Dark Mode Light Mode

Gemeinsames oder getrenntes Konto? Was Studien über Geld und Beziehungen zeigen

HtcHnm (CC0), Pixabay

Paare teilen ihren Alltag, ihre Wohnung und häufig auch langfristige Ziele. Beim Geld sieht es jedoch zunehmend anders aus. Immer mehr verheiratete Paare in den USA entscheiden sich dafür, ihre Finanzen zumindest teilweise voneinander zu trennen.

Besonders bei jüngeren Generationen scheint dieser Trend ausgeprägt zu sein. Paare aus der Generation Z und unter Millennials führen deutlich häufiger getrennte Konten als Angehörige der Generation X oder der Babyboomer.

Auf den ersten Blick hat dieses Modell einige Vorteile. Beide Partner behalten ein gewisses Maß an finanzieller Unabhängigkeit, können eigene Ausgaben tätigen und müssen nicht jede Kaufentscheidung rechtfertigen. Auch bei einer möglichen Trennung sind die Vermögensverhältnisse zumindest teilweise bereits voneinander getrennt.

Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen legen jedoch nahe, dass gemeinsame Finanzen für eine Beziehung auch Vorteile haben können.

Nach Angaben des U.S. Census Bureau führten im Jahr 2023 rund 40 Prozent der verheirateten Paare in den USA ihr gesamtes Geld über gemeinsame Konten. Etwa 23 Prozent nutzten ausschließlich getrennte Konten. Die übrigen rund 38 Prozent kombinierten gemeinsame und persönliche Konten.

Besonders aufschlussreich ist eine 2023 im „Journal of Consumer Research“ veröffentlichte Untersuchung. Forscher begleiteten dabei 230 Paare, die verlobt oder erst seit kurzer Zeit verheiratet waren und ihre Bankkonten zunächst getrennt führten.

Ein Teil der Paare sollte seine Finanzen anschließend zusammenlegen, während die übrigen weiterhin getrennte Konten nutzten.

Nach zwei Jahren zeigte sich ein deutlicher Unterschied.

Bei den Paaren mit getrennten Finanzen nahm die Zufriedenheit mit der Beziehung stärker ab. Diejenigen, die ihre Konten zusammengelegt hatten, konnten dagegen ein höheres Niveau an Beziehungszufriedenheit bewahren.

Die Forscher führen diesen Effekt unter anderem auf größere Transparenz zurück. Wenn beide Partner auf gemeinsame Konten zugreifen, sind Einnahmen und Ausgaben für beide sichtbar. Dadurch entstehen weniger Möglichkeiten, finanzielle Entscheidungen voreinander zu verbergen.

Gleichzeitig kann ein gemeinsames Konto dazu beitragen, gemeinsame finanzielle Ziele stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Statt Geld ausschließlich als persönliches Eigentum zu betrachten, entsteht eher das Gefühl, als Paar gemeinsam zu wirtschaften.

Auch andere wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Eine 2022 veröffentlichte Studie, die Daten aus mehreren Untersuchungen auswertete, stellte einen Zusammenhang zwischen gemeinsam verwalteten Finanzen und höherer Beziehungszufriedenheit fest. Paare mit zusammengelegtem Geld trennten sich demnach außerdem seltener.

Trotzdem bedeutet das nicht, dass getrennte Konten grundsätzlich eine schlechte Entscheidung sind.

Es gibt mehrere Situationen, in denen eigene Konten sinnvoll sein können.

Ein wichtiger Punkt ist die finanzielle Selbstständigkeit. Wer über ein eigenes Konto verfügt, kann einen Teil seines Geldes ausgeben, ohne das Gefühl zu haben, vom Partner kontrolliert oder beurteilt zu werden.

Gerade weil viele Paare heute aus zwei berufstätigen Partnern bestehen und Menschen im Durchschnitt später heiraten als früher, bringen beide Seiten häufig bereits eigenes Vermögen, Ersparnisse oder Schulden in die Ehe mit.

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, bestimmte Vermögenswerte weiterhin getrennt zu verwalten.

Das gilt beispielsweise für größere Ersparnisse oder Erbschaften, die bereits vor der Ehe vorhanden waren. Werden solche Gelder auf ein gemeinsames Konto übertragen, können sich die rechtlichen und finanziellen Verhältnisse komplizieren.

Auch hohe Schulden eines Partners können ein Argument für getrennte Konten sein. Unter bestimmten Umständen könnte gemeinsames Vermögen von Forderungen oder anderen finanziellen Folgen betroffen sein. Eine teilweise Trennung der Finanzen kann deshalb zusätzlichen Schutz bieten.

Ein weiterer Grund ist die persönliche Absicherung.

Finanzberater weisen darauf hin, dass ein eigenes finanzielles Polster besonders im Fall einer schwierigen Trennung hilfreich sein kann. Wer ausschließlich Zugriff auf gemeinsames Geld hat, könnte ansonsten kurzfristig in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Hinzu kommen unterschiedliche Einstellungen zum Umgang mit Geld.

Selbst Paare, die in vielen Lebensbereichen hervorragend harmonieren, können beim Thema Finanzen völlig verschiedene Vorstellungen haben. Während ein Partner beispielsweise großen Wert auf Sparen legt, gibt der andere möglicherweise deutlich mehr für Konsum und Freizeit aus.

In solchen Fällen können getrennte Konten Konflikte reduzieren.

In der Praxis entscheiden sich deshalb viele Paare für eine Mischform.

Dabei besitzt jeder Partner ein eigenes Konto, während zusätzlich ein gemeinsames Konto für laufende Haushaltskosten eingerichtet wird. Von diesem Konto können beispielsweise Miete oder Kreditraten, Strom, Versicherungen, Lebensmittel und andere gemeinsame Ausgaben bezahlt werden.

Eine solche Lösung verbindet finanzielle Eigenständigkeit mit gemeinsamer Verantwortung.

Vollständig getrennte Finanzen sind bei verheirateten Paaren dagegen offenbar vergleichsweise selten. Selbst wenn beide Partner eigene Konten besitzen, gibt es häufig zumindest ein gemeinsames Konto für regelmäßige Kosten.

Hinzu kommt, dass sich ohnehin nicht sämtliche Finanzprodukte zusammenlegen lassen. Persönliche Depots oder bestimmte Altersvorsorgekonten gehören beispielsweise grundsätzlich einer einzelnen Person.

Entscheidend ist deshalb weniger, ob ein Paar ausschließlich gemeinsame oder ausschließlich getrennte Konten verwendet.

Wichtiger ist, dass beide Partner offen über Geld sprechen.

Dazu gehört, Einnahmen, Ausgaben, Schulden, Sparziele und persönliche Erwartungen zu besprechen und gemeinsam zu entscheiden, welche Lösung zur eigenen Beziehung passt.

Die Forschung liefert Hinweise darauf, dass gemeinsame Konten das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Transparenz innerhalb einer Ehe stärken können. Gleichzeitig gibt es gute Gründe, zumindest einen Teil des Geldes getrennt zu verwalten.

Für viele Paare dürfte deshalb eine Kombination aus gemeinsamen und persönlichen Konten eine praktikable Lösung sein: Gemeinsame Ausgaben werden zusammen getragen, während beide Partner gleichzeitig einen gewissen finanziellen Freiraum behalten.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Die Verwaltungsgerichte der Woche: Von Windrädern über Krankenhaus-Millionen bis zur Spielhallensteuer

Next Post

Immer mehr Wähler nutzen KI für politische Informationen