Künstliche Intelligenz wird längst nicht mehr nur zum Schreiben von E-Mails, Erstellen von Bildern oder Beantworten alltäglicher Fragen genutzt. Auch bei politischen Themen greifen Menschen zunehmend auf Chatbots zurück. Vor den US-Zwischenwahlen im November 2026 untersuchen Wissenschaftler deshalb genauer, wie zuverlässig KI-Systeme Fragen zu Kandidaten, politischen Positionen und Wahlen beantworten.
Noch ist der Anteil der Menschen, die KI gezielt für politische Informationen verwenden, vergleichsweise klein. Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass die Bedeutung solcher Systeme wachsen könnte.
In einer im USA-TODAY-Artikel zitierten Umfrage des Rainey Center gaben neun Prozent der befragten Wähler an, bereits KI für politische Informationen genutzt zu haben. Gleichzeitig zeigte sich deutlich größeres Interesse an konkreten Anwendungen: 36 Prozent konnten sich vorstellen, KI zum Verständnis der Positionen von Kandidaten einzusetzen, 30 Prozent für Kandidatenvergleiche und 33 Prozent für Informationen darüber, wie eine Wahl funktioniert. 45 Prozent nannten die Überprüfung politischer Behauptungen und 44 Prozent die Zusammenfassung politischer Nachrichten als mögliche Einsatzgebiete.
Das Institute for Strategic Dialogue weist ebenfalls darauf hin, dass KI-Chatbots zunehmend Teil der Informationslandschaft werden. Nach Angaben der Organisation nutzen etwa 25 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner solche Systeme täglich – nicht ausschließlich für Politik, sondern unter anderem für Recherche und die Zusammenfassung von Informationen. Die Forscher erwarten, dass Chatbots künftig auch bei Wahlfragen eine größere Rolle spielen könnten.
Dabei stellt sich vor allem die Frage, wie zuverlässig die Antworten der Systeme tatsächlich sind.
Forscher des Brennan Center for Justice untersuchten 2026 mehrere bekannte KI-Chatbots im Zusammenhang mit Falschinformationen über Wahlen. Dabei zeigte sich ein gemischtes Bild.
Bei klassischen Verschwörungserzählungen und bereits bekannten falschen Behauptungen über Wahlen widersprachen die getesteten Systeme häufig den falschen Aussagen, selbst wenn Nutzer mehrfach versuchten, sie zu einer Zustimmung zu bewegen. Nach Einschätzung der Forscher können Chatbots deshalb grundsätzlich eine konstruktive Rolle dabei spielen, bekannte Wahlfalschinformationen zurückzuweisen.
Gleichzeitig stellte die Untersuchung erhebliche Schwächen fest.
KI-Systeme konnten beispielsweise täuschend wirkende Bilder, Videos oder Audiodateien erzeugen. Wurden solche künstlich erzeugten Inhalte anschließend anderen Chatbots vorgelegt, konnten diese häufig nicht zuverlässig erkennen, dass es sich um KI-generiertes Material handelte. Selbst Systeme, mit denen bestimmte Bilder zuvor erzeugt worden waren, identifizierten diese nicht immer korrekt als künstlich erstellt.
Das Problem könnte während einer laufenden Wahl besonders relevant werden.
Bei bekannten politischen Ereignissen können KI-Systeme häufig auf zahlreiche etablierte Quellen zurückgreifen. Entstehen dagegen kurzfristig Gerüchte oder Behauptungen über ein gerade stattfindendes Ereignis, stehen womöglich deutlich weniger verlässliche Informationen zur Verfügung. Die Forscher des Brennan Center warnen deshalb davor, davon auszugehen, dass Chatbots in solchen Situationen automatisch korrekte Antworten liefern.
Ein weiteres Forschungsprojekt untersucht, ob verschiedene Nutzer auf dieselbe politische Frage tatsächlich dieselben Antworten erhalten.
Forscher um Chara Podimata vom Massachusetts Institute of Technology analysieren laut dem bereitgestellten Artikel die Antworten bekannter Systeme wie ChatGPT, Gemini, Grok und Claude auf Fragen zu den US-Zwischenwahlen 2026. Dabei geht es unter anderem darum, ob geringfügige Veränderungen einer Anfrage oder persönliche Angaben des Nutzers die ausgegebenen Informationen beeinflussen können.
Bereits bei Untersuchungen im Umfeld der US-Präsidentschaftswahl 2024 hatten die Wissenschaftler beobachtet, dass sich Antworten auf vergleichbare Fragen im Zeitverlauf verändern konnten. Auch kleine Unterschiede in der Formulierung einer Anfrage konnten demnach teilweise unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen.
Damit entsteht für Nutzer eine besondere Herausforderung: Zwei Personen können einem Chatbot scheinbar dieselbe politische Frage stellen und dennoch nicht unbedingt identische Informationen erhalten.
Neben der Zuverlässigkeit beschäftigt Wissenschaftler eine zweite Frage: Können KI-Chatbots politische Einstellungen beeinflussen?
Forschung der Cornell University zeigt, dass Gespräche mit Sprachmodellen Einstellungen gegenüber Kandidaten und politischen Sachfragen verändern können. Die Forscher führten Experimente unter anderem im Zusammenhang mit den Wahlen in den USA, Kanada und Polen durch.
Dabei wurden Teilnehmer Chatbots zugeteilt, die Argumente zugunsten unterschiedlicher politischer Positionen oder Kandidaten präsentierten. Anschließend wurde untersucht, ob sich die Einstellungen der Teilnehmer verändert hatten.
Die Ergebnisse zeigten, dass solche Gespräche messbare Effekte haben können. Wie groß diese ausfielen, unterschied sich allerdings je nach Land, politischem Umfeld und untersuchter Gruppe. Die Forscher betonen außerdem, dass die Überzeugungskraft der Systeme vor allem darauf beruhte, zahlreiche vermeintlich sachliche Argumente und Fakten anzuführen. Einige dieser Aussagen waren jedoch nicht korrekt oder konnten durch das Weglassen wichtiger Informationen ein verzerrtes Bild vermitteln.
Damit unterscheidet sich ein KI-Chatbot wesentlich von einer klassischen Suchmaschine.
Bei einer Suchmaschine erhält ein Nutzer normalerweise verschiedene Links und kann unterschiedliche Quellen vergleichen. Ein Chatbot formuliert dagegen häufig eine zusammenhängende Antwort. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass die präsentierten Informationen bereits geprüft, vollständig und eindeutig seien.
Genau deshalb empfehlen die verschiedenen Untersuchungen indirekt einen vorsichtigen Umgang mit politischen KI-Antworten.
Besonders bei Informationen über Wahltermine, Registrierungsfristen, Wahllokale, Kandidaten oder aktuelle politische Ereignisse sollten Nutzer Angaben möglichst mit offiziellen Stellen oder mehreren zuverlässigen Quellen abgleichen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass KI bei politischen Fragen grundsätzlich nutzlos ist.
Chatbots können komplizierte politische Themen verständlicher erklären, lange Texte zusammenfassen oder dabei helfen, unterschiedliche dokumentierte Positionen gegenüberzustellen. Auch die Forscherin Chara Podimata betonte gegenüber USA TODAY, dass sie Menschen nicht vorschreiben wolle, ob sie KI für politische Informationen nutzen sollten. Solche Systeme könnten ihrer Einschätzung nach sogar dazu beitragen, Bürger stärker für politische Fragen zu interessieren.
Die Entwicklung zeigt damit zwei Seiten.
Einerseits können KI-Systeme den Zugang zu politischen Informationen erheblich erleichtern. Fragen lassen sich innerhalb von Sekunden stellen, komplizierte Themen können vereinfacht werden und Informationen aus unterschiedlichen Bereichen lassen sich schneller zusammenführen.
Andererseits bleiben Fehler, unvollständige Antworten, künstlich erzeugte Falschinformationen und mögliche Unterschiede zwischen den Antworten einzelner Nutzer ein Problem.
Je stärker Menschen Chatbots zur Vorbereitung politischer Entscheidungen nutzen, desto wichtiger wird deshalb die Fähigkeit, zwischen einer hilfreichen Zusammenfassung und einer verlässlich belegten Information zu unterscheiden.
KI kann politische Informationen leichter zugänglich machen. Sie ersetzt jedoch nicht die Prüfung verlässlicher Quellen.