euro gefallen.
Die Eigenkapitalquote beträgt rechnerisch nur noch etwa zwei Prozent.
Hinzu kommt eine weiterhin hohe Fremdfinanzierung. Die Zinsaufwendungen sind trotz sinkender Bankverschuldung auf knapp 300.000 Euro gestiegen.
Besonders erklärungsbedürftig ist außerdem der massive Rückgang der sonstigen betrieblichen Erträge von rund 164.000 Euro auf nur noch gut 5.000 Euro.
Die entscheidende Frage: Wie nachhaltig ist der Windpark wirtschaftlich?
Der Jahresabschluss der PROKON Windpark Oldendorf GmbH & Co. KG ist deshalb weder ausschließlich negativ noch unproblematisch.
Der Windpark erzielt weiterhin rund 1,75 Millionen Euro Umsatz, verfügt über erhebliche liquide Mittel und baut seine Bankkredite sichtbar ab. Gleichzeitig reicht das Ergebnis 2025 nicht aus, um Abschreibungen, Finanzierungskosten und die übrigen Belastungen zu kompensieren.
Aus Anlegersicht sollte daher weniger der einzelne Jahresverlust isoliert betrachtet werden als die Entwicklung über mehrere Jahre.
Besonders wichtig wird sein, ob die Gesellschaft 2026 wieder ein besseres Ergebnis erzielt, ob der jährliche Schuldenabbau von rund einer Million Euro fortgesetzt werden kann und wie sich die verfügbaren Zahlungsmittel entwickeln.
Sollte dagegen über mehrere Jahre ein Fehlbetrag in der Größenordnung von 2025 entstehen, würde die ohnehin schmale bilanzielle Eigenkapitalbasis weiter unter Druck geraten.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt des Abschlusses: Der Windpark reduziert seine Bankverschuldung, doch gleichzeitig ist der bilanzielle Sicherheitspuffer für weitere Verluste deutlich kleiner geworden.
Der Jahresabschluss wurde nach den vorliegenden Angaben am 25. Juni 2026 festgestellt. Unterzeichnet wurde er am 19. Juni 2026 von Dr. Henning von Stechow und Katharina Beyer für die PROKON Windenergieanlagen Verwaltungsgesellschaft mbH.