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Windpark Lindtorf rutscht tief ins Minus: Umsatz bricht ein – Eigenkapital schmilzt um fast ein Drittel

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Die Windpark Lindtorf GmbH betreibt einen Windpark in der Gemeinde Lindtorf. Hinter der Gesellschaft stehen vier kommunal beziehungsweise energiewirtschaftlich geprägte Gesellschafter: Grünwerke GmbH, Neue Energien Hilden GmbH und MEGA Monheimer Elektrizitäts- und Gasversorgung GmbH halten jeweils 26 Prozent, die Stadtwerke Wesel GmbH weitere 22 Prozent.

Aus 89.603 Euro Gewinn werden 439.081 Euro Verlust

Die auffälligste Zahl des Jahresabschlusses ist das Jahresergebnis.

2024 hatte Windpark Lindtorf noch einen Jahresüberschuss von 89.603 Euro erzielt. 2025 dreht das Ergebnis deutlich ins Minus: Unter dem Strich steht ein Jahresfehlbetrag von 439.081 Euro.

Damit verschlechtert sich das Jahresergebnis innerhalb eines Jahres um rund 528.684 Euro.

Für die Gesellschaft ist das keine kleine Ergebnisschwankung mehr. Der Verlust greift sichtbar den vorhandenen Eigenkapitalpuffer an.

Umsatz fällt um rund 551.000 Euro

Eine wesentliche Entwicklung findet sich bei den Erlösen.

Die Umsatzerlöse gingen von 2,912 Millionen Euro auf 2,361 Millionen Euro zurück. Das entspricht einem Minus von rund 551.252 Euro beziehungsweise 18,9 Prozent.

Besonders deutlich ist der Rückgang beim eigentlichen Kerngeschäft, dem Stromverkauf an Dritte:

2024 erzielte Windpark Lindtorf damit noch 2,840 Millionen Euro, 2025 waren es nur noch 2,193 Millionen Euro. Das ist ein Rückgang von rund 646.500 Euro oder 22,8 Prozent.

Teilweise abgefedert wurde diese Entwicklung durch höhere Entschädigungen aus Abregelungen. Sie stiegen von lediglich 19.316 Euro auf 120.261 Euro.

Warum die Erlöse aus dem Stromverkauf so deutlich zurückgegangen sind, lässt sich aus dem Jahresabschluss allerdings nicht eindeutig ableiten. Ob beispielsweise Windaufkommen, Strompreise, technische Verfügbarkeit oder andere Faktoren ausschlaggebend waren, wird in den vorliegenden Angaben nicht entsprechend aufgeschlüsselt.

Eine solche Ursache sollte deshalb nicht hineininterpretiert werden.

Kosten sinken – können Umsatzrückgang aber nicht auffangen

Bemerkenswert ist, dass die Gesellschaft auf der Kostenseite durchaus Entlastungen verzeichnet.

Der Materialaufwand enthält 2025 rund 50.226 Euro für Strombezug und etwa 659.167 Euro für sonstige bezogene Leistungen. Darin stecken unter anderem 402.800 Euro Wartungskosten, 60.000 Euro für die technische Betriebsführung sowie 145.131 Euro Risikoprämie für die Direktvermarktung.

Auch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen gingen zurück: von rund 335.836 Euro auf 303.949 Euro. Die Pachtzahlungen sanken beispielsweise von 126.360 Euro auf 99.521 Euro.

Das Problem: Diese Einsparungen reichen nicht aus, um den deutlichen Erlösrückgang zu kompensieren.

Eigenkapital verliert fast ein Drittel

Der Verlust schlägt unmittelbar auf die Bilanz durch.

Das Eigenkapital sank von 1,339 Millionen Euro auf nur noch 899.630 Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund 32,8 Prozent.

Gleichzeitig schrumpfte die Bilanzsumme von 10,814 Millionen Euro auf 9,178 Millionen Euro.

Damit liegt die rechnerische Eigenkapitalquote Ende 2025 nur noch bei ungefähr 9,8 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 12,4 Prozent.

Das ist der kritischste Punkt des Abschlusses: Die Gesellschaft bleibt zwar mit positivem Eigenkapital ausgestattet, ihr bilanzieller Puffer gegenüber weiteren Verlusten ist aber erheblich kleiner geworden.

Verlust soll Rücklagen aufzehren

Besonders anschaulich wird die Entwicklung beim Vorschlag zur Ergebnisverwendung.

Der Jahresfehlbetrag von 439.081 Euro soll zunächst mit dem Gewinnvortrag von 22.432 Euro und der Gewinnrücklage von 155.554 Euro verrechnet werden.

Danach verbleiben noch 261.095 Euro Verlust, die auf neue Rechnung vorgetragen werden sollen.

Mit anderen Worten: Der Verlust des Jahres 2025 ist so hoch, dass Gewinnvortrag und Gewinnrücklage zusammen nicht ausreichen, um ihn vollständig aufzufangen.

Das ist für die Beurteilung der Eigenkapitalentwicklung wesentlich.

Gleichzeitig sinken die Bankschulden um fast 1,17 Millionen Euro

Das Bild ist jedoch nicht ausschließlich negativ.

Windpark Lindtorf hat seine Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten deutlich reduziert. Ende 2024 standen noch 8,185 Millionen Euro in der Bilanz. Ende 2025 waren es 7,015 Millionen Euro.

Der Rückgang beträgt damit 1,169 Millionen Euro beziehungsweise rund 14,3 Prozent.

Das spricht für einen erheblichen Schuldendienst.

Von den gesamten Verbindlichkeiten in Höhe von 7,162 Millionen Euro werden rund 1,316 Millionen Euro innerhalb eines Jahres fällig. Weitere 4,677 Millionen Euro haben eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.

Die Bankfinanzierung bleibt dennoch der dominierende Faktor der Passivseite.

Bank hat umfangreiche Sicherheiten

Hinzu kommt: Das Darlehen ist umfassend besichert.

Nach Angaben des Unternehmens umfassen die Sicherheiten sämtliche Aktiva, Ansprüche aus laufenden Projektverträgen sowie die Verpfändung von Konten und ähnlichen Vermögenswerten.

Das unterstreicht die starke Bedeutung der Fremdfinanzierung für das Windparkprojekt.

Rechnerisch stehen den gut sieben Millionen Euro Bankschulden Ende 2025 nur rund 900.000 Euro Eigenkapital gegenüber.

Bankguthaben bleibt überraschend stabil

Trotz des Verlustes und des erheblichen Schuldenabbaus ist das Bankguthaben nahezu unverändert geblieben.

Ende 2025 verfügte die Gesellschaft über 418.048 Euro, nach 417.700 Euro im Vorjahr.

Auf den ersten Blick ist das positiv.

Allerdings sollte das gesamte Umlaufvermögen nicht mit frei verfügbarer Liquidität gleichgesetzt werden. In den sonstigen Vermögensgegenständen stecken 711.360 Euro Sicherheitsleistungen, die laut Jahresabschluss der Absicherung des Kapitaldienstes und herausgelegter Avale dienen.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Bilanzielle Vermögenswerte sind nicht automatisch kurzfristig frei verfügbares Geld.

Windkraftanlagen verlieren durch Abschreibungen weiter an Buchwert

Auch die Aktivseite verändert sich deutlich.

Der Buchwert der technischen Anlagen und Maschinen sank von 8,948 Millionen Euro auf 7,439 Millionen Euro.

Das muss bei einem bestehenden Windpark allerdings richtig eingeordnet werden.

Die Gesellschaft schreibt ihre Windkraftanlagen planmäßig linear ab und legt dabei Nutzungsdauern von 15 bis 20 Jahren zugrunde. Ein sinkender Buchwert der Anlagen ist daher grundsätzlich Teil des normalen bilanziellen Alterungsprozesses und für sich genommen noch kein Hinweis auf wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Im Anlagenspiegel werden für 2025 Abschreibungszugänge bei den technischen Anlagen und Maschinen von rund 1,509 Millionen Euro ausgewiesen.

Rückbau kostet ebenfalls Geld

Ein Windpark bringt zudem Verpflichtungen für das Ende seiner Betriebszeit mit sich.

Für den späteren Rückbau der Anlagen weist Windpark Lindtorf eine Rückstellung von rund 473.258 Euro aus. Im Vorjahr waren es noch 438.463 Euro.

Die Verpflichtung ergibt sich aus der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung: Nach endgültiger Aufgabe der Nutzung müssen die Anlagen zurückgebaut werden. Bei der Berechnung berücksichtigt die Gesellschaft unter anderem eine Kostensteigerung von 2,1 Prozent.

Auch langfristig bestehen weitere Verpflichtungen. Neben Pachtverträgen weist die Gesellschaft sonstige finanzielle Verpflichtungen von 559.300 Euro innerhalb eines Jahres, 2,301 Millionen Euro bis fünf Jahre und 819.000 Euro mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren aus.

Kritisch, aber kein Bild einer bilanziellen Krise

Der Jahresabschluss 2025 sollte deshalb weder schöngeredet noch dramatisiert werden.

Kritisch sind vor allem drei Entwicklungen: Der Umsatz fällt um fast 19 Prozent, aus einem Gewinn wird ein Verlust von 439.000 Euro und das Eigenkapital schrumpft um fast ein Drittel auf weniger als 900.000 Euro.

Dem stehen jedoch ebenfalls relevante positive Entwicklungen gegenüber. Die Bankverbindlichkeiten wurden um fast 1,17 Millionen Euro reduziert, das Bankguthaben blieb stabil und die Bilanz weist weiterhin positives Eigenkapital aus.

Auch der Abschluss selbst wurde unter der Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufgestellt; nach dem Bilanzstichtag werden keine Vorgänge von besonderer Bedeutung für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage genannt.

2026 wird zum wichtigen Prüfstein

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht allein, dass Windpark Lindtorf 2025 einen Verlust geschrieben hat. Wichtiger ist, ob der massive Rückgang der Stromerlöse eine vorübergehende Entwicklung war oder sich fortsetzt.

Ein weiteres Jahr mit einem Fehlbetrag in der Größenordnung von 2025 würde den inzwischen deutlich kleineren Eigenkapitalpuffer weiter belasten. Umgekehrt zeigt der kräftige Schuldenabbau, dass die Gesellschaft 2025 trotz schwächerer Ertragslage ihre Bankfinanzierung weiter zurückführen konnte.

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